Fußball

Racial Profiling in Leipzig RB wirft japanische Fans aus dem Stadion

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Racial Profiling beim Fest für "Love, Peace & Rasenball".

(Foto: imago images/Karina Hessland)

Racial Profiling beim Fest für "Love, Peace & Rasenball": Japanische Fußballfans klagen an, dass sie von RB Leipzig aus dem Stadion geworfen wurden. Als Grund wurde ihnen eine mögliche Corona-Infizierung genannt.

"Love, Peace & Rasenball" - so lautete das Motto des Spiels von RB Leipzig am Sonntagabend gegen Bayer Leverkusen. Für "gastfreundliche" Fußballfeste wollte man damit einstehen, wie RB auf Twitter schrieb. Die Gastfreundschaft scheint aber im Verein momentan nur bis zu einem bestimmten Grad zu gehen: Der RB-Ordnungsdienst warf kurz nach Beginn der Partie rund 20 japanische Zuschauer aus dem Stadion. Auf Twitter hatten Betroffene seit gestern berichtet, dass die Sicherheitskräfte eine mögliche Infizierung mit dem Coronavirus als Grund genannt hatten. 

Eine Anfrage der ntv.de-Redaktion an RB Leipzig von Montagmorgen blieb bis zum Nachmittag unbeantwortet, dann bestätigte der Verein auf Twitter, dass dem Sicherheitsdienst "ein Fehler unterlaufen sei." Dieser sei "angehalten" gewesen, Personen "aus potentiellen Risikogebieten" verstärkt zu kontrollieren. Der Verein müsse sich "an dieser Stelle entschuldigen".

Welche diese Risikogebiete seien, erklärt RB nicht. Ob also auch beispielsweise Iraner oder Italiener ausgewiesen worden wären, ist nicht bekannt. Wie Japaner (oder auch Menschen, die gerade in Japan waren) und andere Risikogruppen zu erkennen sind, sagt der Verein nicht. Auch, auf was genau Ordner diese Menschen kontrollieren sollten, ist unklar. Letztendlich betrieb Leipzig mit der Aktion so genanntes Racial Profiling, also ein lediglich auf Stereotypen und äußerlichen Merkmalen basierendes Agieren der Sicherheitskräfte. Verdacht nach ethnischer Herkunft also: Konkrete Verdachtsmomente konnte es gegen die Fans nicht geben. Für diese rassistische Herangehensweise erntet der Verein nun einen Shitstorm auf Twitter. Zudem gibt es Forderungen nach einer Strafe durch den DFB, wie sie etwa bei Vergehen der Fans üblich ist. Schließlich habe der Verein ja den Sicherheitsdienst beauftragt.

"Innerhalb der ersten zehn Minuten des Spiels wurde ich rausgeworfen"

"Ich habe das Spiel gegen Bayer Leverkusen besucht”, schreibt ein mutmaßlich japanischer Fan auf Twitter. Beim Einlass ins Stadion habe es keine Probleme gegeben. „Nachdem das Spiel begann, sagte mir ein Security-Mitarbeiter in der Red-Bull-Arena, dass ich mit dem Coronavirus infiziert sein könnte, weil ich Japaner bin. Innerhalb der ersten zehn Minuten des Spiels wurde ich rausgeworfen.” Ein weiterer Nutzer bestätigte den Vorfall auf japanisch: "Aufgrund von Corona wurde eine Gruppe mit japanische Gästen 15 Minuten nach dem Start des Bundesligaspiels entfernt." Auf dem Heimweg habe ihm eine Sicherheitsperson noch gesagt, dass es ihm leid täte.

Ein Video eines der Twitternutzer zeigt, dass die Japaner sich nicht in einer der Fankurven, sondern in einem neutralen Zuschauerbereich befanden. Somit dürften Gründe für einen Rauswurf nicht mit Vergehen gegen die Stadionregeln zu erklären sein, wie etwa dem Tragen von Fan-Utensilien des Gegners. Ob DFB und DFL nun "klare Kante" gegen Ausgrenzungen zeigen, wie nach dem Hopp-Skandalspielen angekündigt, bleibt abzuwarten.

Leipzig hatte vor dem Spiel Informationen verbreitet, dass die Sicherheitsvorkehrungen wegen der Infektionsgefahr mit dem Coronavirus verschärft würden. Konkret wurde dabei aber nur Desinfektionsmittel erwähnt. Auf Twitter kursiert auch ein Bericht, dass schon beim Samstagspiel zwischen der U19 von Leipzig und Union Berlin mutmaßlich "asiatisch aussehende" Zuschauer ausgeschlossen wurden.

Quelle: ntv.de