Fußball

Meister-Attest für Nagelsmann RB Leipzig ist nun offiziell ein Titelanwärter

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Julian Nagelsmann und Alfred Schreuder sind dicke Kumpels.

(Foto: dpa)

Im Duell mit seinem Ex-Klub Hoffenheim trifft Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann am 14. Spieltag der Fußball-Bundesliga auch auf seinen früheren Assistenten Alfred Schreuder. Der lobt den 32-Jährigen nach der Niederlage in den höchsten Tönen - und attestiert ihm Titel-Reife.

Sie haben nur knapp zwei Jahre zusammengearbeitet. Und doch war am Samstag nach dem 3:1 (1:0) zwischen RB Leipzig und der TSG Hoffenheim zu beobachten, wie innig das Verhältnis zwischen den einstigen Trainerkollegen Julian Nagelsmann und Alfred Schreuder und deren Mitarbeitern bei aller Rivalität noch immer ist. So viel Freundschaft lässt das normalerweise eher distanzierte und auf Abgrenzung ausgelegte Profifußball-Geschäft sonst selten zu. Doch nicht nur Nagelsmann, sondern auch sein einstiger Co-Trainer Schreuder, der gerade gegen den alten Chef verloren hatte, ließen genügend Raum für die alte Verbundenheit.

Am Vorabend des Spiels hatten Nagelsmann und seine Vertrauten Benjamin Glück (Videoanalyst) und Timmo Hardung (Teammanager) die Hoffenheimer im Teamhotel besucht - ebenso unüblich wie sympathisch. "Wir hatten herausragende eineinhalb Jahre, nicht nur sportlich, sondern auch menschlich", sagte Nagelsmann. Er habe sich Zeit genommen, um "in ruhigen Momenten mal die Menschen in den Arm zu nehmen, die einem wichtig sind, und über die alten und aktuellen Zeiten zu sprechen - als Freunde, nicht nur als Kollegen". An einem Spieltag sei einfach zu wenig Platz, um das Wiedersehen "gebührend zu genießen".

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Und auch Schreuder sagte: "Gegen die drei Freunde zu spielen, ist schon besonders als Trainer. Vor zwei Jahren haben wir noch viel zusammengearbeitet, jeden Tag viel Spaß zusammen gehabt. Das muss man nicht vergessen. Wir bleiben Menschen." Was beide meinen, illustrierte dann am späten Abend das ZDF-Sportstudio, das eine frühere Aufnahme aus dem Videoraum der TSG Hoffenheim zeigte. Zu sehen waren fünf Männer, die vor ihren Analyserechnern sitzen - inklusive Nagelsmann und Schreuder - und in ihren Bürosesseln einen verwegenen Sitztanz zu dem Calypso-Klassiker "Matilda" von Harry Belafonte aufführen.

Nagelsmann verrät Details über Ex-Team

Details zur Spielvorbereitung für das Duell gegeneinander behielten beide Lager trotz der aufgefrischten Freundschaft freilich für sich. Es sei ein "seltsames Gefühl, deinen jetzigen Jungs zu sagen, was die alte Mannschaft gut oder weniger gut kann", offenbarte Nagelsmann nur. "Das ist teilweise suspekt, habe ich auch zum ersten Mal erlebt." Doch am Spieltag hatte das keinen Einfluss mehr. "Auf dem Platz hatten sowohl wir beide als auch unsere Mannschaften die Ausstrahlung, dass wir gewinnen wollen", betonte Schreuder.

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Werner lässt sich für seine zwei Tore vom immer stärker werdenden Schick feiern.

(Foto: imago images/Picture Point LE)

RB Leipzig begann im #ElPlastico mit dominantem Powerplay, ging durch Timo Werner nach toller Vorarbeit des immer besser werdenden Tschechen Patrik Schick früh in Führung (11.). Doch Hoffenheim fand nach etwa 25 Minuten immer besser in die Partie, mit Leipzigs Kompaktheit war es dahin. "Nach der Führung haben wir nicht mehr gut verteidigt, sind in eine Zwitterposition gefallen: Vorn standen wir zu hoch, dann war die Mannschaft zweigeteilt", analysierte Nagelsmann. Nach einer verunglückten Spieleröffnung des sonst so souveränen RB-Keepers Peter Gulacsi direkt auf Hoffenheims Stürmer Andrej Kramaric hätte Dennis Geiger den Ausgleich erzielen müssen, knallte den Ball aber aus kurzer Distanz an den Pfosten (39.).

"Keinen super Sahnetag"

RB zitterte sich in die Kabine, doch in den zweiten 45 Minuten dominierten die Gastgeber, die zahlreiche Umschaltsituationen bekamen. Allein zehn davon durch Timo Werner, den Stefan Posch im Strafraum umriss und der per Elfmeter auch in der zweiten Hälfte früh traf (52.). Spätestens durch Marcel Sabitzers Abstauber zum 3:0 nach Schuss des eingewechselten Christopher Nkunku (83.), war das Spiel gelaufen. Ermin Bicakcics Treffer zum 1:3 nach erneutem Patzer von Gulacsi per Schulter kam zu spät (89.).

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Aus der statistischen Überlegenheit zieht die TSG keinen Profit.

(Foto: imago images/Picture Point LE)

So hatte Hoffenheim zwar am Ende mehr Ballbesitz (57 Prozent), besseres Passspiel und eine stärkere Zweikampfquote (52 Prozent). Doch RB war dennoch um Längen gefährlicher. "Wir hatten keinen super Sahnetag, aber trotzdem 25 Torschüsse und viele Torchancen. Aufgrund dessen ist es schon verdient, wenngleich wir nicht klar besser waren als Hoffenheim", sagte Nagelsmann.

Mit weiter einem Zähler Rückstand auf Tabellenführer Mönchengladbach und nun sechs Punkten Vorsprung auf den FC Bayern München haben Julian Nagelsmann und RB Leipzig nach dem fünften Bundesligasieg in Serie nun immer weniger Argumente gegen die zugeschriebene Rolle als Titelkandidat vorzubringen. Zumal, wenn diese nicht von neugierigen Journalisten, sondern von einem Freund wie Alfred Schreuder kommt. "Julian hat es in sich, Meister zu werden. Er hat den Charakter dafür, das hat er schon in der Jugend gezeigt", sagte der TSG-Coach, während Nagelsmann einen Meter neben ihm saß. "Sie können Meister werden - nicht nur was die Spieler betrifft, sondern auch den Trainer. Wenn sie ruhig bleiben, haben sie große Chancen, dann sind sie einer der Favoriten", so der 47-Jährige.

Nagelsmann formuliert Titelambitionen

Bereits jetzt attestierte Schreuder den Leipzigern zahlreiche "Verbesserungen" im Vergleich zur Vorsaison. Zwar fängt sich RB anders als 2018/19 immer auch ein, zwei Gegentore, doch dafür ist das Offensivspiel nach der Leistungsdelle im Oktober ungleich stürmischer, kreativer, attraktiver und weniger ausrechenbar. Die Fülle an Chancen und Toren seit dem 6:1-Brustlöser im Pokal in Wolfsburg sind beeindruckend. "Diese Entwicklung ist noch nicht zu Ende bei Leipzig", warnte Nagelsmann-Kenner Schreuder, "in zwei, drei Monaten sind sie wieder weiter, am Ende der Saison noch weiter."

So formuliert auch der Trainer-Jungstar seine Titelambitionen konkreter. Im Lichte der Sportstudio-Spots sagte der 32-Jährige: "Wir probieren es. Wir wollen unter die ersten Vier kommen, das impliziert auch die Meisterschaft. Wenn wir die meisten Spiele gewinnen, sind wir vielleicht nicht nur unter den ersten Vier, sondern am Ende ganz oben." Aktuell sind zumindest keine Gründe zu erkennen, warum Rasenballsport nicht bis zum Ende der Saison um den Titel mitspielen sollte. Schreuder und seine Kraichgauer könnten mit Erfolgen gegen die RB-Konkurrenten entscheidende Schützenhilfe für die Leipziger Freunde leisten.

Quelle: ntv.de