Fußball

Dominanter Auftritt gegen Union Thuram protestiert, Gladbach knackt die 3000

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Thuram traf und ging danach auf die Knie, um seine Solidarität mit den Anti-Rassismus-Protesten in den USA auszudrücken.

(Foto: Moritz Mueller)

Borussia Mönchengladbach spielt zu Hause zwar einfach nicht zu null, nimmt aber weiter Kurs auf die Champions League. Gegen Union Berlin zeigt sich der Fohlen-Angriff in starker Verfassung, Marcus Thuram setzt nach seinem Treffer ein klares Zeichen.

Borussia Mönchengladbach hält weiter Kurs auf die Champions League. Die Mannschaft von Trainer Marco Rose besiegte Union Berlin souverän mit 4:1 (2:0) und verbesserte sich damit zumindest für einen Tag auf Platz drei der Fußball-Bundesliga. Florian Neuhaus (17.), Marcus Thuram (41., 59.) und Alassane Plea (81.) erzielten die Treffer des fünfmaligen deutschen Meisters, der sich damit auch für die Hinspielniederlage beim Aufsteiger (0:2) revanchierte. Die Berliner liegen nach dem sechsten Spiel in Folge ohne Sieg weiter vier Punkte vor dem Relegationsplatz. Der Treffer von Sebastian Andersson (50.) war zu wenig.

Borussia Mönchengladbach - Union Berlin 4:1 (2:0)

Mönchengladbach: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Bensebaini (90. Wendt) - Hofmann (82. Traore), Neuhaus (90. Doucoure) - Stindl (82. Benes) - Herrmann (72. Kramer), Plea, Thuram. - Trainer: Rose
Union Berlin: Gikiewicz - Friedrich, Schlotterbeck, Subotic (46. Kroos) - Trimmel, Gentner (80. Ujah), Prömel, Lenz (60. Ryerson, 65. Mees) - Ingvartsen (80. Malli), Bülter - Andersson. - Trainer: Fischer
Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück)
Tore: 1:0 Neuhaus (17.), 2:0 Thuram (41.), 2:1 Andersson (50.), 3:1 Thuram (59.), 4:1 Plea (81.)
Zuschauer: keine
Gelbe Karten: Hofmann (3), Lainer (7), Neuhaus (6) - Bülter, Friedrich (7)

Mit zwei sieglosen Spielen zuletzt hatte sich die Borussia unter Zugzwang gebracht. Entsprechend offensiv stellte Rose am Sonntag auf: Gleich fünf Angreifer schickte der Borussen-Coach aufs Feld. Gegen die aggressiven und früh attackierenden Gäste waren die deutlich spielstärkeren Borussen auch dominierend. Der starke Neuhaus hätte Rafal Gikiewicz fast mit einem Schuss von der Mittellinie überrascht, doch der Gäste-Keeper lenkte den Ball gerade noch zur Ecke (13.).

Vier Minuten später war aber der Gladbacher Sieger des Duells. Nach schöner Einzelleistung sorgte Neuhaus im Fallen für die verdiente Führung. Es war Gladbachs 3000. Bundesliga-Treffer. Diese Marke hatten zuvor nur Bayern München, Borussia Dortmund und Werder Bremen geknackt. Die Gastgeber fanden auch in der Folge immer wieder Lücken in der Fünferkette der Eisernen, der letzte Pass war aber teilweise zu unpräzise.

"Justice for George"

Nach dem Wirbel um den vom Spielbetrieb suspendierten Sebastian Polter taten sich die Gäste in der Offensive schwer. Gladbach drängte auf den zweiten Treffer und belohnte sich noch vor der Pause. Eine Flanke von Plea köpfte Thuram ein und sank danach wie der frühere NFL-Star-Quarterback Colin Kaepernick auf ein Knie. Kaepernick war zur Symbolfigur der Proteste gegen Polizeigewalt vor allem gegenüber dunkelhäutigen US-Bürgern geworden. Thuram folgte damit dem Schalker Weston McKennie. "Justice for George" hatte der US-Nationalspieler am Samstag im Spiel gegen Werder Bremen (0:1) auf einen Trauerflor an seinem Arm geschrieben, Gerechtigkeit für den durch Polizeigewalt gestorbenen Schwarzen George Floyd.

Die Gäste starteten deutlich mutiger in die zweite Halbzeit und belohnten sich schnell durch den Kopfballtreffer von Andersson. Die Begegnung war nun offener. Rami Bensebaini verpasste per Freistoß den dritten Treffer der Gastgeber knapp (56.). Dieser gelang Thuram, erneut hatte Plea vorbereitet. Es war der zehnte Saisontreffer des Franzosen. Pech hatte der Berliner Julian Ryerson, der fünf Minuten nach seiner Einwechslung nach einem Foul von Neuhaus schon wieder verletzt vom Platz humpelte (65.).

Erstmals seit dem zehnten Spieltag rutschte Union unter Platz 13; als Tabellen-14. haben die Berliner nur noch vier Zähler Vorsprung auf den Relegationsrang. Gladbach hingegen hat bei sechs noch ausstehenden Spielen nun 14 Punkte Vorsprung auf Rang sieben. Allerdings dürfte vor allem für den ehrgeizigen Rose die erneute Teilnahme "nur" an der Europa League angesichts der bisherigen Saison fast enttäuschend sein. An 22 von 29 Spieltagen stand die Elf vom Niederrhein auf einem der ersten vier Ränge, achtmal war sie gar Spitzenreiter. Für die dritte Teilnahme an der Königsklasse müssen die Gladbacher allerdings kämpfen, obwohl sie bereits jetzt mehr Punkte (56) haben als bei der bislang letzten Champions-League-Qualifikation vor vier Jahren (55).

Das Spiel fand diesmal vor 15.000 Pappkameraden statt. Um den Spielern das Gefühl etwas zu nehmen, während der Corona-Krise in einem leeren Stadion zu spielen, können in Mönchengladbach Papp-Aufsteller mit Fotos der Fans bedruckt werden. Insgesamt 21.000 davon sind laut Klub aktuell bestellt. Die Ultras boykottieren die Aktion aus Protest gegen Geisterspiele allerdings weiter. In der Nordkurve hingen hingegen wieder Protestbanner. "Für Borussia. Gegen Geisterspiele!" und "Fussball ohne Fans ist nichts!" stand darauf.

Quelle: ntv.de, tsi/dpa/sid