Fußball

Tor oder nicht Tor? Nur die Schiedsrichter entscheiden

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Tor oder kein Tor - diese Frage wird den deutschen Clubfußball weiterhin beschäftigen. Ausgerechnet im Pokal-Finale entscheidet das Schiedsrichter-Gespann falsch.

(Foto: imago/Michael Weber)

Das Phantom-Tor von Mats Hummels im Pokalfinale entflammt eine neue Diskussion um die über die Torlinientechnik. Aber selbst wenn die Entscheidung der Clubs im März dieses Jahres anders ausgefallen wäre, hätte es dem BVB nichts genutzt.

Warum gibt es in Deutschland keine technischen Hilfsmittel?

Am 24. März dieses Jahres hatten die 36 Proficlubs bei einer Versammlung in Frankfurt/Main die Einführung der Torli nientechnik mehrheitlich abgelehnt. Nur neun Erstligisten und drei Zweit ligisten waren für die Einführung von technischen Hilfsmitteln, womit die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit klar verfehlt worden war.

Wie hatten Borussia Dortmund und der FC Bayern München damals abgestimmt?

Beide Clubs waren für die Einführung der Technik. "Wir bedauern diese Entscheidung. Als Demokraten haben wir das zu akzeptieren. Wir werden in Zukunft weiter mit Fehlentscheidungen leben müssen", hatte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge damals erklärt.

Warum war das Votum so eindeutig ausgefallen?

Die hohen Kosten hatten vor allem die finanzschwächeren Clubs abgeschreckt. Zwischen 250.000 und 500.000 Euro wären für einen Zeitraum von drei Jahren je nach System fällig gewesen.

Wäre bei einer anderen Entscheidung der 36 Clubs die strittige Szene um das vermeintliche Finaltor von Mats Hummels aufgelöst worden?

Nein. Die Einführung der Technik war für den Sommer 2015 geplant gewesen. Dem BVB hätte es am Samstag nichts gebracht. Fraglich ist auch, wie der DFB mit dem Thema für den Pokalwettbewerb umgegangen wäre. Gerade für die Amateurclubs wären die Kosten für die Installation zu hoch gewesen. Der DFB hatte bereits ausgeschlossen, dass die Technik in der ersten Runde des DFB-Pokals zum Einsatz kommen würde.

Wie reagierten die Dortmunder auf die Szene?

Beim BVB saß die Wut noch lange nach dem Spiel tief, Trainer Jürgen Klopp war fassungslos. "Andere Gremien sind gefordert, dass so etwas nicht mehr vorkommt", rief Nationaltorwart Roman Weidenfeller die Spitzenfunktionäre des deutschen Fußballs zum Handeln auf. Hummels selbst schlug vor: "Zwei Videobeweise pro Halbzeit oder pro Mannschaft, das würde alles ein bisschen einfacher machen."

Ist die Torlinientechnik in Deutschland endgültig vom Tisch?

Für die "nahe Zukunft" werde das Thema nicht auf die Tagesordnung kommen, hatte Ligapräsident Reinhard Rauball im März gesagt. Aber ausgeschlossen sei nicht, dass günstigere Angebote oder Fehlentscheidungen für ein Umdenken sorgen werden.

Welche Techniken gibt es und wie wird in anderen europäischen Topligen bzw. bei Fußball-Großereignissen verfahren?

Bei der WM in Brasilien kommt erstmals die Torlinientechnik zum Einsatz, nachdem das System GoalControl seinen Testlauf beim Confederations Cup 2013 erfolgreich bestanden hatte. 14 Kameras sind auf beide Tore gerichtet. Überquert der Ball die Torlinie, geht ein Signal an den Schiedsrichter. Die Uefa setzt bei der EM und im Europapokal auf Torrichter. Uneinheitlich ist auch das Bild in den großen Ligen. In der englischen Premier League kommt das System Hawk-Eye seit dieser Saison zum Einsatz - und funktioniert reibungslos. Sieben auf jedes Tor gerichtete Kameras registrieren die Position des Balles zentimetergenau. Einen Torerfolg meldet das System in nur einer Sekunde an den Schiedsrichter. Die Uhr am Handgelenk des Referees vibriert und blinkt. Spanien will dem Beispiel Englands folgen, befindet sich aber noch in der Testphase. Italien und Frankreich setzen wie die Uefa auf zwei Unparteiische an den Torauslinien. Die DFL hatte Torrichter kategorisch abgelehnt.

Quelle: ntv.de, Stefan Tabeling, dpa