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"Gelb hätte es hier auch getan" Rot gegen Ronaldo sorgt für Empörung

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Cristiano Ronaldo ist nach der Roten Karte gegen ihn am Boden zerstört.

(Foto: dpa)

Cristiano Ronaldos 154. Spiel in der Champions League dauert nur 29 Minuten, dann fliegt der Fußball-Superstar vom Platz. "Collinas Erben" bewerten die Ahndung des deutsches Schiedsrichters Brych als zu hart. Und Ronaldos Schwester wütet.

Genau 153 Spiele in der Champions League hat Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo bis zum Mittwochabend absolviert, für Manchester United und Real Madrid. Alle überstand er schadlos, ohne sich mit dem Schiedsrichter anzulegen. Doch seine 154. und erste internationale Partie für seinen neuen Verein, die Juventus Turin mit 2:0 beim FC Valencia gewann, endet für den 33-Jährigen nach 29 Minuten. Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych zeigte ihm die Rote Karte.

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Was ist passiert? Abseits des Spielgeschehens gerät der Portugiese mit Valencias Innenverteidiger Jeison Murillo aneinander. Murillo geht im Strafraum zu Boden, daraufhin hat Ronaldo kurz seine Hand auf dem Kopf seines Gegners. "Brych hatte die Auseinandersetzung zwischen Ronaldo und Murillo selbst nicht gesehen, die Rote Karte basierte auf Informationen, die ihm sein Strafraumrichter Marco Fritz gab", sagt unser Schiedsrichter-Experte von "Collinas Erben", Alex Feuerherdt.

"Fritz sagte, Ronaldo habe Murillo an den Haaren gezogen. Den Feldverweis gab es also wegen einer Tätlichkeit, die sich nach Regel 12 (Fouls und unsportliches Betragen) durch 'übermäßige Härte oder Brutalität' auszeichnet", erklärt Feuerherdt. Die Frage sei allerdings, ob das kurze Ziehen an den Haaren wirklich übermäßig hart oder brutal war. Feuerherdt urteilt: "Das kann man durchaus verneinen, eine Gelbe Karte hätte es hier deshalb auch getan." Als Beispiel nennt unser Experte den "Wangenzwicker" von Franck Ribéry gegen den Hamburger Nicolai Müller von vor zwei Jahren. "Schiedsrichter Felix Zwayer, der das Vergehen genau beobachtet hatte, beließ es seinerzeit bei einer Verwarnung, weil für ihn die Kriterien einer Tätlichkeit nicht erfüllt waren." Und so kommt Feuerherdt zu dem Schluss: "Ronaldos Griff in die Haare seines Gegners war eher noch weniger dramatisch."

"Gott schläft nie"

Ungerecht behandelt fühlt sich auch Ronaldo selbst. Der Portugiese geht weinend vom Platz und muss im Spielertunnel von Juves Vize-Präsident Pavel Nedved getröstet werden. Der Platzverweis schlägt hohe Wellen: Turins Trainer Massimiliano Allegri wünscht sich gar die Einführung des Videobeweises in der Fußball-Königsklasse. "Der Videoschiedsrichter hätte dem Schiedsrichter in dieser Situation geholfen. In der Champions League wegen so etwas in Unterzahl spielen zu müssen, ist enttäuschend", sagt der 51-Jährige. "Cristiano wird uns jetzt auch für die nächsten Spiele fehlen." Besonders bitter: Würde Ronaldo für zwei Spiele gesperrt, würde er auch das Duell mit seinem Ex-Klub Manchester United verpassen.

Ronaldos Teamkollegen verstehen die Rote Karte ebenfalls nicht. Leonardo Bonucci sagt: "Ich weiß nicht, was der Schiedsrichter gesehen hat." Es habe sich um eine normale Auseinandersetzung gehandelt, Ronaldo habe sich befreien wollen. Und Emre Can lässt sich bei DAZN zu folgender Aussage hinreißen: "Ich habe nur gehört, dass er meinte, es sei wegen Haareziehen gewesen. Wir sind doch keine Frauen, wir spielen Fußball." Und so urteilt er: "Wenn man wegen so etwas Rot gibt, kann man wegen jedem Foul Rot geben. Zu 100 Prozent keine Rote Karte."

Noch deutlicher als Can echauffiert sich Ronaldos Schwester: "Sie wollen meinen Bruder zerstören, aber Gott schläft nie, Sie werden für diese Tränen bezahlen", so Katia Aveiro bei Instagram. "Die Schande des Fußballs, Gerechtigkeit wird kommen", tobt die 41-Jährige. Auch die Gazetten schlagen sich auf Ronaldos Seite: "Cristiano geht weinend vor Machtlosigkeit", titelt die spanische Zeitung "AS". Die italienische "Gazzetta dello Sport" schreibt: "Rot nach 29 Minuten. Er geht in Tränen." Erst am Wochenende hatte Ronaldo seine ersten beiden Treffer für Juventus Turin in der Serie A geschossen.

Quelle: n-tv.de

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