Brisanter Bericht nach KnallWenn Real Madrid so weitermacht, scheitert jeder Trainer

Im Sommer kehrte Xabi Alonso zurück nach Real Madrid. Der Trainer und die Königlichen wollten eine zweite gemeinsame Erfolgsgeschichte schreiben. Doch das Märchen endet als Albtraum. Auch weil Trainer bei Real nichts mehr zählen.
Einvernehmlich war's also, hmmm … Xabi Alonso und Real Madrid gehen seit Montagabend getrennte Wege, beide Seiten sollen erkannt haben, dass die zweite Beziehung der Klublegende und des Fußballriesen zum Scheitern verurteilt ist. Nach gerade einmal 232 Tagen und 34 Pflichtspielen. Unbeschadet kommt keine Seite aus dieser doofen Nummer heraus. Xabi Alonso, der Heldentrainer von Bayer Leverkusen, erlebt eine bittere Entzauberung auf dem höchsten Niveau. Und Real muss sich die Frage gefallen lassen, ob es eine Mannschaft beschäftigt, die nicht trainierbar ist.
Alonso war im vergangenen Sommer auf Carlo Ancelotti gefolgt. Der italienische Maestro, ein begnadeter Starflüsterer und mit den größten Titeln im Vereinsfußball hoch dekoriert, war an diesem Team verzweifelt. In seiner letzten Saison gelang ihm nichts mehr. Gemessen daran, was die "Königlichen" für Ambitionen haben, was für Investitionen in diesem Kader stecken. Mit Alonso wollte Real eine alte Liebe aufflammen lassen. Als Fußballer hatte der gebürtige Baske das Spiel auf hinreißende Weise gelenkt. Als Trainer sollte er das ebenfalls tun. Dass er das kann, hatte er in Leverkusen bewiesen. Bayer hatte Europa mit Alonso-Fußball verzaubert.
Nie überzeugt von Xabi Alonso?
Aber die Transformation von einem Team im Abstiegskampf zu einem unbesiegbaren Monster brauchte Zeit. Alonso entwickelte Ideen und neue Helden. Wie Florian Wirtz, wie Granit Xhaka, wie Jonathan Tah. Er hatte einen Baugrund, wo er vom Fundament an alles erschaffen konnte. Und er hatte das grenzenlose Vertrauen der Klubbosse. Was durch die Erfolge zu keiner Zeit auf eine harte Probe gestellt wurde. In Madrid begegnete Alonso dem kompletten Gegenteil: einer Mannschaft voller Superegos und einem Präsident, Florentino Pérez, der wohl nie überzeugt war von der Idee, den Basken auf dieses Ensemble loszulassen.
Schnell versank der erfolgreichste Saisonstart der Vereinsgeschichte, 13 Siege aus 14 Spielen, in Berichten über unzufriedene Spieler. Bestens dokumentiert wurde das nicht nur in den ewig aufgeregten spanischen Medien, sondern auch mit den Leistungen auf dem Platz. Real Madrid war keine Bestie mehr, sondern spaltete sich mehr und mehr in gockelnde Einzelgänger auf. Lediglich Topstürmer Kylian Mbappé stach heraus, der den Trainer mit seinen Toren länger im Amt hielt, als das seit Anfang Dezember diskutiert worden war. Der Franzose verabschiedete sich am Montagabend mit großen Worten von Alonso.
Es gibt keine "ehrenvollen Niederlagen" bei Real
Im letzten gemeinsamen Spiel hatte Mbappé seinem Trainer nicht mehr helfen können. Im Supercopa-Finale wurde er erst spät eingewechselt. Es war ein riskantes Comeback nach einer Verletzungspause. Eigentlich hätte er noch pausieren müssen. Aber die Not war groß bei den Madrilenen gegen den FC Barcelona. Trotz zuvor fünf Siegen. Es ging schließlich um einen Titel und dann auch noch gegen den Erzrivalen. Die Leistung der Königlichen beim mitreißenden 2:3 im saudischen Dschidda war nicht schlecht. In der Welt der Königlichen reicht das nicht. "Ehrenvolle Niederlagen", wie die "Marca" schreibt, gibt es bei Real nicht.
Vielleicht stolperte Alonso mit seinem letzten Schritt auch noch darüber, dass er den Titel entwertete, die Niederlage kleinredete. Nicht so wichtig fand er den Supercup. Einen Tag später merkte er, wie sehr er sich geirrt hatte. Dabei hatte er so viel Positives aus dem Spiel mitnehmen wollen, um in der Liga wieder den Anschluss an Barca herzustellen. Nach sich anbahnender Trennung sah das in den Stunden nach der Niederlage nicht aus. Was das Thema Einvernehmlichkeit wieder etwas unwahrscheinlicher macht.
Zweifel an der Einvernehmlichkeit
In spanischen Medien heißt es ohnehin, dass die Klubführung dem Trainer dringend nahegelegt habe, das Amt nun niederzulegen. Alonso hatte somit keine Wahl. Ohne den damit endgültig entzogenen Rückhalt hätte er kaum länger überlebt. Wie ungut es sich ohne Vertrauen arbeiten lässt, hatte er spätestens seit Anfang Dezember erlebt. Gegen den England-Riesen Manchester City wurde er in ein Schicksalsspiel geschickt. Ohne große Dementis von Klubseite. Real verlor zwar, stemmte sich aber mit allem, was es hatte, gegen die Niederlage. Trainer und Spieler wirkten zusammen. Das war ein Signal, Alonso nicht direkt zu kicken.
Aber es wuchs nichts Nachhaltiges daraus. Real gewann nach der Niederlagenserie zuvor zwar wieder Spiele, aber ohne Gloria. Bei Real zahlt nicht nur die A-Note auf das Vertrauenskonto des Trainers ein, sondern vor allem die B-Note. Für die großen Künstler stehen, die Alonso offenbar nicht auf seine Seite ziehen konnte. Mit dem exzentrischen Vinícius Junior knirschte es häufiger. Der "beispiellose Wutanfall" nach dessen Auswechslung im Clasico Ende Oktober wurde zu einer riesigen Sache. Auch Jude Bellingham soll mit der Arbeit des Trainers nicht einverstanden gewesen sein und seinen zugewiesenen Aufgaben fremdeln, ebenso Federico Valverde. Die offen zur Schau getragene Bocklosigkeit der Stars in vielen Spielen führte Alonso vor.
Allerdings schien sich die Lage zuletzt verändert zu haben. Alonso wirkte gefestigter. Die "Marca" berichtet am Morgen nach dem Trainerknall, dass der Rauswurf Alonsos das Team völlig überrascht habe. Niemand innerhalb der Mannschaft soll diese Eskalation zu diesem Zeitpunkt erwartet haben, schreibt die Zeitung. Die Spieler sollen eher davon ausgegangen sein, dass es unter dem Basken vorangehe und sich die Beziehung deutlich verbessert habe. Ein Irrglaube. Der vermeintliche Schulterschluss kam zu spät. Einige Spieler sollen von dem Trainer-Beben auch erst durch die offizielle Mitteilung des Klubs erfahren haben, heißt es in dem durchaus brisanten Bericht weiter. Es soll keine interne Kommunikation gegeben haben.
Zudem gibt es noch einen anderen Bericht, der kein gutes Licht auf das offizielle Kommuniqué wirft. Laut "Mundo Deportivo" gibt es eine andere Version zum Rauswurf. Dieser zufolge war Real-Boss Pérez mit dem Auftritt im Supercopa-Finale derart unzufrieden, dass er alleine beschlossen habe, die Ära von Alonso schon wieder zu beenden.
Das krachende Ende des Heldenfußballs
Vorgänger Ancelotti hatte Real jahrelang mit Heldenfußball gebändigt. Er hatte die Dinge geschehen lassen und sich vornehmlich um die Laune der Stars gekümmert, die wenig Lust auf taktische Überideen und Videoschulungen hatten. Solange Ordnungskräfte wie Toni Kroos oder der noch kraftvolle Luka Modrić da waren, ging das gut. Ohne sie brach das Vertrauen in das Heldenspiel hart zusammen. In dieser Saison gibt es niemanden, der die Verbindung zwischen Abwehrarbeitern und Sturmkünstlern schafft. Es gibt keinen Chef im Mittelfeld, keinen Typen wie Granit Xhaka, dem Alonso in Leverkusen die Verantwortung anvertraut hatte. Real wirkt seelenlos. Starke Charaktere, die sich an die Spitze des Kollektivs über die Egos stellen, scheinen zu fehlen.
In Madrid wuchs die Front der Egos gegen die Ideen des Trainers. Der konnte diesen Kampf nicht gewinnen, weil die Macht auf den Seiten der augenscheinlich geltungssüchtigen Stars lag. Von den Bossen gab es keine Hilfe. Sie ließen die Dinge geschehen und Alonso in das bittere Ende laufen. Es war ein Scheitern auf beiden Ebenen. Alonso hatte sein "Rock'n'Roll"-Versprechen nicht eingehalten. Seine interventionistische Art, die Leverkusen so gut getan hatte, matchte überhaupt nicht mit Real. Dem Team fehlte es fast immer an Elan und Energie. Nur in wenigen Highlight-Spielen deuteten die Spieler an, was möglich ist. Aber da ist eben auch noch die Führung um Pérez, die sich den Vorwurf gefallen lassen muss, "eine goldene Chance", so nennt es die "Marca" mit Alonso leichtfertig vergeben zu haben.
Nun soll es überraschend Álvaro Arbeloa richten, früher Alonsos Mitspieler bei Real und zuletzt Trainer der zweiten Mannschaft. Nur acht Minuten nach der Trennungsmeldung wurde verkündet, dass er Nachfolger wird. Ob das gut gehen kann? Es hängt wohl alles davon ab, ob die Spieler Lust auf diesen Coach haben. Und was wird aus Alonso? Wie groß ist der Schaden, den er davonträgt? Englische Medien sehen offenbar keine großen Probleme, sie bringen ihn bei den beiden Großklubs in Manchester ins Gespräch. Und beim FC Liverpool, einer anderen alten Liebe von Alonso. "Die interessanteste Trainerstation könnte jedoch eine Rückkehr zu den Reds sein, was den Druck auf Arne Slot weiter erhöhen würde", schreibt die "Sun". In Liverpool würde er auf Florian Wirtz treffen und auf Jeremie Frimpong, zwei Helden seiner allesfressenden Leverkusener Meistermannschaft.