Fußball

Podolski trifft und geht Poldi but Goldie - was hat er sich gefreut!

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Lukas Podolski kann es selbst kaum glauben - er schießt das entscheidende Tor.

imago/Thomas Frey

Lange sieht es nicht danach aus, aber dann verabschiedet sich Lukas Podolski aus der DFB-Elf, wie es traumhafter nicht hätte sein können. Er schießt das Tor - mit links natürlich, in den Winkel. Das Publikum ist entzückt.

Als sich Lukas Podolski auf dem Rasen des Westfalenstadions auf sein 130. und allerletztes Fußballspiel für die deutsche Nationalmannschaft vorbereitete, leuchte es mehrmals hinter ihm auf: "Kreisliga spielen. Weltklasse tragen". Was aussah wie böse Ironie, war dann doch nur Werbung für Sportklamotten auf den Banden, die das Spielfeld umranden. Es hätte auch so gar nicht zu diesem Mittwochabend gepasst, an dem es doch in erster Linie darum ging, einen der beliebtesten Spieler in der Geschichte des DFB ordentlich zu verabschieden.

Schon vor dem Anpfiff hatte er über die Lautsprecher gesagt: "Danke Dortmund, danke Köln und danke Deutschland. Wenn ich das hier so sehe, möchte ich am liebsten jedem die Hand geben und persönlich danke sagen. Es waren 13 geile Jahre - und ihr Fans habt einen großen Anteil daran." Und er persönlich hatte großen Anteil daran, dass die DFB-Elf gegen England gewann - und er sich selbst ein Adieu bescherte, wie es traumhafter nicht hätte sein können. Nach exakt 69 Minuten und mehreren vergeblichen Versuchen bekam er 25 Meter vor dem Tor der Gäste seine Chance. Dann machte er das, was er immer noch am besten kann: Er nahm Maß, holte - natürlich - mit seinem linken Fuß aus und hämmerte den Ball vorbei an Joe Hart hinein in den Winkel. Wenn es ein typisches Podolski-Tor gibt, dann war es sein 49. im Trikot der DFB-Elf. Und was hat er sich gefreut!

Im Grunde hatte Lukas Podolski das ja geschickt hinbekommen, auch wenn's ganz bestimmt keine Absicht war. Eigentlich wollten sie ihn schon am 31. August vergangenen Jahres verabschieden, gegen Finnland in Mönchengladbach, zusammen mit Bastian Schweinsteiger. Das hätte gut gepasst. Gemeinsam hatten sie, die später als Zirkusduo Schweini & Poldi die Republik begeistern sollten, am 6. Juni 2004 in der deutschen Fußball-Nationalelf debütiert. Der Bundestrainer hieß damals Teamchef, und Rudi Völler wollte vor der EM in Portugal ein wenig der rumpelfüßigen Tristesse entgegenwirken und lud die beiden nach Kaiserslautern ein. Im Testspiel gegen Ungarn, mit Lothar Matthäus als Trainer, wechselte Völler direkt nach der Pause Schweinsteiger ein und nach 73 Minuten Podolski für Fredi Bobic. Und gemeinsam sollten sie auch gehen.

Ganz so viele kamen dann doch nicht

Aber dann verletzte Lukas Podolski sich am Knöchel, und so bekam er seine eigene Party. Darauf hatte er sich gefreut, dass hatte er in den vergangenen Tagen oft genug betont. "Viele kommen wegen Lukas", hatte Bundestrainer Joachim Löw vor dem Freundschaftsspiel gegen England gesagt, das 1:0 (0:0) endete. Ganz so viele waren es dann doch nicht, aber immerhin 60.109 Zuschauer waren ins sichtbar nicht ausverkaufte Westfalenstadion gekommen, um einen "der größten Spieler, die Deutschland hervorgebracht hat" zu feiern.

Der Fanklub der deutschen Nationalmannschaft, bekanntlich powered by Coca Cola, hatte dem Hauptdarsteller völlig überraschend eine Choreographie gewidmet: "130 Spiele, 48 Tore, eine Legende. Danke Lukas", stand da auf Bettlaken vor der Südtribüne, wo sonst die Fans der Dortmunder Borussia stehen. Ganz groß darüber dann ein "Poldi" und die kölsche Narrenkappe. Sah gut aus, das hatte er sich verdient. Und ja, sie haben tatsächlich Fußball gespielt, gemäß der offiziellen Deklaration. Es war nämlich eigentlich eine ganz normale Testpartie, seit 2008 verzichtet der DFB auf Abschiedsspiele. Oliver Kahn war der letzte, dem diese Ehre vor seinem Ruhestand zuteilwurde. In Dortmund nun zeigten die Engländer keine Ambitionen, lediglich als Teil der großen Tschau-dem-Lukas-Party zu fungieren, mit etwas mehr Fortune und Zielgenauigkeit vor allem in der ersten Halbzeit hätten sie diese Partie deutlich gewinnen können. Und auf den Rängen war alles wie immer: Die Fans aus England sangen unbeirrt ihre Lieder, während die deutschen Zuschauer bis zu seinem Tor meist schwiegen und Plakate sprechen ließen: "130 Mal kölsche Jeck".

Nach dem Tor aber skandierten sie voller Inbrunst: "Lukas Podolski!" Dann war alles ganz schnell und unprätentiös vorbei. In der 84. Spielminute, um, wie der Stadionsprecher extra betonte, 22.32 Uhr, ging Lukas Podolski vom Rasen. Er winkte kurz, reckte wie so oft beide Daumen in die Höhe - und das war's dann, kurz und schmerzlos. Nach dem Abpfiff ließ er sich noch auf einem Rundgang durchs Stadion feiern. Ansonsten gilt, was der nun Ex-Nationalspieler Lukas Podolski am Tag vor seinem Abschied gesagt hatte: "Es gibt keinen Moment, den ich herauspicken möchte. Das wäre unfair den anderen Momenten gegenüber."

Quelle: n-tv.de

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