Fußball

Haarscharf an Katastrophe vorbei Real Madrid greift UEFA nach Skandalspiel an

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Viele Fans gelangten trotz Karten nicht ins Stadion.

(Foto: IMAGO/PA Images)

Das Finale der Champions League soll ein großes Fußballfest werden. Doch nur das besonnene Verhalten der Zuschauer verhindert eine große Tragödie. Das 1:0 von Real Madrid über Liverpool rückt vor allen Dingen in England schnell in den Hintergrund. Auch Real Madrid fordert nun Antworten von der UEFA.

Champions-League-Sieger Real Madrid hat seine Fans nach dem Final-Chaos in St. Denis verteidigt und eine Aufklärung der Ereignisse gefordert. "Wir möchten Antworten und Erklärungen, wer dafür verantwortlich ist, dass die Fans hilflos und schutzlos zurückgelassen wurden", teilte der spanische Rekordmeister in einer Stellungnahme mit.

Anstelle eines Fußballfests sei das Endspiel der Königsklasse, das die Königlichen gegen den FC Liverpool 1:0 am vergangenen Samstag gewonnen hatten, für viele Fans zu einem "unglücklichen Ereignis" geworden, das "weltweit für tiefe Empörung" gesorgt habe. Das Finale im Stade de France von St. Denis war erst mit 37 Minuten Verspätung angepfiffen worden, nachdem es chaotische Szenen rund um das Stadion gegeben hatte.

Vor den Eingängen hatten sich lange Schlagen gebildet, es kam zu großem Gedränge, die Polizei schritt dabei auch mit Tränengas ein. Aufnahmen hätten gezeigt, dass "viele der Fans gewalttätig angegriffen, belästigt und ausgeraubt" worden seien, schrieben die Madrilenen: "Der Fußball hat der Welt ein Bild vermittelt, das weit entfernt ist von den Werten und Zielen, die er immer verfolgen muss."

Erinnerungen an Hillsborough

Bei den Vorfällen am Samstag hatte es insgesamt 238 Verletzte und 105 Festnahmen gegeben, rund 2700 Fans mit gültigem Ticket konnten das Stadion nicht betreten. Nach Erkenntnissen der französischen Regierung hatte ein gewaltiger Betrug mit Eintrittskarten zu den Schwierigkeiten am Stade de France geführt. Beweise dafür hatten die dementsprechenden Stellen jedoch nicht vorlegen können.

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In Liverpool und England herrscht seit vergangenem Samstag die Empörung über die Anschuldigungen der französischen Regierung und auch der UEFA, die zuerst die verspätete Anreise der Fans für den verschobenen Anstoß verantwortlich gemacht hatte. Mittlerweile hat die UEFA jedoch eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle angekündigt.

Einige Fans der Reds berichteten in den Sozialen Medien von ihren traumatischen Erfahrungen vor dem Stadion, die sie in den April 1989 zurückversetzt hatten. Damals verloren vor einem FA-Cup-Halbfinale gegen Nottingham Forest insgesamt 97 Liverpool-Anhänger ihr Leben. Im Anschluss hatte der Boulevard eine beispiellose Kampagne gegen Liverpool gestartet. "The Sun" hatte Hooligans die Schuld an der durch Polizei- und Sicherheitsversagen ausgelösten Tragödie in die Schuhe schieben wollen. Erst 15 Jahre später folgte eine halbherzige Entschuldigung.

Quelle: ntv.de, sue/sid

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