Fußball

Der Bundesliga-Check: Frankfurt Veh, Meier - und alte Probleme

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Alex Meier (r.), neuer Kapitän, und Armin Veh, neuer alter Trainer der SGE: Wohin geht der Weg der Eintracht?

(Foto: imago/Eibner)

Stürmen ohne Rücksicht auf Verluste - das war die Eintracht der Vorsaison. Mit Armin Veh wird das alles etwas nüchterner - aber auch erfolgreicher, selbst ohne Torwart-Ikone Kevin Trapp. Denn der Alex wird's schon richten.

Der Teufel ist ein Eichhörnchen, sagt Fußballtrainer Norbert Meier immer Mal. Armin Veh weiß jetzt auch, was das bedeutet: Der Ex-Coach von Eintracht Frankfurt hat nach drei erfolgreichen Jahren mit Erstliga-Aufstieg und Europa-League-Teilnahme der "Diva vom Main" den Rücken gekehrt. Er sah bei seinem alten Klub VfB Stuttgart bessere sportliche Perspektiven. Aber weit gefehlt: Während die SGE erneut an die Tür zur Europa League klopfte, schmiss Veh beim VfB verfrüht die Brocken hin - weil der Abstieg drohte. Nun sitzt er wieder auf der Frankfurter Trainerbank. Verrückter Fußball.

Was gibt's Neues?

Bei der Eintracht ist eigentlich alles wie immer: Die Leistungsträger verlassen den Verein (die neue Torwart-Ikone Kevin Trapp spielt nun mit Enfant Terrible Zlatan Ibrahimovic in Paris und gewinnt bereits Titel). Trotz Rekordablöse von neun Millionen Euro sitzt das Geld bei der Eintracht nach wie vor nicht locker, denn noch immer hat Vorstandschef Heribert Bruchhagen das Sagen. Allerdings geht er am Jahresende, weshalb die fiese Frankfurter Medienwelt schon einmal Planspiele durchexerziert, an deren Ende Veh-Vorgänger Thomas Schaaf seinen Trainerstuhl überraschend und konsequenterweise zur Verfügung stellte. Klingt nach der Rückkehr der guten alten "Diva vom Main" aus den 1990ern. Wie gesagt, alles irgendwie wie immer.

Auf wen kommt es an?

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Alex Meier "Fußballgott": Noch einmal 19 Tore in der Bundesliga und in Frankfurt setzt man ihm wohl ein Denkmal.

(Foto: picture alliance / dpa)

Lässt man den neuen alten Trainer mal außen vor, heißt die Frage nicht auf wen, sondern auf was: Mit der Gesundheit von Stürmer Alexander Meier steht und fällt der Erfolg der Eintracht - siehe Vorsaison. Der "Frankfurter Fußballgott" spielte die beste Spielzeit seiner Karriere, holte trotz des vorzeitigen Saisonendes die Torjägerkanone an den Main. Solange er traf, konnte die Eintracht vom internationalen Geschäft träumen. Nun ja, das Knie spielte im Frühjahr nicht mehr mit und die SGE ohne Meier nicht in der diesjährigen Europa-League-Saison. Meier laboriert noch an den Folgen der OP, kehrt erst im Herbst wieder in den Stammkader zurück. Bis dahin muss Coach Veh versuchen, andere zum Tore schießen zu animieren. Schaaf konnte das. Vor allem Neuzugang Luc Castaignos sollte sich in dieser Rolle wohlfühlen. Der "Holland-Bomber", so die Hoffnung der Eintracht-Fans, ist im Frankfurter Sturm nach langer Zeit mal wieder ein Volltreffer. Vielleicht gelingt aber auch Vaclav Kadlec endlich der Durchbruch. Notfalls muss Stefan Aigner halt wieder ran.

Wie gut kennen Sie Eintracht Frankfurt?
Bei der Frankfurter Eintracht wollen sie gerne wieder eine ungefährdete Saison in der Fußball-Bundesliga hinter sich bringen. das war nicht immer so. Darum und andere Fragen rund um die "Diva vom Main" geht es im Eintracht-Quiz.

Was fehlt?

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Kevin Trapp: Für die Rekordablöse von 9 Millionen Euro nach Paris - dennoch ein herber Verlust.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Problem der Eintracht aus der Vorsaison war das katastrophale Abwehrverhalten. 62 Gegentore bedeuteten die nach Top-Absteiger Paderborn zweitschlechteste Abwehr im deutschen Profifußball (in der 3. Liga waren Rostock, Unterhaching und Regensburg noch schlechter bei allerdings mehr Spielen). Und da hatte man zwischen den Pfosten noch den Tausendsassa und Nikolov-Erben Trapp stehen. Um dessen zugegeben schweres Erbe streiten der als eigentliche Nummer 2 verpflichtete Österreicher Heinz Lindner und der in der Slowakei geborene und bisher für Bröndby Kopenhagen spielende Finne Lukas Hradecky. So oder so: Einer der beiden muss voll einschlagen - und gesund bleiben. Hinter den beiden 25-Jährigen stehen derzeit mit Yannick Zummack (19) und Emil Bagajew (21) nur zwei Jungspunde ohne viel Profi-Spielpraxis.

Aber selbst mit einer grandios haltenden Nummer 1 bleibt die Abwehr das Problem, denn in der Innenverteidigung ist nach wie vor Heißsporn Carlos Zambrano der tragende Pfeiler. Neben ihm könnte Allrounder Marco Russ auflaufen, der als waschechter Sechser aber besser im Mittelfeld aufgehoben ist. Oder Neuzugang David Abraham, der aber kein Stammspieler in Hoffenheim war. Oder Eigengewächs David Kinsombi. Ach ja, Bamba Anderson gibt es ja auch noch. Wie gesagt: Die Abwehr bleibt die Achillesferse der offensiv ausgerichteten Eintracht. Eine Topverpflichtung auf der Innenverteidiger-Position ist nicht in Sicht.

Wie lautet das Saisonziel?

Klassenerhalt. Klassenerhalt. Klassenerhalt. Nein, ernsthaft: "Sagen wir mal so: Die ersten sieben Plätze in der Liga sind vergeben, danach ist es eng. Zwischen Platz acht bis zwölf ist realistisch", so SGE-Manager Bruno Hübner. Aber dann kommt halt doch der in den letzten Jahren so typische Satz: "Wichtig ist halt, nie hinten reinzurutschen." Jaja, die vermaledeite Saison 2010/11 mit dem nicht abzusehenden Absturz in die Zweitklassigkeit, der sitzt halt noch immer in den Knochen.

Die n-tv.de Prognose

Mit dem Abstieg hat die Eintracht nichts zu tun, selbst wenn sie nach der Hinrunde auf Platz sieben der Tabelle stehen sollte. In die Verlegenheit, um die Meisterschaft mitzuspielen, kommt sie allerdings auch nicht. Bayern, Wolfsburg und Gladbach machen die Schale unter sich aus. Es folgen die Schalker mit Neu-Coach Andre Breitenreiter und Thomas Tuchel mit seinen Dortmundern. Danach wird's aber schon eng: Hoffenheim, Leverkusen, ein Überraschungsteam und die Eintracht - so sieht der Kampf um die Europa-League-Plätze aus. Das ist machbar für den ehrgeizigen Veh und einen gesunden Kapitän Meier. Davon abgesehen winken diese Saison zwei Titel: Randalemeister 2015 (auch wenn Leeds nicht in der Bundesliga spielt) und der Pokalsieg.

Quelle: ntv.de

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