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Sport
Ab ins Eisbecken: Emil Forsberg.
Ab ins Eisbecken: Emil Forsberg.(Foto: imago/Eibner)
Freitag, 06. April 2018

Schon ein bisschen cool: RB Leipzig reift und legt gegen Marseille vor

Von Ullrich Kroemer, Leipzig

Euphorie bricht in Leipzig nicht aus, aber immerhin: Der Sieg gegen Olympique lässt die Chance auf das Halbfinale der Fußball-Europaliga realistisch erscheinen. Und Trainer Ralph Hasenhüttl lobt seine Jungs, die nicht mehr ganz so grün seien.

Das Eisbecken in der Leipziger Mannschaftskabine im Stadion war Donnerstagnacht hoch frequentiert. Die einen waren schon drin, so wie Diego Demme, der bei RB Leipzigs hart erkämpftem 1:0 (1:0)-Sieg gegen Olympique Marseille kurz vor Ende von Wadenkrämpfen geplagt wurde; und Konrad Laimer, der sich einen Muskelriss zuzog und nun wohl über einen Monat pausieren muss. Die anderen wie der Nordschwede Emil Forsberg, dem Kälte nichts anhaben kann, wollten möglichst schnell rein. "Schnell rein ins Becken und dann wieder raus", sagte Forsberg und lächelte. Dann gelinge auch die Regeneration.

"Wir sind müde, es war anstrengend": Ralph Hasenhüttl.
"Wir sind müde, es war anstrengend": Ralph Hasenhüttl.(Foto: imago/Eibner)

Daran, dass kurz vor Mitternacht in den Stadion-Katakomben über Kältebäder gesprochen wurde - Per Mertesacker lässt grüßen - kann man ermessen, welch hartes Stück Arbeit dieser knappe Erfolg im Viertelfinal-Hinspiel der Fußball-Europaliga für Rasenballsport war. Euphorie ob der guten Ausgangslage vor dem Rückspiel in einer Woche in Marseille mochte sich jedenfalls nicht einstellen. "1:0 ist in Ordnung, aber nicht überragend, wir müssen dort hart arbeiten. Das zweite Spiel wird sehr, sehr schwer", warnte Torhüter Peter Gulacsi.

Und Trainer Ralph Hasenhüttl, dem man die Strapazen der 90 Minuten ebenfalls anmerkte und der wohl auch ein Kältebad nötig gehabt hätte, sagte: "Wir sind müde, es war anstrengend. Klar war das auch nervenaufreibend. Die Anspannung bis zum Schluss war groß. Es gibt keinen Grund, euphorisch, noch enttäuscht zu sein." Dass seine Interpretation des Spiels eher verhalten und selbstkritisch ausfiel, hat wohl auch damit zu tun, dass es RB Leipzig nicht gewohnt ist, auch mal einen "dreckigen" Sieg einzufahren. "Wenn man sich die Statistik anschaut, waren wir nicht unbedingt die bessere Mannschaft", sagte Hasenhüttl fast entschuldigend. 10:17 Torschüsse, darunter nicht nur mehr, sondern auch die besseren Chancen für die Gäste, ist keine typische Statistik für RBL.

"Ein Weltklasse-Stürmer"

So kam es, dass der Trainer vor allem die Null pries, die über Olympique Marseille auf der Anzeigentafel stand. "Das ist uns in der internationalen Karriere dieses Vereins noch nicht so häufig gelungen." Genau genommen war es das erste Mal im elften Spiel der Leipziger auf europäischer Ebene. Und auch in der Bundesliga glückte es RB in dieser Spielzeit nur sechs Mal, sich keinen Gegentreffer einzufangen. Zwar hatten die Leipziger auch eine gehörige Portion Glück, dass Olympique seine exzellenten Chancen durch Mitroglou (9.), Sarr (42.), Ocampos (56.) und Payet (57.) nicht nutzte. Doch dass die Zu-Null-Premiere ausgerechnet gegen die abgezockten Franzosen gelang und sich RB Fortune erarbeitete, ist auch Ausdruck einer gewachsenen Reife der Leipziger.

Weltklasse? Timo Werner.
Weltklasse? Timo Werner.(Foto: imago/foto2press)

Sowohl in der Hintermannschaft, aber auch in der Offensive, wo Timo Werner unter freundlicher Mithilfe von Marseilles Ersatztorwart Yohann Pelé ein gefährlicher Torschuss zum Tor des Abends reichte (45.). Emil Forsberg, der als Dreh- und Angelpunkt im Leipziger Spiel bester Akteur des Abends war und Werners Tor mit einem genauen Pass in die Tiefe vorbereitete, lobte den Kollegen für dessen viertes Tor im fünften Europaligamatch: "Er ist schon ein Weltklasse-Stürmer. Wir sind froh, dass wir ihn haben und wir wollen ihn auch besser machen, indem wir ihm gute Chancen verschaffen", sagte Forsberg ohne jede Star-Attitüde. So attestierte Keeper Gulacsi dem Team ganz generell einen höheren Reifegrad als noch im Herbst. "Mit jedem internationalen Spiel wächst die gesamte Mannschaft weiter", sagte der Ungar. Und: "Wir sind jetzt viel cleverer, viel abgezockter in vielen Bereichen. Das ist noch nicht am Ende. Aber wir sind nach dem 1:0 nicht ins Risiko gegangen, sondern haben clever zu Ende gespielt." Indem Hasenhüttl 20 Minuten vor Schluss Kevin Kampl für den wirkungslosen Stürmer Jean-Kévin Augustin brachte, gab er von außen den Impuls dafür.

"Jetzt sind wir gefestigter"

Der Trainer monierte zwar "nach hinten raus ein paar Leichtsinnsfehler, bei denen ich das Gefühl hatte, dass der ein oder andere nervös geworden ist. So ganz cool sind wir noch nicht, wie man es bei großen Mannschaften sieht. Aber ich glaube schon, dass wir uns mittlerweile wesentlich souveräner verkaufen, auch ergebnisorientierter agieren." Zu Beginn der Saison habe sein Team "ein bisschen grün einfach drauflos gespielt. Jetzt sind wir gefestigter. Das ist unbedingt notwendig gewesen", so der Fußballlehrer.

Ob ein bisschen cool genügt, um im Rückspiel gegen Marseille zu bestehen, wird auch davon abhängen, wie das junge Team mit der "gewaltigen Stimmung" (Demme) im Stade Velodrome umgeht. Dort, kündigte Olympique-Trainer Rudi Garcia an, könne sein Team "Berge versetzen". Doch Hasenhüttl weiß: "Das Gute ist, dass der Gegner jetzt viel machen muss, um das Spiel zu drehen." Und das eröffnet RBL Räume für Konter über den genialen Forsberg und den pfeilschnellen Werner. Zuvor wartet jedoch Leverkusen am Montagabend zum Sechs-Punkte-Spiel um die Champions-League-Qualifikation auf RB.

Danach werden sie sich wieder um die Plätze im Kältebecken drängen, um drei Tage später den historischen Einzug ins Europapokal-Semifinale perfekt zu machen. "Still hungry for the cup" stand in großen Lettern im Fanblock der Leipziger. So langsam dürfen sie in der Messestadt anfangen zu träumen, vom ersten großen Titel der jungen Klubgeschichte.

Quelle: n-tv.de