Fußball

Keine Kritik am FIFA-"Korruptionsstadel" Rummenigge attackiert Zwanziger

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Dicke Kumpels: FIFA-Präsident Joseph Blatter und sein DFB-Pendant Theo Zwanziger, hier im Oktober 2010.

(Foto: dpa)

Spät, aber deutlich rügt Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge die kritiklose Haltung des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger gegenüber der FIFA. Der Fußball-Weltverband sei ein "Korruptionsstadel", urteilt Rummenigge und fordert echte Reformen.

Der FIFA-Chef ein "König ohne Reich", sein Laden ein "Korruptionsstadel", und der DFB mittendrin: Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat die Zustände in Joseph Blatters Fußball-Weltverband FIFA spät, aber dafür offen kritisiert und DFB-Präsident Theo Zwanziger in die Pflicht genommen. In einem Interview mit dem "Kicker" warnte Rummenigge den DFB-Boss, seine Unterstützung des skandalumtosten Blatter beizubehalten und bemängelte ein Demokratiedefizit. Zuvor hatte schon Bayern-Präsident Uli Hoeneß den DFB-Boss gerügt.

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Mahner und Warner: Karl-Heinz Rummenigge.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Die Politik, die er gegenüber dem FIFA-Präsidenten Sepp Blatter verfolgt, finde ich nicht sehr klug: Blatter stets zu verteidigen, obwohl die ganze Welt weiß, wie es wirklich ist. Die FIFA ist ein Korruptionsstadel – dafür gibt es genug Beweise", sagt Rummenigge. Er glaubt: "Das wird auch Dr. Zwanziger nicht ändern."

Zwanziger, seit dem 1. Juni Mitglied der FIFA-Exekutive, glaubt das nicht. Der 66-jährige Jurist geriert sich seit seiner Wahl in die "Weltregierung des Fußballs", wie Blatter sein Exekutivkomitee nennt, als neues moralisches Gewissen der FIFA. Blatter lässt ihn gewähren, weil Zwanziger sein DFB-Ehrenmitglied ("Er ist viel zu klug, um sich korrumpieren zu lassen") stets aus der Schusslinie nimmt und sogar lobt: "Ich habe den Eindruck, dass Blatter reinen Tisch machen will."

Opfer, nicht Täter

Nach 13 Jahren und zahllosen Skandalen als Präsident, denen 17 Jahre als Generalsekretär und rechte Hand von FIFA-Patron Joao Havelange vorangegangen waren, ist Blatter für Zwanziger nicht Schöpfer des Systems FIFA. Glaubt man Zwanziger, ist Blatter vielmehr Opfer der moralischen Verkommenheit seiner Funktionärskollegen. Beispielsweise von Mohamed Bin Hammam, der am Wochenende in einem Scheinprozess als Blatter-Widersacher kaltgestellt wurde. Scheinprozess nicht, weil Bin Hammam unschuldig wäre. Sondern deshalb, weil seine Verurteilung weniger der Korruptionsbekämpfung in der FIFA dient als dem Machterhalt ihres Präsidenten, wie die selektive Aufklärung zeigt.

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Befremdlich findet Theo Zwanziger, was ihm Bayern-Vorstandsboss Rummenigge vorwirft.

(Foto: dpa)

Für die erneute öffentliche Bayern-Kritik an seiner Haltung, die spät kommt und trotzdem trifft, fehlt Zwanziger jedes Verständnis. Befremdlich finde er den Weg in die Öffentlichkeit, nicht nachvollziehbar die Vorwürfe, sagte er dem Sport-Informations-Dienst: "Schließlich waren die geforderten Punkte Transparenz, Demokratie und eine stärkere Einbindung der Klubs von Beginn an im von mir erarbeiteten Diskussionspapier, dem so genannten Fünf-Punkte-Plan, enthalten."

Mit diesem Fünf-Punkte-Plan zur Reform der FIFA geht Zwanziger öffentlich hausieren, seit er ins Exekutivkomitee aufgerückt ist. Allein die Bezeichnung als Diskussionspapier deutet aber schon an, was Kritiker ohnehin befürchten: Dass es, ganz im Stile Blatters, nur ein Placebo für die Öffentlichkeit sein könnte. Was von den Vorschlägen umgesetzt wird, steht ebenso in den Sternen, wie der Termin für den von Zwanziger angekündigten "Runden Tisch", der sich mit den Bestechungsvorwürfen rund um die WM-Vergabe an Katar 2022 befassen soll.

Runder Tisch, irgendwann

Der sollte vor der Frauen-WM in Deutschland stattfinden, wurde dann aber verschoben. Angeblich, weil die Bayern-Vertreter Karl-Heinz Rummenigge und Franz Beckenbauer absagen mussten. Ein neuer Termin steht immer noch nicht fest, teilte der DFB auf Anfrage von n-tv.de mit. Auch die genaue Besetzung aus hochrangigen Sportfunktionären und Korruptionsexperten ist unklar, sie hänge "natürlich von terminlichen Dingen ab".

Nach Stand der Dinge und Rummenigges Äußerungen scheint es eine lustige Runde zu werden, sofern sie stattfindet. Die Aussagen des Bayern-Vorstands attestieren Zwanziger ziemlich offen einen Hang zum Opportunismus, wo eigentlich Opposition zu Blatter nötig wäre. Den hält Rummenigge nur noch für einen "König ohne Reich", weil die "Kontinentalfürsten" nicht mehr von Blatter abhängig seien. "Irgendwann kommt der neue König", und er wird laut Rummenigge UEFA-Präsident Michel Platini sein – der erst kürzlich einen bemerkenswerter Buckler vor Blatter machte. Er persönlich "werde nicht aufhören, den Finger in die Wunder zu legen", kündigte Rummenigge an.

Vier Jahre bayerisches Schweigen

Im Zuge der skandalösen FIFA-Präsidentenwahl am 1. Juni hatte bereits Bayern-Präsident Hoeneß seine Kritik aus dem Januar ("Ein Skandal jagt den anderen") erneuert und Zwanzigers kritikfreie Haltung zu Blatter gerügt. "Herr Zwanziger ließ keinen Zweifel daran, dass man Blatter wählen wird. Ganz nach dem Motto: Augen zu und durch. Ich bin enttäuscht, dass der DFB vor diesen unseriösen Machenschaften die Augen verschließt und nicht gegen Blatter Druck macht. Wegschauen heißt auch akzeptieren. Wer das tut, ist mitschuldig", hatte Hoeneß erklärt, allerdings erst nach der Wahl.

So löblich die Bayern-Kritik auch ist, so kurz greift sie. Vor Theo Zwanziger saß vier Jahre lang Franz Beckenbauer in der FIFA-Exekutive und verantwortete die gegenwärtige Misere mit, wie Korruptionsexpertin Sylvia Schenk im Interview mit n-tv.de hervorhob. Beckenbauer ist bekanntlich nicht nur Fußball-Lichtgestalt, sondern auch Bayern-Ehrenpräsident.

Quelle: ntv.de

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