Fußball

"Wir wollen Blatter nicht mehr" Platini probt Uefa-Aufstand unter Tränen

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Michel Platini, angegriffen.

(Foto: REUTERS)

Michel Platini, Chef de Uefa, schaut Fifa-Präsident Blatter in die Augen und fordert ihn zum Rücktritt auf. "Wir wollen dich nicht mehr." Der Schweizer lehnt unter fadenscheinigem Grund ab. Die Uefa schließt drakonische Reaktionen nicht aus.

"Ich bin enttäuscht, genug ist genug." Michel Platini ist seine Sorge anzusehen, es sind stürmische Zeiten im Weltfußball. Platini ist der Präsident des europäischen Kontinentalverbandes Uefa. Der umstrittene Fifa-Präsident Sepp Blatter ist sein Freund, das betont er mehrmals während dieser Pressekonferenz in Zürich. Doch Blatter habe seinen Rat nicht angenommen. Die Empfehlung des Franzosen war: Blatter solle zurücktreten. Sofort. "Ich hatte Tränen in den Augen", sagt Platini. Der Schweizer, seit 1998 an der Spitze des Weltfußballverbandes, lehnte ab.

Am Vormittag habe er sich mit Blatter getroffen, berichtet Platini. Der Fifa-Präsident bat die Uefa, den Kongress nicht zu boykottieren. Auf der Fifa-Versammlung will sich der 79 Jahre alte Blatter für eine weitere vierjährige Amtszeit wählen lassen. "Ich wollte unter vier Augen mit ihm reden", erzählt der Uefa-Chef. Aber Blatter wollte nicht. "Ich schaute ihm in die Augen und sagte: Wir wollen dich nicht mehr als Präsident." Blatter habe erwidert, er könne nicht zurücktreten. Es sei zu spät, da der Kongress jetzt beginne. "Ich muss bleiben, ich werde bleiben", zitiert Platini den Fifa-Chef.

"Ich habe harte Worte zu einem Freund gesagt, aber es war nötig", sagt der Franzose bewegt. Es sei der einzige Weg, wie sich die Fifa ändern könne. Die Uefa wird demnach die Präsidentschaftswahl aber nicht - wie noch gestern empfohlen - boykottieren, sondern für Blatters Gegenkandidaten Ali bin al-Hussein stimmen. "Wir wollen Blatter nicht mehr, ich will Blatter nicht mehr." Platini rechnet für al-Hussein aus dem Uefa-Lager mit "54 Stimmen - wenn ich jedem trauen kann". Bei dieser Einschränkung hebt sich das erste Mal bei dieser Pressekonferenz seine Laune sichtlich.

"Wir sind für einen Wechsel"

Sollte Blatter trotzdem gewinnen, was als wahrscheinlich gilt, schließt Platini einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen Fifa-Wettbewerben nicht aus. Die Wahl ist geheim. Bei einer Sondersitzung rund um das Champions-League-Finale in Berlin werde man in der kommenden Woche "alle Möglichkeiten ins Auge fassen", sagte der Franzose.

"Wir sind mehrheitlich und eindeutig für den Wechsel an der Fifa-Spitze und werden dafür am Freitag beim Kongress auch ein Stück weit kämpfen", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in seiner Funktion als Mitglied des Uefa-Exekutivkomitees. Anlass sind die Festnahmen von sieben Fifa-Spitzenfunktionären wegen Vorwürfen der Geldwäsche, Korruption und Bestechung.

"Boykott ist keine Lösung, das ist noch nie eine gewesen. Das war auch in der olympischen Bewegung so", sagte Reinhard Rauball, der Präsident der Deutschen Fußball Liga und ergänzte: "Was hier passiert, ist ein absolutes Desaster. Wir müssen den Wandel herbeiführen. Das können wir nur, wenn wir Prinz Ali wählen."

Der englische Verbandspräsident Greg Dyke sprach sich ebenfalls dafür aus, die Wahl durchzuführen. Dyke erhofft sich gute Chancen für eine Wahl al-Husseins. Auch Australien hat inzwischen bekanntgegeben, für Prinz Ali zu stimmen. Der Engländer David Gill will unterdessen auf seinen Platz im Fifa-Exekutivkomitee verzichten, sollte Blatter gewählt werden.

Zwar bröckelt damit die bislang als sicher geltende große Mehrheit für Amtsinhaber Blatter – aber sein Sieg gilt trotzdem als sicher, spätestens im zweiten Wahlgang. Dann würde dem Schweizer eine einfache Mehrheit reichen.

Quelle: ntv.de, mit dpa