Fußball

(K)ein Elfmeter und der VAR "Skandal": Essen wütet nach Pokal-Aus

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Sieht brutal aus, war es aber nicht.

(Foto: AP)

Die beeindruckende Pokalsaison von Rot-Weiss Essen ist vorbei. Der Viertligist scheitert im Viertelfinale an Zweitligist Holstein Kiel. Entscheidend ist ein Doppelschlag in der ersten Halbzeit, den eine mindestens diskutable Entscheidung der Unparteiischen begünstigt.

Wieder mal wird über den Videoschiedsrichter diskutiert. Und dieses Mal herrscht reichlich Wut über dessen Untätigkeit. Zumindest im Lager von Regionalligist Rot-Weiss Essen, der sich im Pokal-Viertelfinale dem Zweitligisten Holstein Kiel mit 0:3 (0:2) beugen musste. Und tatsächlich war die Szene in der 26. Minute maßgeblich für den Spielverlauf, denn es gab Elfmeter für die Norddeutschen. Was in Echtzeit nach einer klaren Angelegenheit aussah, wurde mit jeder Zeitlupe immer zweifelhafter. Zwar hatte der Essener Dennis Grote seinen Gegenspieler Finn Porath tatsächlich berührt - aber auch gefoult? Eigentlich nicht. Porath war schon zuvor zu Boden gesunken.

RW Essen - Holstein Kiel 0:3 (0:2)

Essen: Davari - Heber, Hahn, Herzenbruch - Grote (78. Platzek), Kehl-Gomez, Hildebrandt (69. Backszat), Grund (61. Harenbrock) - Young (78. Endres), Engelmann, Kefkir (70. Lewerenz). - Trainer: Neidhart
Kiel: Gelios - Dehm, Lorenz, Wahl, Kirkeskov (68. Komenda) - Meffert - Mühling (87. Hauptmann), Lee - Bartels (87. Mees), Porath (57. Reese) - Serra. - Trainer: Werner
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
Tore: 0:1 Mühling (26., Foulelfmeter), 0:2 Serra (28.), 0:3 Mees (90.)
Zuschauer: keine
Gelbe Karten: Grote (2) -

RWE-Boss Marcus Uhlig entlud seine Wut über die folgenreiche und spielentscheidende Szene im Halbzeit-Interview bei Sky: "Das ist eine ganz krasse Fehlentscheidung. Das war garantiert kein Elfmeter." Dass der Videoschiedsrichter dann auch nicht eingriff, "das ist für mich ein riesengroßer Skandal. Wir haben 20.000 Euro für die Installation für den Videoassistenten bezahlt und jetzt passiert nichts." Uhlig wollte Robert Hartmann nach dem Interview in seiner Wut sogar noch in dessen Kabine am Stadion "aufwecken" gehen.

Auch RWE-Trainer Christian Neidhart klagte nach dem Schlusspfiff über die Untätigkeit des VAR: "Es ist ärgerlich auf diese Weise auf die Verliererstraße zu gelangen. Wenn ich die Bilder sehe, dann war es kein Elfmeter. Ich verstehe nicht, warum der Schiedsrichter nicht rausgeht und es sich nochmal anschaut, wir haben ja die Mittel. Es geht in diesen Spielen um wirklich viel Geld, und dann muss er das machen." Nun, sei's drum. Den Elfmeter verwandelte Alexander Mühling zum 1:0. Richtig bitter für Essen: Nur zwei Minuten später stellten die Gäste sofort auf 2:0. Stürmer Janni Serra vollendete eine sehenswerte Kopfballvorlage von Fin Bartels gegen abwesende Essener zur Vorentscheidung.

Bis dahin waren sich beide Mannschaften auf gleichem Kräftelevel begegnet. Holstein hatte zwar deutlich mehr Ballbesitz, aber keine klaren Chancen. Die Essener verteidigten ihr Tor taktisch clever und mit viel Leidenschaft. Bei Umschaltmomenten und vielen Standardsituationen kam zwar auch mal Gefahr auf, richtig zwingend wurde es aber nicht. Abwehrspieler Daniel Heber vergab per Kopf nach zehn Minuten die beste Möglichkeit. Richtig gefährlich war sein Abschluss allerdings auch nicht, Torwart Ioannis Gelios konnte mühelos parieren.

Feuerwerk schon in der Nacht

Viel mehr bekam der 28-Jährige auch nicht zu tun. Zwar sammelten sich die Essener nach dem Doppelschock nochmal, intensivierten ihre Bemühungen wieder, was durchaus sehr gut aussah, aber einfach nicht zwingend wurde. Kiel verteidigte die Angriffe souverän, verpasste aber mit vielen Nachlässigkeiten im eigenen Spiel lange Zeit ein drittes Tor. Das fiel schließlich aber doch noch, in der letzten Minute traf der eingewechselte Joshua Mees mit einem abgefälschten Schuss. Und so trudelte das spektakuläre Pokal-Märchen des Regionalligisten nach den Siegen gegen Arminia Bielefeld, Fortuna Düsseldorf und Bayer Leverkusen mit viel Frust und Wut langweilig aus. Essen, 1953 erster Pokalsieger nach dem Zweiten Weltkrieg und 1994 Finalist, kann sich nun voll auf den Aufstiegskampf konzentrieren.

Die Bayern-Bezwinger aus Kiel, die im Januar sensationell den Rekordmeister ausgeschaltet hatten, dürfen derweil weiter vom großen Coup träumen. Und das trotz kleiner Störfeuer vor dem Spiel. Nach Informationen von "Reviersport" waren in der Nacht vor dem Spiel gegen 3.30 Uhr vor dem Hotel der Kieler Feuerwerkskörper und Raketen gezündet worden. Trainer Ole Werner wollte die Einlage von Essener Fans aber nicht zu hoch hängen. Noch vor dem Spiel sagte er: "Ich habe trotzdem gut geschlafen. Das wird uns nicht im Wege stehen. Was soll ich mich groß ärgern? Es geht jetzt um Fußball und nicht um das Feuerwerk heute Nacht."

Erst einmal hatte Holstein bislang die Runde der letzten vier erreicht: Zu Kriegszeiten stand Kiel 1941 im Halbfinale des Vorgänger-Wettbewerbs Tschammerpokal, ins Finale schaffte der Klub es nie - am 1. oder 2. Mai hat er nun erneut die Chance.

Quelle: ntv.de

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