Fußball

Niederlage in neuer Heimat? PSG-Coach wehrt sich nicht gegen Fluchtpläne

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Pochettino hat schonmal Manchester-Luft geschnuppert.

(Foto: REUTERS)

Manchester City gegen Paris St. Germain in der Champions League - es ist das Duell der Millionen aus Abu Dhabi und Katar. Bei der PSG-Pleite steht Trainer Mauricio Pochettino im Blickpunkt. Er gilt als Wunschkandidat von Manchester United - und wehrt sich nicht groß gegen Spekulationen.

Wenn Kylian Mbappé, Neymar und Lionel Messi zusammen einen Fußballplatz beehren, bedeutet das nicht nur viel Arbeit für gegnerische Abwehrreihen. Auch die Ordnungskräfte am Spielfeldrand müssen wachsam sein, und das auch noch nach Schlusspfiff. Als die Champions-League-Partie bei Manchester City vorbei war, liefen kurz hintereinander drei Flitzer auf den Rasen des Etihad-Stadions, um den berühmten Stürmern von Paris St. Germain nahe zu sein. Die Eindringlinge lieferten sich Jagdszenen mit den Ordnern, das Publikum bejubelte das Spektakel, und Mauricio Pochettino nutzte den Trubel, um die Szenerie unbemerkt zu verlassen. Der Pariser Trainer gratulierte seinem Gegenüber Pep Guardiola zu dessen 2:1-Erfolg im Vorrundenspiel, der wegen des Leipziger Triumphs bei Klub Brügge beiden Mannschaften zum vorzeitigen Achtelfinal-Einzug genügte, und verschwand in den Katakomben.

Pochettino stand bei dem Duell zwischen katarischen Millionen (PSG) und Millionen aus Abu Dhabi (Manchester City) deutlich mehr im Blickpunkt, als ihm das vermutlich lieb war. Grund dafür sind die Vorgänge gut sieben Kilometer (und neun Straßenbahnstationen) westlich des Etihad-Stadions. Citys Stadtrivale Manchester United ist nach dem überfälligen Rauswurf der unglücklichen Klublegende Ole Gunnar Solskjaer auf Trainersuche, und die Spur führt zu Pochettino. Schon nach dem Aus von José Mourinho im Dezember 2018 war der damalige Tottenham-Trainer Wunschkandidat im Old Trafford. Weil Interims-Coach Solskjaer seine Sache damals aber besser machte als erwartet, belohnte ihn Manchester Uniteds Geschäftsführer Ed Woodward mit der Beförderung zur Dauerlösung. Pochettino unterschrieb Anfang dieses Jahres in Paris, als Nachfolger von Thomas Tuchel.

Keiner für Heldenfußball

Nach Solskjaers Scheitern ist Pochettino offenbar wieder erste Wahl bei Manchester United, und es war ein schöner Zufall, dass der Argentinier ausgerechnet in diesen bewegten Tagen mit PSG in Manchester gastierte. Neben seinen Fähigkeiten als Fußball-Coach war bei der Dienstreise in Englands Nordwesten auch Pochettinos diplomatisches Geschick gefordert. Er wurde bei jeder Gelegenheit zu den Spekulationen um Manchester United befragt, und Pochettino antwortete professionell und unverbindlich. Er sei glücklich in Paris, habe einen Vertrag bis 2023, Gerüchte würden in der Profi-Branche dazu gehören. Und so weiter. Ein belastbares, dauerhaftes Bekenntnis zu seinem aktuellen Arbeitgeber vermied er allerdings ebenso wie eine Absage an Manchester United. Und das wohl aus gutem Grund. Es ist in Englands Medien ein offenes Geheimnis, dass Pochettino schon lange angetan ist von der Vorstellung, im Old Trafford zu arbeiten und den nach dem Abschied des ewigen Sir Alex Ferguson abgestürzten englischen Rekordmeister wieder auf Kurs zu bringen.

Dass Pochettino in Paris glücklich ist, daran lässt sich zweifeln. Auch knapp ein Jahr nach seiner Ankunft in der französischen Hauptstadt lebt er immer noch im Hotel. Der Heldenfußball, den er mit Mbappé, Neymar und Messi notgedrungen spielt, passt nicht zu ihm. Seine Mannschaften zeichnen sich eigentlich aus durch harte Arbeit, Gemeinschaft und den Grundsatz, dass alle Spieler gleich wichtig sind. Tottenham Hotspur führte er so vor zwei Jahren sensationell ins Finale der Champions League (0:2 gegen den FC Liverpool). Pochettinos Bilanz in Paris ist durchwachsen. Spielerischer Glanz ist selten, trotz der Tabellenführung in der Ligue 1 mit elf Punkten Vorsprung. Die Zugänge zu dieser Saison, allen voran Lionel Messi, haben sich noch nicht richtig eingefunden.

Guardiola ist gegen Pochettino im Vorteil

PSG und Manchester City vereint neben den reichen Besitzern auch die Besessenheit davon, endlich die Champions League zu gewinnen, und nach den Eindrücken des direkten Duells hat Guardiolas Mannschaft die besseren Chancen. Englands Meister war perfekt aufeinander abgestimmt, spielte mit System und beherrschte die Pariser Ansammlung von Individualisten klar. Die Torschuss-Bilanz von 16:7 für die Gastgeber gab darüber besser Auskunft als der Endstand von 2:1 durch die Treffer von Raheem Sterling und Gabriel Jesus bei einem Gegentor von Mbappé. "Ich bin mehr als zufrieden", bilanzierte Guardiola.

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Er war vor der Partie gefragt worden, ob ein Trainer Titel brauche, um als Meister seines Fachs anerkannt zu werden, und hatte das verneint. Die Frage war auf Pochettino bezogen, dem in England bei aller Anerkennung für sein Wirken bei Tottenham sein persönliches Trophäen-Kabinett zum Vorwurf gemacht wird. Ein französischer Pokal und der französische Supercup sind seine einzigen beiden Erfolge. Das ist dünn als Empfehlung für den Job bei Manchester United. Bei PSG glaubt man allerdings an den Erfolg mit Pochettino. Jedenfalls scheint der Verein nicht gewillt, den Trainer mitten in der Saison abzugeben. Englands Rekordmeister wird wohl mindestens bis Sommer warten müssen, wenn er Pochettino verpflichten will. Bis dahin soll eine Interimslösung installiert werden im Old Trafford. Zu den Kandidaten gehören Ralf Rangnick und Lucien Favre.

Manchester City hat solche Probleme nicht. Wie in jedem Spiel sangen die Fans auch gegen PSG voller Stolz davon, vom vielleicht größten Genie der Trainergilde betreut zu werden: "We've got Guardiola!"

Quelle: ntv.de

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