Fußball

Keine Angst vor dem Weltmeister Neuer fühlt sich fit, Löw verspricht Dynamik

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Fußball-Bundestrainer Joachim Löw plant taktische Veränderungen - Kritik an seiner Person blendet er aber aus.

(Foto: REUTERS)

Krise, welche Krise? Vor dem Spiel in Frankreich ist beim DFB Optimismus angesagt. Bundestrainer Löw sagt, das sei nach dem WM-Desaster nicht überraschend. Und Torhüter Neuer schwärmt vom Zusammenhalt in der Mannschaft.

Wenn es ernst wird, spricht der Kapitän. Das war schon bei der Weltmeisterschaft in Russland so. Damals saß Manuel Neuer zwei Tage nach der Auftaktniederlage gegen Mexiko auf dem Podium im Kinosaal des Teamhotels in Watutinki und versuchte zu vermitteln, dass mit der Mannschaft alles in Ordnung sei. "Ich bin überzeugt, dass es besser wird." Nun saß der Torhüter wieder auf einem Podium, dieses Mal im Stade de France in Saint-Denis. An diesem Dienstag (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) spielt die deutsche Fußball-Nationalelf gegen Frankreich, es ist ihr drittes Spiel in der neuen Nations League. Zum Auftakt Anfang September hatte sie dem Weltmeister in München ein 0:0 abgetrotzt, am vergangenen Samstag aber gab es ein ernüchterndes 0:3 in Amsterdam gegen die Niederlande. Verliert die DFB-Elf auch dieses Spiel, droht ihr der Abstieg aus der Eliteklasse dieses Wettbewerbs.

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Steht nicht so auf "Showflüge": DFB-Torwart Manuel Neuer.

(Foto: dpa)

Während seinerzeit in Watutinki keiner ahnte, dass die WM mit dem historischen Vorrundenaus in einem Debakel enden würde, ist die Lage nun erwartbar ernster. Dabei geht es nicht so sehr um den möglichen Abstieg, sondern darum, dass ein Umbruch in der Mannschaft bisher schlichtweg nicht stattgefunden hat. In dieser für ihn schwierigen Lage sitzt auch Bundestrainer Joachim Löw auf dem Podium, allerdings nicht, weil er unbedingt etwas sagen will, sondern weil das der europäische Verband Uefa am Tag vor dem Spiel so vorsieht. Und, wird es besser? "Wir versuchen, es hier in Paris zu schaffen", sagt Neuer. Drei Punkte sollen es dann schon sein. "Wir kennen den Ernst der Lage."

Neuer lobt den Willen der DFB-Elf

Grundsätzlich aber sei es gegen die Niederlande so gewesen: "Das Problem war, dass wir uns für unseren Aufwand, den wir in den ersten 30 Minuten betrieben haben, nicht belohnt haben." Ausführlich hebt Neuer hervor, dass die Mannschaft nach dem 0:1 alles versucht habe, nicht nur den Ausgleich zu erzielen, sondern das Spiel gar noch zu gewinnen. "Die Einstellung und die Motivation waren riesig." Seinen Fehler vor dem ersten Tor der Gastgeber will er nicht überbewerten: "Das sah grundsätzlich etwas unglücklich aus", räumt er ein, verweist aber wie schon direkt nach der Partie darauf, dass die Abwehrspieler ja auch ihre Kopfballduelle hätten gewinnen können. "Grundsätzlich kann ich sagen, dass ich topfit bin. Ich habe keine Probleme." Nun muss man wissen, dass Neuer als Vertreter der Etablierten im Team spricht, er ist einer der noch sechs Weltmeister von 2014.

Die anderen sind Mats Hummels, Thomas Müller und Toni Kroos. Jérôme Boateng ist am Sonntag verletzt abgereist, Julian Draxler und Matthias Ginter hatten seinerzeit in Brasilien sehr wenig und gar nicht gespielt. Während Draxler nach der Niederlage in Amsterdam mehr Mut zum Risiko gefordert hatte, sind die anderen eher der Meinung, dass es im Grunde weitergehen könne wie bisher. Die Qualität sei schließlich nach wie vor vorhanden. Das könnte sich als fataler Trugschluss erweisen, wenn es das nicht schon getan hat. Neuer sieht das nicht so und verweist noch einmal auf den Willen, das Spiel in Amsterdam zu drehen: "Das ist doch eine positive Einstellung einer Mannschaft, dieses Spiel zu hundert Prozent für sich entscheiden zu wollen." Und mit dem Team sei soweit auch alles in Ordnung: "Wir haben einen sehr guten Zusammenhalt."

Diese Vorlage nimmt der Bundestrainer gerne auf. Löw bemüht sich sehr, einen abgeklärten Eindruck zu machen. "Ganz ehrlich, das kommt für mich nach dieser WM nicht völlig unerwartet, dass unser Weg nicht konstant auf höchstem Niveau abläuft." Schließlich sei es so: "Wir haben nicht so ganz das Selbstbewusstsein, dass alles, was wir wollen, so automatisiert abgerufen werden kann." Auch er vermittelt nicht den Eindruck, als sei ihm vor der Partie gegen Frankreich bange. Der Fokus sei voll auf dieses Spiel gerichtet. Und dann sagt er etwas, was auch Bundesligatrainer im Abstiegskampf gerne sagen: "Wir müssen alle Kräfte bündeln." Natürlich nehme er die Kritik wahr und auch an - nur im Moment zwischen zwei Spielen eben nicht. "Als Trainer blende ich das aus." Wichtig sei, nun die richtigen Schlüsse zu ziehen. Und wichtig sei, dass die Mannschaft auf dem Platz eine Reaktion zeige. Auch das hat man alles schon einmal gehört. Löw jedenfalls verspricht: "Wir wollen mutig und mit Dynamik nach vorne spielen."

Quelle: n-tv.de

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