Fußball

Sportvideos für die Quarantäne Schweinsteiger leidet sich zum WM-Titel

imago17043825h.jpg

Schon wieder am Boden, muss das sein? Doch Schweinsteiger stand jedes Mal wieder auf.

(Foto: imago/Sven Simon)

Der Livesport steht still, die Coronavirus-Krise stoppt die Ligen, Wettkämpfe sind abgesagt. Auf Sport aus dem TV muss trotzdem niemand verzichten, schließlich gibt es Aufzeichnungen von historischen Ereignissen. Heute: Nichts und niemand stoppt Bastian Schweinsteiger im WM-Finale 2014.

Selten hat ein letzter Ballkontakt ein Fußballspiel besser beschrieben als am 13. Juli 2014. Im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft führt Deutschland gegen Argentinien mit 1:0, es läuft die 124. Minute. Die Südamerikaner versuchen es noch einmal mit einer hohen Hereingabe in die Mitte, doch Bastian Schweinsteiger ist zuerst am Ball. Er wirft seinen Körper in den Zweikampf, klärt mit dem Kopf in Richtung Mittellinie.

Sekundenbruchteile später rauscht Argentiniens Javier Mascherano in den Rücken des deutschen Mittelfeldspielers. Schweinsteiger geht unter Schmerzen zu Boden, wie so oft an diesem Nachmittag in Rio de Janeiro. "Das gehört dazu, da muss man sich einfach reinhauen", wird er später sagen: "So ein Spiel spielt man nicht so oft in seinem Leben."

Es ist das größte Spiel in der eindrucksvollen Karriere des Bastian Schweinsteiger. Als er diese im Oktober 2019 beendet, sagt Bundestrainer Joachim Löw: "Jedem von uns ist ein Bild von seiner Karriere im Kopf, das Finale 2014. Er ist blutüberströmt, er steht immer wieder auf." So ist es auch in dieser letzten Szene dieses Endspiels. Noch während Schweinsteiger aufsteht, pfeift Schiedsrichter Nicola Rizzoli die Partie ab. Deutschland ist Weltmeister. Und auch wenn Siegtorschütze Mario Götze als "Man of the match" ausgezeichnet wird, dieses Finale gehört Schweinsteiger.

Niemand läuft mehr als der damals 29-Jährige, der im modernisierten und dennoch altehrwürdigen Maracanã 15,3 Kilometer zurücklegt. Der 20 seiner 29 Zweikämpfe gewinnt und 87 von 95 Pässen zu seinen Mitspielern bringt. Schweinsteiger ist der Chef der deutschen Elf, er fordert die Bälle, ordnet das Spiel, wird so oft gefoult wie kein anderer. Sechsmal können ihn die Argentinier nur unfair stoppen. In der 109. Minute kassiert Schweinsteiger im Luftduell mit Sergio Agüero einen Schlag, der eine blutende Wunde unter seinem rechten Auge hinterlässt.

Zur Behandlung muss er den Platz verlassen, Kevin Großkreutz macht sich zur Einwechslung bereit. Doch das Spiel läuft weiter und Schweinsteiger zurück auf den Platz. "Er wurde getreten, geschunden, krümmte sich schmerzverzerrt und blutend am Rasen, hat sich stets wieder zurückgekämpft wie ein Löwe, der sein Rudel verteidigt", resümierte Franz Beckenbauer treffend.

Schweinsteiger wollte seinen Teil dazu beitragen, dass "wir [...] es schaffen, den ganz großen Triumph zu holen". So hatte Schweinsteiger es im Jahr vor dem Turnier gesagt. 2006 bei der Heim-WM kam der K.o. im Halbfinale gegen Italien, 2010 beendete Carles Puyols Kopfball in der Vorschlussrunde die Hoffnungen der DFB-Elf. In Brasilien folgte nach der 7:1-Halbfinal-Gala gegen den Gastgeber nun das (Welt-)Meisterstück. An dessen Ende Schweinsteiger sich wieder einmal aufrafft. Um wenig später die Treppen des Maracanã zu erklimmen, an deren Ende er endlich den WM-Pokal in den Händen halten darf. "Die Beine sind natürlich im Arsch, aber es hat sich rentiert."

Quelle: ntv.de