Fußball

"Fürchte um Leib und Gesundheit" Schiris boykottieren rechten Fußballklub

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59 von 65 Schiedsrichtern des Kreisverbandes Jerichower Land weigern sich, die Spiele des FC Ostelbien Dornburg zu pfeifen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn ein Spiel gegen den FC Ostelbien Dornburg in Sachsen-Anhalt ansteht, reisen Schiedsrichter und Gegner lieber erst gar nicht an. Zu groß ist die Angst vor den rechtsextremen Spielern des Klubs. Nun wird geprüft, ob der Verein aufgelöst werden kann.

Schiedsrichter streiken, Gegner treten nicht mehr an, und ein Großteil der Spieler sind dem Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt als Rechtsextremisten bekannt: Am Donnerstag wird geprüft, ob der Fußballverein Ostelbien Dornburg womöglich vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden kann. Im Visier der Behörden befindet er sich ohnehin seit längerem.

Im Kampf gegen den von Rechtsextremisten durchsetzten Verein haben die Unparteiischen schon ein Zeichen gesetzt. 59 von 65 Schiedsrichtern des Kreisverbandes Jerichower Land weigern sich, Spiele des unterklassigen Klubs aus Sachsen-Anhalt zu pfeifen. Entsprechende Recherchen des "MDR" und der "Mitteldeutschen Zeitung" (MZ) bestätigte der zuständige Schiedsrichterobmann Dietmar Fähse.

Seit langem kommt es bei Spielen der Dornburger immer wieder zu Ausschreitungen. "15 Spieler der Mannschaft sind uns als Rechtsextremisten bekannt", sagte Hilmar Steffen vom Landesverfassungsschutz gegenüber MDR und MZ: "Das geht von Körperverletzungen, Beleidigungen, bis hin zu volksverhetzenden Äußerungen. Das ganze Repertoire. Mitunter tauchen die Personen auch bei anderen rechtsextremistischen Aktivitäten wie Demonstrationen oder Musikveranstaltungen auf."

"Wir sind dazu gezwungen worden"

Das Problem: So lange der Verein an sich nicht verfassungsfeindlich handelt, gibt es keine Handhabe. Auf Filmmaterial des MDR ist beispielsweise zu sehen, wie ein Spieler das Schiedsrichter-Gespann mit den Worten "brauchst dich nicht wundern, wenn wir dich irgendwann mal anstecken", bedroht. Zuvor war es zu einer wüsten Schlägerei auf dem Spielfeld gekommen. Am Donnerstag beschäftigt sich der Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA) nun mit dem Fall.

"Wir prüfen, ob die Voraussetzungen für ein Ausschlussverfahren gegeben sind", sagte FSA-Sprecher Volkmar Laube. Die Kritik, sich zu spät und erst auf Druck dazu entschlossen zu haben, weist Laube aber entschieden zurück. "Wir haben uns mit dem Verein sehr kritisch auseinandergesetzt. Wir wollten ihn gar nicht erst aufnehmen, sind aber dann dazu gezwungen worden." 2011 erstritt sich der Klub erst vor Gericht die Spielberechtigung.

Lieber 100 Euro Strafe zahlen, als antreten

Mittlerweile ist es nicht nur so weit gekommen, dass die Schiedsrichter nicht mehr pfeifen wollen, zudem sollen auch vier Vereine nicht mehr gegen sie antreten wollen. Einer davon ist der SV Eiche Redekin. "Ich will nicht in meiner Freizeit um Leib und Gesundheit fürchten müssen", sagte Vereinsleiter Michael Pieper. Lieber verzichte er auf die drei Punkte und zahle 100 Euro Strafe für das Nichtantreten.

Das Problem jedoch nur auf den Fußballverein zu reduzieren, greift aber zu kurz. Gegen die Schlüsselfigur des Klubs habe es nach Angaben des Verfassungsschutzes zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Beleidigung und Volksverhetzung gegeben. Der Hooligan-Zusammenschluss "Blue-White-Street-Elite", von ihm angeblich mitbegründet, sollte verboten werden. Auch hier kippte ein Gericht die Entscheidung. Sein Amt im Ortschaftsrat von Stresow hat er mittlerweile aufgegeben. 71 von 256 Stimmen hatte er bekommen. Die meisten.

Im Innenministerium Sachsen-Anhalts sieht man zumindest Chancen auf ein erfolgreiches Ausschlussverfahren der Fußballklubs. Es gebe "Anhaltspunkte und Indizien dafür", sagte Innenstaatssekretär Ulf Gundlach auf MZ-Anfrage. Das Verfahren könne jedoch, "noch ein paar Monate dauern." Zudem sei davon auszugehen, dass der Verein Rechtsmittel einlegen werde.

Quelle: ntv.de, Dominik Kortus, sid

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