Fußball

Zukunft der DFB-Abwehr Wer macht's unter Löw mit Süle?

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Ginter? Rüdiger? Tah? Oder alle auf einmal? Joachim Löw.

(Foto: imago/opokupix)

Und auf einmal ist da ein Loch: Nach dem Aus für Jérôme Boateng und Mats Hummels in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sucht nicht nur Bundestrainer Joachim Löw neue Innenverteidiger. Eine Position in der Defensive scheint allerdings bereits besetzt.

Joachim Löw kann auch konsequent. Bislang hat der Bundestrainer das nur bei ihm unbeliebten Spielern wie beispielsweise Sandro Wagner unter Beweis gestellt. Dass er mit Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller vor dem EM-Qualifikationsspiel der DFB-Elf gegen die Niederlande am 24. März (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in Amsterdam seine Lieblinge rasiert, hat durchaus etwas Historisches. Jetzt setzt er auf die Jugend, zeigt aber einmal mehr, dass er keinen echten Konkurrenzkampf im Kader zulässt.

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Gesetzt: Niklas Süle.

(Foto: imago/VI Images)

Innenverteidiger in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sind robust, ballsicher und zweikampfstark. Attribute, die auch auf Boateng und  Hummels zutreffen - von der desolaten Vorstellung bei der Weltmeisterschaft in Russland einmal abgesehen. Die Fußstapfen, die dieses menschliche Bollwerk im defensiven Zentrum hinterlässt, sind groß. Jeder, der folgt, muss sich an den Leistungen der Weltklasse-Verteidiger messen lassen. Und so erging es auch Boateng und Hummels selbst, als sie Per Mertesacker und Christoph Metzelder im defensiven Zentrum abgelöst haben.

Wer spielt neben Süle?

Die neue Generation deutscher Innenverteidiger ist mehr als nur eine Truppe stumpfer Abräumer. In der Innenverteidigung spielen Strategen, die das Spiel mit ihren Pässen und ihrer Übersicht eröffnen können - und rustikal zu Werke gehen, wenn es die Situation erfordert. Löws überraschender Cut sorgt dafür, dass der hochveranlagte Nachwuchs Verantwortung übernehmen muss. Wenngleich die Frage bleibt: Wie mutig ist der Bundestrainer tatsächlich?

Zum neuen Abwehrchef im Trikot der Nationalmannschaft wird Niklas Süle aufsteigen. Der 23-jährige Verteidiger des FC Bayern München spielt eine beeindruckende Saison. 94,4 Prozent seiner Pässe bringt er an den Mann – bei bislang 1.772 gespielten Pässen eine überragende Quote. Zudem gewinnt er rund 65 Prozent seiner Zweikämpfe, von denen er bislang 269 in der laufenden Bundesliga-Saison geführt hat. Doch: Wer wird an Süles Seite vor dem deutschen Tor verteidigen?

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Jung und begehrt: Matthias Ginter.

(Foto: imago/MIS)

Matthias Ginter: Die Entwicklung des schmächtigen 25-Jährigen bei Borussia Mönchengladbach ist beeindruckend. Und das registrieren auch die großen europäischen Klubs. Immer wieder wird er mit einem Wechsel ins Ausland in Verbindung gebracht. Einer der prominentesten Interessenten: Jürgen Klopp. Der Teamchef des FC Liverpool und Ginter haben schon in Dortmund zusammengearbeitet. Aber auch der FC Arsenal und Tottenham sollen ihr Interesse bekundet haben. Ginter selbst gibt sich indes zugeknöpft: "Aus Respekt vor Gladbach spreche ich nicht über andere Vereine", sagte er dem "Kicker". Zweimal wurde er bereits von Löw in deutschen WM-Kader berufen (2014 und 2018), gespielt hat er bislang aber nicht. Neben seiner Zweikampfstärke zeichnet sich Ginter durch solide Flanken und Torgefahr per Kopfball aus.

Antonio Rüdiger: Ebenso wie Ginter zählt Rüdiger zu den 93ern. Dem Jahrgang, der in der DFB-Elf mehr und mehr in den Fokus rückt. Mittlerweile ist aus dem schlaksigen, manchmal auch etwas unbeholfen wirkenden Hünen eine beeindruckende Erscheinung mit extremer Duellpräsenz geworden. Im Schnitt spielt er pro Partie knapp 72 Pässe, die er präzise an den Mann bringt. Zudem ist der 1,91-Meter-Mann bei Standards ein Unruheherd im gegnerischen Strafraum. Drei Mal hat er in der laufenden Saison für den FC Chelsea in der Premier League getroffen. Alle drei Treffer erzielte er mit dem Kopf.

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Beeindruckend konstant: Jonathan Tah.

(Foto: imago/Revierfoto)

Jonathan Tah: Zu einem der Hoffnungsträger der DFB-Defensive könnte sich auch Jonathan Tah entwickeln. Der Bulle (1,95 Meter, 97 kg) in Diensten von Bayer Leverkusen spielt mit einer beeindruckenden Konstanz. Lediglich zwei Mal in der laufenden Saison wurde er vorzeitig vom Feld genommen. Anfang Dezember beendete er seinen Arbeitstag gegen Augsburg nach 64 Minuten. Und beim 3:1-Erfolg der Leverkusener gegen Hertha BSC kurz vor Weihnachten war nach 80 Minuten Schluss. In allen anderen Spielen und Wettbewerben stand er jeweils über die volle Distanz auf dem Feld. Sein ehemaliger A-Jugend-Trainer Otto Addo prophezeite ihm früh eine große Karriere: "Er hat alles, was es braucht. Er verfügt über ein gutes Aufbauspiel, ein gutes Zweikampfverhalten und ein gutes Kopfballspiel."

Ginter, Rüdiger und Tah - das sind nur drei Optionen für Löw. Thilo Kehrer von Paris St. Germain hat sich ebenso wie Frankfurts Außenverteidiger Danny da Costa mit seinen Leistungen ins Notizbuch des Bundestrainers gespielt. Da Costa wäre vor allem für Löws geliebte Dreierkette eine echte Alternative. Bei beiden scheint eine Nominierung nur eine Frage der Zeit zu sein. Auch Julian Weigl, der beim BVB in dieser Saison vom Sechser zum Innenverteidiger umgeschult wurde, bringt sich mit guten Leistungen wieder in Stellung. Für ihn spricht sein herausragendes Aufbauspiel.

Das Aus von Boateng, Hummels und Maskottchen Müller ist die logische Folge der blamablen WM-Vorstellung. Löw will diesen Schritt aber nicht als allzu radikal gebrandmarkt wissen: "Ja, wir wollten die Mannschaft in den kommenden zwei Jahren verjüngen. Aber wir brauchen einen guten Mix aus Erfahrung und der Energie der jungen Spieler", sagte der Bundestrainer im ZDF. Die junge Generation brauche Zeit, um zu reifen. "Wir reden von Titelgewinnen, vom Weltmeister-Werden." Der Weg zur Weltklasse kenne keine Abkürzungen.

Quelle: n-tv.de

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