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Frühlingstemperaturen in München? Egal, Thomas Müller und der FC Bayern fuhren trotzdem wieder ins Scheuklappen-Trainingslager in Katar.
Frühlingstemperaturen in München? Egal, Thomas Müller und der FC Bayern fuhren trotzdem wieder ins Scheuklappen-Trainingslager in Katar.(Foto: imago/MIS)
Donnerstag, 11. Januar 2018

Neustart in Fußball-Bundesliga: Warum die Winterpause gutgetan hat

Von Christoph Rieke

Sich rund um die Weihnachtstage in der Sonne aalen - davon können Fußballer aus anderen europäischen Topligen nur träumen. Die Winterpause ist ein Privileg der Bundesliga. In dieser Saison war sie besonders wichtig.

Lässig schlürft Jérôme Boateng seinen Drink aus einer Südfrucht unter Palmen, in seiner Sonnenbrille spiegelt sich türkisblaues Meerwasser. Der Kicker vom FC Bayern München hat die Zeit rund um Weihnachten offenbar im Warmen verbracht. Ganz ohne Fußball.

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Wenn Boatengs FC Bayern morgen in Leverkusen gastiert (ab 20.30 Uhr im Liveticker auf n-tv.de), ist sie schon wieder vorbei - die spielfreie Zeit namens Winterpause. Viel Zeit zur Erholung war den Spielern und Trainern der Bundesligaklubs in dieser Saison nicht vergönnt. Die WM im Sommer und das selbst auferlegte Joch des TV-Vertrags zwingen die Klubs, bereits jetzt wieder zu spielen. Aber immerhin: Es gab sie, die Winterpause. Und sie war bitter nötig.

Das Niveau vieler Bundesligakicks unterschied sich zum Jahresausklang oft minimal von dem unterer Ligen. Darüber konnte der torreiche letzte Hinrundenspieltag - es fielen 36 Tore - kaum hinwegtäuschen. "Wir waren vom Kopf her einfach nicht frisch genug. Die Pause wird deshalb Zeit", befand ein Rasenballsportler namens Willi Orban nach der 2:3-Heimpleite gegen die Berliner Hertha. Doch nicht nur in Leipzig mangelte es zuletzt an Energie. Für Hertha, Hoffenheim und Köln kam das Aus im Europapokal fast einer Erlösung gleich, Doppelbelastung adé. Auch beim dreifachbelasteten FC Bayern - wieder einmal Nutznießer des kollektiven Rumgegurkes in der Liga - waren sie froh über die Auszeit. Mats Hummels outete sich jüngst auf der Klub-Webseite gar als "großer Fan der Winterpause".

Froh über einige spielfreie Tage werden sie ebenfalls in Dortmund und Köln gewesen sein. So hatten die Trainer Peter Stöger und Stefan Ruthenbeck mehr Zeit, ihre neuen Teams einzustellen. Wer weiß, vielleicht hat manch Spieler beim Effzeh genug Kraft geschöpft, um #returnofthegoat neu zu interpretieren. Dank erholter Geister könnte die Kölner Aufholjagd am Sonntag im Rheinderby gegen Borussia Mönchengladbach (ab 15.30 Uhr im n-tv.de Liveticker) beginnen.

Zeit zur Einkehr

Auf die sonstige Nörgelei, die Winterpause dauere viel zu lang, sei hiermit erwidert: In dieser Saison war sie so kurz wie lange nicht. Mit 29 Tagen durfte Gladbach am längsten pausieren, in München waren es wegen des Pokal-Achtelfinals nur 22 Tage. Aber diese verlängerten Weihnachtsferien ohne Fußball sind sinnlos und inhaltsleer, behauptet manch Anhänger zudem. Dabei wissen viele aktive Fußballfans nur zu gut, wie wohltuend es sein kann, sich mal nicht den Allerwertesten in den Stadien der Republik abzufrieren. In Zeiten, in denen der Fußball schier grenzenlos gemolken wird, haben auch Fans ein Recht auf Erholung. Früher flüchteten sich viele während der Winterpause in ein sinnloses Turnier namens DFB-Hallenmasters, getreu dem Happel'schen Motto "Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag". Heute gibt's die Darts-WM.

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Bleibt zu hoffen, dass zumindest die Schiedsrichter nicht fremdgegangen sind. Glaubt man dem Ober-Unparteiischen Lutz Michael Fröhlich, haben er und Kollegen die Winterpause zur Einkehr genutzt - Stichwort Videobeweis. Im "Tagesspiegel" gelobte er: "Wir werden die kurze Spielpause nutzen, um noch einmal alle Spielvorgänge der Hinrunde auszuwerten und einzuordnen." Das Schiedsrichter-Trainingslager fand übrigens auf Mallorca statt.

Apropos: Auch in puncto Moral hatte die Winterpause in dieser Saison ihr Gutes, zumindest teilweise. Die kurze spielfreie Zeit hat acht Klubs von dem Irrglauben emanzipiert, man müsse unbedingt ein Trainingslager in südlichen Gefilden beziehen. Welchen Sinn macht auch eine Fernreise, wenn hierzulande frühlingshafte Temperaturen herrschen? Allein, bei zehn Klubs (und bei den Schiedsrichtern) ist diese Erkenntnis noch nicht gereift, allen voran beim Ligakrösus FC Bayern, dem unermüdlichen Kämpfer für Arbeiterrechte in Katar. Für manchen Klub war die Winterpause also doch zu kurz zur Besinnung.

Lineker ist argwöhnisch

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Ob Vorbereitung im sonnigen Süden oder beim Wintercup in Bielefeld - die freie Zeit dürfte dem spielerischen Niveau der Bundesliga in jedem Fall gut getan haben. Die Hoffnung auf spannenden und zugleich guten Fußball lebt. Auch der Urlaub für die Spieler wird sich auszahlen. Er ist ein Privileg, das Spieler in anderen europäischen Topligen nicht genießen - wie beispielsweise in der englischen Premier League, wo am Boxing Day, an Silvester sowie an Neujahr der Ball rollte.

Das bereitet Gary Lineker Sorgen. Der ehemalige englische Fußballstar habe viele Urlaubsfotos der weltbesten Spieler gesehen, "während unsere Spieler ein Spiel nach dem anderen bestreiten. Natürlich beschweren sie sich nicht", twitterte er. Mit Blick auf die WM in Russland schrieb er weiter: "Aber im Juni werden wir uns fragen, warum unser Team weniger frisch aussieht als unsere Gegner." Dabei sollte er nicht vergessen, dass auch viele DFB-Stars wie Mesut Özil und Toni Kroos ihr Geld im winterpausenfreien Ausland verdienen.

Dennoch wird es nicht nur Lineker beruhigen, dass der Fußball in Deutschland nun endlich wieder rollt. Die Winterpause war zwar kurz. Aber sie tut der Bundesliga gut - und Bundestrainer Joachim Löw. Das wird sich spätestens in 22 Wochen bemerkbar machen. Dann treffen, so hofft Löw, fitte DFB-Spieler im Moskauer Luschniki-Stadion auf die Nationalelf aus Mexiko. Ein Duell mit ausgelaugten Engländern ist frühestens im WM-Viertelfinale möglich.

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Quelle: n-tv.de