Fußball

Gelsenkirchen statt Manchester "Prince" Boateng rechnet mit Schalke 04 ab

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Auch im letzten Ligaspiel gegen Leverkusen kam der Prince aus dem Gesundbrunnen von der Bank.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kevin-Prince Boateng ist das, was man einen Wandervogel nennt. Über Jahre zieht er von Verein zu Verein. In einem Interview lässt er nun durchblicken, dass vor allem zwei Wechsel ihn zu dem Menschen haben werden lassen, der er ist.

Die Welt lag Kevin-Prince Boateng zu Füßen, doch er entschied sich für Schalke 04. "Ich hatte die Möglichkeit, zu Manchester United zu wechseln. Ich habe mich für Deutschland entschieden - man hat dann ja gesehen, was auf Schalke mit mir passiert ist", plauderte der Hertha-Rückkehrer im vereinseigenen TV-Kanal. Der damalige Wechsel von AC Mailand zurück in die Bundesliga gehöre zu den zwei Dingen, die er in seiner Karriere bereue.

"Das erste ist, dass ich so früh von Hertha weggegangen bin. Die zweite Sache ist, dass ich damals von Mailand zu Schalke gewechselt bin", sagte der Mittelfeldspieler der Hertha, der nach langen Jahren und unzähligen Vereinen in diesem Sommer in die Heimatstadt zurückgekehrt ist und nun täglich das langsam bröckelnde Wandgemälde der Gebrüder Boateng in seinem Heimatbezirk Gesundbrunnen bewundern kann.

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Der Gesundbrunnen hat die Boatengs nie vergessen.

(Foto: imago images/Jochen Eckel)

Früh schon hatte es den heute 34-Jährigen aus Berlin weggezogen und beinahe zerstört. Mit gerade einmal 20 Jahren wagte Boateng 2007 den Sprung in die englische Premier League, doch sein Wechsel zu den Tottenham Hotspur brachte ihm keinen Erfolg. Viel mehr zerstörte er beinahe seine Karriere. Trainer Martin Jol hatte keine Verwendung für ihn, auf dem Platz fand er nicht statt. "Ich spielte kaum und hatte morgens keinen Antrieb, zu trainieren. Ich war gefangen in einer Lethargie. Nachtclubs und Partys waren wichtiger als Fußball", erzählte er, als alles vorbei war.

Erfolgreich in Mailand

"Es war mir wichtig, die coolsten Klamotten zu tragen und in den Nachtclubs bekannt zu sein. Ich war komplett auf der schiefen Bahn", blickte er auf die Zeit in London zurück. Klamotten, Nachtclubs und einmal der Kauf von drei Autos an einem Tag konnten ihm nichts geben. "Das machte mich nicht glücklich. Ich war ein gebrochener Mann, der in seiner eigenen Welt lebte."

Es gelang Boateng letztendlich, diesen Fehler zu überwinden. Er wechselte zu Borussia Dortmund, spielte eine starke Halbserie unter Jürgen Klopp, wurde jedoch nach einem Tritt im Spiel beim VfL Wolfsburg als Bad Boy zurück nach England geschickt. Nach Stationen bei Portsmouth und AC Mailand, mit denen er 2011 italienischer Meister wurde, zog es ihn 2013 für rund 10 Millionen Euro nach Gelsenkirchen. Keine zwei Jahre später wurde er vom damaligen Sportvorstand Horst Heldt freigestellt.

Ein "Gerechtigkeitsfanatiker"

"Wenn einer nicht bereit ist, das zu machen, was wir uns vorstellen, dann überlebt er das nächste Training nicht mehr", hatte Heldt am Tag vor der Freistellung nach nur 46 Spielen und sechs Toren martialisch angekündigt. Boateng verließ Schalke letztendlich im Dezember 2015. Es folgten in loser Abfolge unzählige weitere Klubs: Über AC Mailand ging es zu Las Palmas, Eintracht Frankfurt, US Sassuolo, Barcelona, Florenz, Besiktas, Monza und dann im Sommer zurück an die Panke, zurück nach Berlin.

Auch der ehemalige Sportvorstand Heldt blickte kürzlich zurück auf das plötzliche Boateng-Aus in Gelsenkirchen. "Kevin ist ein Gerechtigkeitsfanatiker und durchaus auch sensibel. Es war damals sehr schmerzhaft für ihn, aber auch für uns", erzählte er dem "Kicker" im August. Die Welt lag Boateng zu Füßen, doch dann kam Gelsenkirchen und nicht Manchester. Danach begannen die Wanderjahre für den Mittelfeldspieler. Bei Hertha BSC ist er nun ein sogenannter Kabinenspieler. Er hat bislang sieben Saisonspiele für den Verein aus dem Berliner Westend absolviert.

Quelle: ntv.de, sue

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