Fußball

Luxus oder Last mit Rose? Terzić und die sensible Trainerfrage des BVB

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Titeltrainer Terzić.

(Foto: Pool via REUTERS)

Der Trainer des Pokalsiegers weiß schon, dass er zurückgesetzt wird. Zur neuen Saison ist Edin Terzić bei Borussia Dortmund nicht mehr als Chef eingeplant, sondern als Assistent. Die jüngste Entwicklung stellt den BVB dabei vor ein Dilemma - und die Verantwortlichen äußern sich uneindeutig.

Edin Terzić scheint ein höflicher Mensch zu sein. Deshalb konnte er die so drängenden Fragen zwar nachvollziehen. Doch für eine endgültige Antwort bat der 38-Jährige nach dem größten Erfolg seiner noch sehr jungen Trainerkarriere um Geduld. Ob er denn bei Borussia Dortmund bleiben würde, als Assistent des für die neue Saison längst verpflichteten Marco Rose. Terzić, berauscht vom deutlichen 4:1 (3:0) im Finale des DFB-Pokals und trotz sich ankündigender Heiserkeit klar in seiner Aussage, entgegnete mit einem Lächeln: "Ich bitte euch: Das ist ein Tagesgeschäft, wir bekommen ständig auf die Fresse, wenn es nicht läuft, jetzt gönnt uns doch einfach den Abend, um das zu genießen."

Diesen Genuss hat sich Terzić absolut verdient, denn er hat Borussia Dortmund revitalisiert, seit er am 13. Dezember für den entlassenen Lucien Favre übernommen hat. Das klingt nach Fußballfloskel und ist sicher auch eine, aber Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat es eben genau so gesagt: "Die Mannschaft war im Dezember halbtot, und er hat sie wieder zum Leben erweckt." Zuvor hatte es damals ein demütigendes 1:5 im eigenen Stadion gegen den Aufsteiger aus Stuttgart geben, nun dann eben diesen vielleicht etwas zu hohen, aber dennoch absolut verdienten Sieg im Pokalfinale.

Diese Wiederbelebung stellt die Schwarzgelben nun vor ein Problem, auch wenn es ein luxuriöses ist. Denn einerseits gibt es nun Terzić, der den BVB zum ersten Titel seit 2017 führte und an den letzten beiden Bundesliga-Spieltagen die zwischenzeitlich verloren geglaubte Champions-League-Quali selbst in der Hand hat. Und andererseits Rose, der im Februar offiziell verpflichtet wurde, für eine Millionenablöse, als Cheftrainer zur kommenden Saison. Terzić soll dann zurückkehren in die zweite Reihe, als Assistent. Aber ist er dafür nach diesen außergewöhnlichen sechs Monaten als Boss nicht schon zu groß?

Der Trend ist ziemlich deutlich

"Edin ist ein Ur-Borusse, mit dem Herzen bei uns dabei", resümierte Sportdirektor Michael Zorc nach dem fünften Pokalsieg der Vereinshistorie. Das war Terzić auch anzumerken, der seine Stimme im für Mitte Mai kalten Berliner Olympiastadion opferte, um seine Elf anzutreiben. Nach dem holprigen Start unter Terzić Ende des vergangenen Jahres aber wachsen nun die Zweifel, ob der Noch-Mönchengladbacher Rose wirklich die bessere Wahl ist oder ob nicht der junge Coach dauerhaft zum Cheftrainer hätte befördert werden sollen.

Als Roses Wechsel vor rund drei Monaten öffentlich wurde, schien die Sachlage klar. Dortmund drohte den Europapokal sogar komplett zu verpassen, die ersten Eindrücke unter Terzić ließen die folgende Trendwende nicht vermuten. Am Tag der Verkündung waren Dortmund und Gladbach punktgleich, seitdem ist der BVB zwölf Punkte besser. Einzig Manchester City gelang es in den vergangenen fünf Wochen, Dortmund zu besiegen, und bei den beiden 1:2-Niederlagen im Viertelfinale der Champions League überzeugte die Mannschaft sowohl spielerisch als auch kämpferisch.

Im Pokalfinale war es Emre Can bereits nach wenigen Sekunden, der mit einer fairen, vor allem jedoch kompromisslosen Grätsche den Leipzigern gleich verdeutlichte, dass er nicht nur zum Mitspielen nach Berlin gereist ist. Jadon Sancho traf nicht nur zweimal, sondern spielt wieder mit der Kombination aus Tempo, Leichtigkeit und Dribbelstärke, die ihn zu einem der begehrtesten Jungprofis Europas macht. Vor allem Marco Reus ist nach den Abgesängen auf ihn wieder in einer Form, die Bundestrainer Joachim Löw ernsthaft über eine Nominierung in den EM-Kader nachdenken lassen muss.

"Wenn er ein Angebot annehmen will, können wir reden"

"Seit Edin da ist, machen wir sehr viele Dinge sehr viel besser", hatte Mats Hummels schon vor Wochen gesagt, und dieses Bessermachen ist mittlerweile auch in den Ergebnissen erkennbar. Der Erfolg im Pokalfinale war der sechste Sieg in Serie. "Es geht nur darum, die Mannschaft wieder zu stabilisieren", so Terzić nach dem 1:2 beim SC Freiburg Anfang Februar. Zwölf Siege gab es seitdem wettbewerbsübergreifend, drei Unentschieden und Niederlagen eben gegen das vermeintlich übermächtige Manchester City, beim FC Bayern und gegen Eintracht Frankfurt.

Keine makellose Bilanz, aber eine, die die Saisonziele der Dortmunder erreichbar machte. Die Champions-League ist die Pflicht, der Pokalsieg die Kür und der Pandemie-bedingt ungewöhnliche Spielplan sorgt dafür, dass die Pflicht erst nach der Kür zu erfüllen ist, nämlich in Mainz und zum Abschluss zu Hause gegen Leverkusen. Sportdirektor Zorc sprach davon, nun "die letzten zehn Tage jetzt noch erfolgreich über die Bühne zu bringen."

Er meinte damit zwar ziemlich sicher die letzten zehn Tage der laufenden Saison. Verdeutlichte aber, wenn auch unfreiwillig, das Luxusproblem, das Terzićs Erfolg bei den Schwarzgelben verursacht. Der nämlich weckt Interesse, weil es nach Verschwendung klingt, ihn wieder in die zweite Reihe zu beordern. BVB-Boss Watzke eröffnete vielleicht auch deshalb etwas Raum für Spekulationen, als er sagte, Terzić halte "den Schlüssel in der Hand", was seine Zukunft beträfe. "Wenn Edin das Gefühl hat, er will anderswo ein Angebot annehmen, können wir reden."

Watzke sagte aber auch, Terzić habe jüngst erst "langfristig bei uns verlängert, und er ist ein Dortmunder Jung durch und durch. Er lebt, liebt und atmet den Verein." Das war dem frisch gekürten DFB-Pokalsieger-Trainer auch im Interview nach dem Triumph anzumerken. Terzic steht nicht nur für den Erfolg, sondern auch für die "Echte Liebe", diesen Marketing-Claim, der aber zugleich aber auch die Identifikation mit dem eigenen Verein abbilden und verdeutlichen soll. Weshalb ein Abschied von Edin Terzić, sollte er denn eintreten, auf gleich mehreren Ebenen ein herber Verlust für Borussia Dortmund wäre.

Quelle: ntv.de

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