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"Mein Job ist Fußballer" Özil bereut das Erdogan-Foto nicht

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Nach einer langen Diskussion spricht Özil Klartext.

(Foto: dpa)

Fußball-Nationalspieler Mesut Özil äußert sich erstmals zum umstrittenen Bild mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Auf seinem Twitter-Account verteidigt er die Aufnahme und beruft sich auf seine Wurzeln und die britische Königin. Die Medien kritisiert er.

Mesut Özil hat sich erstmals zu seinem umstrittenen Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geäußert. In einem Statement, das der deutsche Nationalspieler auf Twitter veröffentlichte, rechtfertigt er sein Verhalten und erklärt, dass in seiner Brust zwei Herzen schlagen, ein deutsches und ein türkisches. Viele Fans und Kritiker hatten Özil zuvor für das Bild kritisiert und dafür, dass er wochenlang zu dem Vorfall schwieg. 

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Özil wollte demnach mit dem Bild seinen Respekt gegenüber dem Amt Erdogans ausdrücken. "Den Präsidenten nicht zu treffen, wäre respektlos gegenüber meinen eigenen Vorfahren gewesen, auf die ich stolz bin. "Für mich ist unbedeutend, wer Präsident ist, sondern nur, dass es der Präsident ist."

In seiner Stellungnahme greift Özil auch die deutschen Medien an, die das Bild in seinen Augen aus dem Zusammenhang gerissen haben. "Ich bin Fußballer, kein Politiker und das Treffen war nicht dazu gedacht, eine bestimmte Politik zu unterstützen", schreibt der Nationalspieler. Das Foto dürfe nicht als Wahlhilfe verstanden werden. Er habe sich mit Erdogan wie bei früheren Treffen nur über Fußball unterhalten. Özil betont außerdem, dass er den türkischen Politiker seit 2010 schon mehrfach getroffen hat.

Özil bezieht sich in seinem Statement auch auf seine Mutter: Sie habe dafür gesorgt, dass er seine "Wurzeln und Traditionen nie aus den Augen verliert", schreibt er. Özil wurde im nordhrein-westfälischen Gelsenkirchen geboren. In seiner Profikarriere machte er Station bei Schalke 04, Werder Bremen und Real Madrid. Seit 2013 spielt er in London für den FC Arsenal. Sein Debüt in der A-Nationalmannschaft feierte er 2009.

Vergleich mit May und Queen

"Auch wenn die letzte Wahl anders ausgegangen wäre oder die Wahl davor, ich hätte das Foto trotzdem gemacht", schreibt Özil. "Ich bin überzeugt, dass die britische Premierministerin Theresa May und Königin Elisabeth II. diese Ansicht teilen." Schließlich hätten sie Erdogan ebenfalls in London empfangen. "Ob türkischer oder deutscher Präsident, ich hätte genauso gehandelt." Über seine Zukunft in der DFB-Elf äußerte sich Özil in seiner Stellungnahme nicht. Die nächsten Länderspiele stehen am 6. September gegen Weltmeister Frankreich und am 9. September gegen Peru auf dem Programm.

Auch Nationalspieler Ilkay Gündogan war bei dem Fototermin mit dem türkischen Präsidenten anwesend. Im Gegensatz zu Özil äußerte er sich allerdings noch vor der Fußball-WM in Russland zu dem sogenannten Erdogate. Aufgrund der Aufregung um das Treffen wurde Özil während der WM als einziger Nationalspieler von dem Medientag der DFB-Elf freigestellt. Nach dem Turnier kritisierte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff den 29-Jährigen genau dafür.

Das gemeinsame Foto mit Erdogan hatte nicht nur eine sportliche Debatte ausgelöst, sondern eine gesamtgesellschaftliche. Im Vordergrund stand die Frage, ob Nationalspieler sich mit einem Präsidenten ablichten sollten, der in seinem Land die grundlegende Menschenrechte beschneidet. Dem DFB wurde im Zuge des Erdogates von vielen Seiten schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen. Gündogan und Özil trafen sich aufgrund der Debatte rund um die Erdogan-Fotos vor der WM auch mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Initiative für das Treffen sei von Ilkay Gündogan ausgegangen.

Quelle: n-tv.de, sgu/chr/sid

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