Fußball

Relegation doch noch erreicht Rostock-Drama schwört HSV auf Hertha ein

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Das Spiel gedreht, die Relegation gesichert.

(Foto: REUTERS)

Der letzte Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga startet dramatisch für den Hamburger SV. Plötzlich wäre sogar die Relegation futsch. Doch der Klub dreht das Spiel gegen Hansa Rostock - und kann nun doch noch auf den Wiederaufstieg hoffen. Gegen Hertha BSC kann die Saison gekrönt werden.

Trainer Tim Walter hüpfte wie von Sinnen über den Rostocker Rasen, die Hamburger Spieler um Torjäger Robert Glatzel feierten glückselig Arm in Arm vor ihren Fans: Dank eines furiosen Comeback-Siegs bei Hansa Rostock hat der Hamburger SV die ersehnte Bundesliga-Rückkehr nach vier Jahren ganz dicht vor Augen.

Mit dem 3:2 (0:1) beim FC Hansa Rostock verteidigten die Hamburger am letzten Zweitliga-Spieltag Platz drei und treffen am 19. und 23. Mai (20.30/beide Sky, Sat.1 und im ntv.de-Liveticker) in der Relegation auf den Bundesliga-16. Hertha BSC aus Berlin mit HSV-Ikone Felix Magath als Trainer. Schon vor dem Abpfiff riefen die HSV-Anhänger: "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin."

Der Sprung auf Platz zwei und damit der direkte Aufstieg blieb der Mannschaft von Trainer Tim Walter verwehrt, da Nordrivale Werder gegen den SSV Jahn Regensburg mit dem 2:0 (1:0) den für sich notwendigen Sieg holte. Die Bremer kehren gemeinsam mit dem FC Schalke 04 nach nur einem Jahr zurück auf die große Fußball-Bühne.

Der HSV würde sich dem Duo liebend gern anschließen. Doch dazu muss er nun gegen die Berliner bestehen. Immerhin gehen die Hanseaten mit dem Selbstbewusstsein von fünf Siegen nacheinander in die entscheidenden Spiele. "Es gibt nichts Schöneres, als so ein Spiel heute zu gewinnen", sagte Kapitän Sebastian Schonlau bei Sky. "Was wir für eine Saison spielen, ist richtig gut." Torjäger Robert Glatzel stimmte ein: "Unglaublich, unbeschreiblich!"

"Dann geht's Vollgas nach Berlin"

Vor 26.150 Zuschauern im ausverkauften Ostseestadion - darunter auch 2500 HSV-Fans - taten sich die Hamburger vor der Pause schwer gegen die befreit aufspielenden Rostocker. Nico Neidhart (13.) sorgte mit Hansas Führung für den frühen Dämpfer für die Gäste. In Halbzeit zwei erzwangen sie durch Glatzels 22. Saisontor (50.), Schonlau (75.) und Mikkel Kaufmann (85.) die Wende. Lukas Frödes Anschluss in der Nachspielzeit machte das Spiel noch einmal kurz spannend. Gegen Magaths Hertha muss sich der HSV steigern, um endlich wieder nach oben zu kommen.

An Hertha wollte Schonlau noch nicht denken. "Heute freuen wir uns über den dritten Platz. Wir haben es endlich mal geschafft", sagte Schonlau. "Und dann geht's Vollgas nach Berlin." Hansa-Trainer Jens Härtel hätte sich von den Rostocker Fans gern mit einem Sieg verabschiedet. "Wir haben den HSV am Leben gelassen, weil wir große Chancen nicht genutzt haben", meinte der Coach. Hansa-Torhüter Markus Kolke beruhigte ihn: "Wir haben eine überragende Saison gespielt."

Im April noch abgeschrieben

Dass der HSV überhaupt noch mal ins Aufstiegsgeschehen eingreifen konnte, lag neben der eigenen Stärke im Endspurt vor allem an der schwächelnden Konkurrenz. Nach der 0:1-Pleite bei Holstein Kiel im April schien alles vorbei zu sein: Mit sieben Punkten Rückstand auf Rang drei galt der HSV als abgeschrieben. Punktebilanz (45) und Platzierung (6.) waren die schlechtesten in vier Zweitliga-Jahren zum vergleichbaren Zeitpunkt.

Trainer Walter wurde kritischer beäugt. Der 46-Jährige sprach im Zusammenhang mit seiner Mannschaft mehr von Entwicklung und weniger von Ergebnissen und hielt an seiner risikoreichen Spielidee stur fest. Doch in Sportvorstand Jonas Boldt, der seit 2019 am Projekt Aufstieg bastelt, hatte er stets seinen stärksten Fürsprecher und konnte in Ruhe weiterarbeiten.

Nach dem Kiel-Spiel starteten die Hamburger ihre Serie, die Walter-Kritiker wurden mit jedem Sieg stiller. Die Konkurrenten Schalke 04, Werder Bremen, Darmstadt 98 und vor allem Stadtrivale FC St. Pauli patzten, der HSV war zurück im Aufstiegsrennen. Und mit jedem Erfolg wuchs das Selbstbewusstsein. "Wir sind überzeugt von uns, wir sind mutig", beteuerte Walter und befand: "Wir sind da, wo wir sind, zu Recht."

Beste Rückrundenbilanz

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Anders als in den ersten drei Zweitliga-Spielzeiten, als die Rückkehr ins Oberhaus durch schwache Ergebnisse in der Saison-Crunchtime verspielt und nur stets der undankbare vierte Platz heraussprang, lief es nun umgekehrt. Schon vor dem Gastspiel in Rostock stand fest, dass der HSV seine beste Rückrundenbilanz hinlegte. Mit Platz drei hat er nun auch seine beste Zweitliga-Platzierung in vier Jahren erreicht. Was fehlt, ist nur noch die Relegations-Krönung. Glatzel: "Wir hoffen, dass wir aufsteigen können."

Die Hamburger haben schon ihre Erfahrungen mit den Ausscheidungsspielen um den letzten Erstliga-Startplatz - allerdings stets als Bundesliga-16. 2014 setzten sie sich gegen den damaligen Zweitliga-Dritten SpVgg Greuther Fürth mit zwei Remis durch und hielten die Klasse. Ein Jahr später musste gegen den Karlsruher SC ein Sieg in der Verlängerung her, um den Abstieg zu vermeiden.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/sid

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