Fußball

"Scheiß-Aktion" des BVB-Torwarts Stefan Effenberg muss noch viel lernen

953cd8632963a8be8768dfc99365936b.jpg

Na, wem gebührt der Ball? Stefan Effenberg und Dortmunds Mats Hummels.

(Foto: imago/Team 2)

Bloß nicht gegen Stefan Effenberg. Kurz fürchtet der BVB das Pokal-Aus gegen den so ungeliebten Provokateur des deutschen Fußballs. Doch dann findet Dortmund das "richtige Gleis" und erspart Roman Bürki böse Schlagzeilen.

Was wäre wohl in Dortmund los gewesen, wenn diese, Zitat Roman Bürki, "Scheiß-Aktion" Folgen gehabt hätte? Was hätten sie beim BVB diskutiert, wenn der Aussetzer des Torwarts bereits in der zweiten Runde das Aus im DFB-Pokal gegen den SC Paderborn bedeutet hätte? Eine gewaltige. Ganz gewiss. Weil Borussia Dortmund aber am Ende sieben Tore erzielte und nur dieses eine kassierte, sah Dortmunds Thomas Tuchel über den Fehler seiner Nummer Eins gut gelaunt hinweg: "Eine Videoanalyse brauchen wir wohl nicht."

Ob es der Trainer tatsächlich dabei belässt oder intern doch deutlicher wird? Es war an diesem Abend egal. Denn dieser Dienstag hatte einen anderen Protagonisten: Stefan Effenberg, seit gut zwei Wochen Trainer des Zweitligisten SC Paderborn. Zwei Spiele hatte er in die Liga Anlauf genommen, um sich dann auf der großen Bühne zu präsentieren. Und was war die Premiere herbeigesehnt worden. Der Tiger im größten Fußball-Tempel Deutschlands. Er selbst hatte seine Rückkehr auf des Deutschen liebste Spielfläche markig beworben: "Es ist unser Auftrag dort zu gewinnen. Das ist logisch und klar."

Herausfordernde Worte an einen Verein und seine Fans, denen, nun ja, dieser Effenberg nicht uneingeschränkt sympathisch ist. Spätestens seit seinem bislang letzten Auftritt in Dortmund am 7. April 2001, als Spielgestalter des FC Bayern München, als bodycheckender Rotsünder gegen Evanilson und als küsschenverteilender Provokateur der Südtribüne. Und nun wieder dieser Spruch, den der Boulevard gar als Warnung interpretierte. Aber wer sich vorab schon einmal ein bisschen mit Effenberg beschäftigt hatte, der ahnte, dass der 47-Jährige da nicht bloß inhaltsleere Worthülsen abfeuern wollte. Effenberg war mit einem Plan nach Dortmund gekommen. Und der hieß: "den Gegner bearbeiten". Dafür braucht es Mut und die Bereitschaft, physisch eine ganze Menge zu investieren – Tugenden eines Tigers eben. Und dass die Mannschaft ihrem Coach bereits nach so kurzer Zusammenarbeit bedingungslos folgt, davon konnten sich 74.605 Zuschauer gut 25 Minuten ein Bild machen.

Er ballt die Fäuste und springt in die Luft

Paderborn war im Westfalenstadion so überraschend präsent, dass selbst beim Sprüchklopf-Battle auf Twitter unter dem Hashtag #BVBSCP die Wortwitze über Effenbergs legeres Bühnenoutfit mit grauer Kiraly-Gedächtnisbuxe kurzzeitig eingestellt wurden. Und als Srdjan Lakic den bereits erwähnten Patzer von Bürki zur sicher nicht unverdienten Führung der Gäste nutzte (21.), da zuckte die stets auf Endorphinrausch eingestellte Südtribüne aber mal richtig kräftig zusammen. Und nicht nur die. Auch Thomas Tuchel konnte den Eindruck nicht verbergen, dass er sich den Start in die Partie durchaus anders vorgestellt hatte.

Und Effenberg? Der ballte die Fäuste und sprang durch die Luft wie einer, den sie in Dortmund noch in bester Erinnerung haben: Echte-Liebe-Coach Jürgen Klopp. Überrascht? Verwundert? Nicht doch, Effenberg hatte es ja angekündigt. Und er hatte es ernst gemeint. Diese Erkenntnis sackte immer mehr durch. Aber sie hielt nur genau vier Minuten, denn dann, so nannte es Tuchel später, stellte der BVB "den Zug auf die richtige Schiene". Auf der ging fortan richtig der Punk ab. Mal schnell und schnörkellos, mal ballverliebt und technisch bezaubernd drehten die Gastgeber das Spiel durch drei Tore von Adrian Ramos (25.), Conzalo Castro (30.) und Shinji Kagawa (43.) binnen 18 Minuten auf Kurs Achtelfinale.

Während der Tiger trotz der unaufhaltsam eingeleiteten Niederlage weiter intensiv auf das Spiel seiner Mannschaft einwirkte, bejubelte die Südtribüne ihre Rückkehr aus der "Zuck"-Haltung mit nicht zitierfähigen Sprechgesängen in Richtung Effenberg. Unbeeindruckt davon und vom Hochgeschwindigkeitsfußball des BVB gab der seinem Team in der Kabine den Auftrag weiter an die Chance zu glauben, den Weg mutig weiter zu gehen und auf das zweite Tor zu spielen. Was allerdings gründlich in die Binsen ging.

Denn trotz unübersehbar starker, vor allem spielerisch intelligenter Ansätze wurde Paderborn in der zweiten Halbzeit von der Borussia gnadenlos überrannt. Messerscharf erkannte Effenberg: "Sieben hört sich nicht gut an. Nach vier oder fünf musst du eigentlich zumachen. Wir haben trotzdem versucht, nach vorne zu spielen." Mutig, aber fatal. Denn die größer werdenden Lücken zwischen den Reihen nutzten Gündogan (54./FE), Castro (58.), Piszczek (87.) und Mkhitaryan mit beeindruckender Effizienz zum 7:1. Der Tiger nahm's letzlich gelassen und notierte sich in sein Hausaufgabenheft. "Daraus werden wir, daraus werde ich lernen." Auf einen ähnlichen Effekt setzt übrigens auch Tuchel - bei Roman Bürki.

Quelle: ntv.de