Fußball

Der BVB gibt weiter Rätsel auf Stimmung in Dortmund ist am Nullpunkt

b21e7bb3adcda554965946bb7077a64c.jpg

Roman Bürki empfiehlt manchen BVB-Fans, lieber zu Hausen zu bleiben.

(Foto: imago/Team 2)

Das Wechseltheater um Pierre-Emerick Aubameybang nervt, der BVB spielt gegen Freiburg äußerst dürftig und beim börsennotierten Klub gibt es Streit wegen der Pfiffe der Fans. Kurzum: Die Stimmung in Dortmund ist miserabel.

Es gibt in den vergangenen Wochen im Zirkus Borussia Dortmund kaum etwas, was es nicht gibt. Die neueste artistische Darbietung: Pierre-Emerick Aubameyang durfte beim Heimspiel gegen den SC Freiburg tatsächlich von Beginn an in die Manege, dabei ist der Torjäger aus Gabun doch gedanklich schon lange in London. Die ganze Aufregung, die täglichen Wasserstandsmeldungen, das alles geht Michael Zorc gehörig auf die Nerven: Die Berichterstattung komme ihm langsam vor, "als wären wir die Lindenstraße", sagte der Sportdirektor des BVB vor dem Anpfiff: "So, als ob ständig etwas passiert. Aber Aubameyang hat in den vergangenen zehn Tagen hervorragend trainiert."

*Datenschutz

Das ewige Wechseltheater ein reines Medienthema? So einfach, wie es Zorc suggerieren mochte, liegen die Dinge nicht. Bevor in vier Tagen das Wechselfenster schließt, wird es mit Sicherheit noch die eine oder andere Wendung in der Causa Aubameyang geben. "Wenn Auba die ganze Woche lang gut trainiert, wenn er klar und fokussiert ist, dann ist er aus unserem Kader nicht wegzudenken", hatte Dortmunds Trainer Peter Stöger verkündet, nachdem er den Stürmer wenige Stunden vor dem Spiel begnadigt hatte.

Nun kann man trefflich darüber diskutieren, ob Aubameyang an diesem 20. Spieltag der Fußball-Bundesliga gegen Freiburg von Beginn an ran durfte, um dem Kaufinteressenten Arsenal London noch einmal mit Nachdruck zu signalisieren, dass der BVB den chronisch wechselwilligen Star nicht zwangsläufig veräußern wird, oder weil er die einzig wirklich torgefährliche Fachkraft im Dortmunder Kader ist. Wahrscheinlich war es eine Melange aus beidem, die den Wiener Stöger dazu veranlasste, den Torjäger zurück in die Stammformation zu beordern.

"Das haben wir Spieler zu akzeptieren"

Dass Dortmunds Trainer dem Stürmer trotz aller Eskapaden eine neue Chance gewährte, fand keinen ungeteilten Beifall. Auch wenn er sich Mühe gab, konnte Nuri Sahin seine Kritik an dieser Personalie kaum zurückhalten: "Der Trainer trifft die Personalentscheidungen, das haben wir Spieler zu akzeptieren." Stöger stufte die Leistung eines Stürmers, der gefühlt kaum mehr als drei Ballkontakte hatte und sich bis zur Unkenntlichkeit versteckte, so ein: "Er hat schon bessere Tage gehabt, aber es ist in der momentanen Situation auch nicht ganz einfach für ihn." Eine Situation, übrigens, die Aubameyang ganz allein zu verantworten hat, was der Trainer verschwieg. "Das Problem ist zu lösen", sagt Stöger: "So oder so."

Fußball wurde am Samstagnachmittag übrigens auch noch gespielt, die Borussia kam gegen den SC Freiburg vor 81.360 Besuchern im ausverkauften Dortmunder Stadion nicht über ein 2:2 (1:1) hinaus und musste dabei sogar noch den glücklichen Umstand für sich reklamieren, dass Linksverteidiger Jeremy Toljan das Remis mit seinem ersten Treffer für den BVB in der Nachspielzeit sicherstellte. Der Haussegen im Revier hängt also nicht nur deshalb schief, weil das ständige Theater um Aubameyang alle nervt, sondern auch, weil die Ergebnisse nicht stimmen. "Als Borussia Dortmund müssen wir in die Champions League", sagt Mittelfeldspieler Nuri Sahin. "Die letzten Ergebnisse sind dabei nicht gerade hilfreich." Tatsächlich tritt der BVB mit drei Unentschieden nach der Winterpause auf der Stelle, Peter Stöger ist es als Nachfolger des im Dezember gefeuerten Niederländers Peter Bosz bislang nicht gelungen, einer verunsicherten Mannschaft Stabilität und eine erkennbare Spielidee mitzugeben.

"Die sollen lieber zu Hause bleiben"

Dabei begann die Borussia gegen den Gast aus dem Breisgau stark und ging bereits früh in der neunten Minute durch einen schönen Seitfallzieher von Shinji Kagawa in Führung. Doch anstatt den Rückenwind zu nutzen, stellten die Dortmunder nach einer Viertelstunde das Fußballspielen ein und lieferten bis zum Spielende eine uninspirierte und tempoarme Vorstellung ab. Der BVB ist sich auch im neuen Jahr selbst ein Rätsel. Symptomatisch für den derzeitigen Zustand war das zweite Tor von Freiburgs Sturmführer Nils Petersen: Ein herrlicher Heber aus gut 40 Metern, der durch einen schlimmen Fehlpass von Sahin ermöglicht wurde.

"Das geht komplett auf meine Kappe", sagte der türkische Nationalspieler: "Dafür kann ich mich nur entschuldigen." Das sah Torhüter Roman Bürki nicht ganz so: "So einen Ball zu verlieren, kann schon mal passieren. Ich stehe ehrlich gesagt zu hoch." So viel Aufrichtigkeit ehrt den Schweizer, der auch sonst aus seinem Herzen keine Mördergrube machte. Der Keeper nahm sich die Fans auf den Sitzplätzen vor, an denen er kein gutes Haar ließ: "Die Zuschauer auf der West- und der Osttribüne gehen ins Stadion, schauen was ist und pfeifen ihre Mannschaft aus. Die Süd ist immer da, aber diese Leute haben keine Ahnung von Fußball. Die sollen lieber zu Hause bleiben."

Dem widersprach Michael Zorc explizit, Dortmunds Sportdirektor war verärgert und nahm kein Blatt vor den Mund, als er die Aussage seines Angestellten Bürki zurechtrückte: "Ich empfehle unseren Profis, sich das Spiel noch mal via TV anzugucken. Dann müssen sie aufpassen, dass sie dabei nicht selber pfeifen", betonte der aufgebrachte Ur-Dortmunder: "Der Zuschauer hat das Recht, auch mal seinen Unmut zu zeigen bei solch einem Spiel. Bürkis Aussage ist unangemessen und inhaltlich falsch." Das Wechseltheater um Pierre-Emerick Aubameyang und nun auch noch Dissonanzen zwischen einem Spieler und seinem Vorgesetzten. Die Stimmung im Zirkus BVB ist am Nullpunkt.

Quelle: n-tv.de