Fußball

Künftiger Chef ist geschlagen Terzics Erfolgsspur führt BVB ins Dilemma

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Für Terzic läuft's jetzt richtig gut.

(Foto: imago images/Team 2)

Borussia Dortmund gelingt in den letzten Wochen der Aufschwung. Die Qualifikation für die Champions League ist wieder in greifbarer Nähe, das Halbfinale im DFB-Pokal ist gebucht. Trainer Edin Terzic aber sorgt genau damit für das nächste Problem beim Fußball-Bundesligisten.

Spulen wir doch einmal vor zum 13. August 2021. Dann startet die Fußball-Bundesliga in die neue Saison. Dann steht Marco Rose als Trainer von Borussia Dortmund an der Seitenlinie, dann ist Edin Terzic einer seiner Assistenten. Derzeit wirkt dieses Bild schief. Denn der Co-Trainer wird die Vorsaison erfolgreicher abgeschlossen haben als der Chefcoach.

Seit der brisanten Bekanntgabe hat Rose mit seinem Noch-Team Borussia Mönchengladbach sechs Pflichtspiele in Serie verloren. Das Aus im Viertelfinale des DFB-Pokals ausgerechnet gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber ist der Höhepunkt der Pleiten, Pech und Pannen. Das 0:1 ist auf der anderen Seite der vierte Sieg in Folge für den BVB. Das Team von Terzic hat aus dieser Zeit die Bilanz von 11:2-Toren.

Zurückstufung lässt Terzic kalt

Die Trainerentscheidung zur kommenden Saison war von vielen als Schlag in die Magengrube, als Degradierung für Terzic, als Konstatierung eines gescheiterten Versuchs aufgefasst worden. Als Lucien Favre nach der 1:5-Klatsche gegen den VfB Stuttgart gehen musste, war der Co-Trainer zur Stelle, er bekam eine Chance - und nutzte sie letztendlich nicht. Dabei war es doch so gut losgegangen: Siege gegen die direkten Konkurrenten Wolfsburg und RB Leipzig ließen die Hoffnung auf eine gute Wende sprießen. Doch dann folgten Pleiten gegen Leverkusen, eben Gladbach und Freiburg, im Pokal zogen die Schwarzgelben erst nach Verlängerung gegen Paderborn ins Viertelfinale ein. Vom zum Jürgen-Klopp-Double hochgejazzten Liebling stürzte er schnell ab auf den Maßstab des ungeliebten Thomas Doll.

Der Klub entschied: Mit Terzic geht es nicht weiter. Zumindest nicht als Cheftrainer. Doch die Degradierung nagt offenbar tatsächlich herzlich wenig an dem 38-Jährigen. Der neu gestartete Erfolgslauf zeigt das. Klar, zwei Siege der Serie waren gegen abstiegsbedrohte Klubs: Der 4:0-Erfolg im Revierderby gegen den FC Schalke 04 sowie der 3:0-Sieg gegen Arminia Bielefeld. Doch es ist auch im Spiel zu merken, dass Terzic das Team neu aufgebaut hat. Die zuvor teils gnadenlos leicht zu überrumpelnde Abwehr steht sicherer, ließ in vier Spielen nur zwei Gegentore zu. Das Innenverteidiger-Duo Emre Can und Mats Hummels gewann im Pokal-Duell der Borussias 18 von 19 Zweikämpfen. Lediglich vier Schüsse kamen auf das Tor von Marvin Hitz durch. "Wir stehen jetzt besser auf dem Platz, mit einer anderen Energie", sagte auch Reus nach dem Pokal-Erfolg: "Es ist nicht alles Gold, aber wir arbeiten hart. Dass wir unsere Defensive stabilisiert haben, ist ein großer Faktor. Vorne sind wir immer für ein Tor gut."

An diesem Dienstagabend war es Jadon Sancho, der das entscheidende Tor erzielte (66.). Der 20-Jährige steht sinnbildlich für den BVB-Aufschwung. Ohne Esprit und Durchsetzungskraft in die Saison gestartet, zeigt er nun wieder seine Klasse der Vorsaison, arbeitet mannschaftsdienlich mit - und erhält dafür viel Lob von seinen Mitspielern und Trainer. "Das müssen Offensivspieler manchmal lernen, dass Arbeit sich auszahlt. So spielt er herausragend und gibt mit die Richtung vor", lobte Hummels nach dem Bielefeld-Sieg. "Wir sind sehr zufrieden, wie sich Jadon zurzeit präsentiert", sagte Terzic. "Wir haben eine neue Trainingsatmosphäre geschaffen und fordern viel - jeden Tag. Jadon lebt das vor." Dessen Lösung war einfach, aber effektiv: "Wir haben viel mit Jadon gesprochen. Und wir helfen ihm als Mannschaft, er spielt jetzt auf der linken Seite."

"Wir haben geliefert"

Und auch noch eine andere Schwäche hat der BVB etwas kuriert: Nicht mehr jeder Standard führt zu einem Gegentor. Beim 2:4 in der Liga hatte Gladbach drei Tore nach Standards geschossen, diesmal gelang nicht eins. Das lag nicht nur an der Stärke des BVB, sondern vor allem auch an der Schwäche Gladbachs. "Es war kein gutes Spiel, aber in einem K.-o.-Spiel geht es nur darum zu gewinnen - und das haben wir geschafft", erklärte Terzic. Hummels sah es ähnlich: "Wir sind das Spiel so angegangen, wie man es angehen muss: Wir haben gekämpft und uns darauf eingelassen, dass man gegen Gladbach nicht zaubern kann." Er erklärte: "Wir waren diszipliniert und taktisch gut aufgestellt. Wir haben nicht alles richtig gemacht, aber sehr vieles." Diese positive Entwicklung betonte auch Reus: "Wir haben die letzten Spiele geliefert. Wir müssen jetzt so weitermachen."

Vorerst weitermachen mit Terzic ist da gemeint. Elf Spiele gibt es in der Liga noch - das nächste ist der Knaller gegen den FC Bayern. Darauf folgt das Rückspiel im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Sevilla. Dort winkt der Einzug ins Viertelfinale. Im DFB-Pokal ist das Halbfinale bereits erreicht - in einem Jahr, in dem der FC Bayern früh patzte, weckt das zusätzliche Final-Hoffnungen.

Diese Erfolgschance hat Marco Rose nicht mehr. Und auch in der Champions League steht Gladbach gegen ein top aufgelegtes Manchester City vor dem Aus. Und während der BVB in der Bundesliga sich in Richtung erneute Champions-League-Qualifikation vorarbeitet, sackt Gladbach immer weiter ab. Der aktuelle Platz neun in der Tabelle würde nicht einmal mehr die Europa League bringen.

Hätte er bloß früher Erfolg gehabt

Für eben jenen 13. August 2021 bedeutet das: Der erfolgreichere der beiden Trainer fungiert als Co, der andere leitet die Geschicke. Ein Bonus für den Neuen sieht anders aus, zumal die Spieler den "Alten" schon länger kennen - und ihn sehr schätzen. "Er hat eine große Karriere vor sich", sagte Mats Hummels über seinen Noch-Cheftrainer. "Edin macht das hervorragend! Seit dem ersten Spiel ist er mit Feuer und inhaltlichem Wissen dabei, ich traue ihm sehr viel zu in seiner Trainerkarriere."

Man mag beiden Klubs, beiden Trainern fast wünschen, Terzic hätte diese Erfolgsspur früher eingeschlagen. Viel Drama, viele Diskussionen und der Trainerwechsel wären womöglich nicht geschehen. Terzic wäre über die Saison hinaus der Chef am Dortmunder Spielfeldrand, Rose würde von den Gladbach-Fans nicht als "Verräter" betitelt werden, da er den Klub gar nicht verlassen hätte. Hätte, hätte, Fahrradkette - die Realität ist aber nun einmal eine andere. Terzic selbst akzeptiert die kuriose Situation wohl am besten: "Ich werde in jedweder Rolle mein Bestes geben." Ab 13. August eben als Co-Trainer.

Quelle: ntv.de