Fußball

Keine Punkte, nur noch Parolen Werder und Kohfeldt wanken auf Abstieg zu

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Die sportliche Führung traut Trainer Florian Kohfeldt noch die Wende zu.

(Foto: dpa)

Mit einem Kurztrainingslager bereitet sich Werder Bremen auf das Bundesliga-Gastspiel in Leipzig vor. Statt wichtiger Punkte im Abstiegskampf setzt es nach indiskutabler Leistung den nächsten Tiefschlag. Die Krise verschärft sich, der Gegner hat Mitleid - doch Coach Florian Kohfeldt soll bleiben.

Wie schlecht es um Werder Bremen bestellt ist, ließ sich an einem Nebensatz von Julian Nagelsmann festmachen. "Irgendwann", sagte der Trainer von RB Leipzig nach dem völlig verdienten 3:0 (2:0) der Sachsen gegen den Abstiegskandidaten, "haben wir durch die Wechsel signalisiert, dass wir ein bisschen was testen wollten". Zum Zeitpunkt des Leipziger Doppelwechsels waren am Samstag aber erst 60 Minuten gespielt - spätestens ab dann war Werder nur noch der Sparringspartner, von dem nichts mehr zu erwarten war.

"Auch Bremen hat versucht, noch ein Tor zu erzielen", schob Nagelsmann zwar hinterher, das war aber mehr höflich als wahr. Die Norddeutschen waren in Leipzig hoffnungslos unterlegen, nach dem dritten RB-Tor unmittelbar nach der Halbzeitpause war die Partie endgültig entschieden. Der Tabellen-17. hat nun acht der vergangenen neun Ligaspiele verloren, seit knapp 700 Minuten kein Tor selbst erzielt. Zumindest im Moment will Werder trotzdem weitermachen wie bisher - mit Trainer Florian Kohfeldt.

"Ich habe mich in den letzten Tagen und Wochen auch schon dazu geäußert und daran hat sich nichts geändert", sagte der sichtlich enttäuschte Bremer Geschäftsführer Frank Baumann. Er erwarte, dass Kohfeldt "weiter mit der Mannschaft arbeitet, ihr Handlungsoptionen aufzeigt. Das tut er. Das erlebe ich jeden Tag", sagte der Ex-Profi. "Deswegen haben wir nach wie vor die Überzeugung, dass Florian der Richtige ist." Manche von Baumanns Ausführungen klangen regelrecht gequält: "Jedes Spiel ist eine neue Hoffnung."

"Schon mal gar nicht aufgebend"

Kohfeldt selbst wirkte nach dem Abpfiff angeschlagen, übte sich in Durchhalteparolen. "Die Mannschaft war in der Kabine enttäuscht, keine Frage, aber nicht ratlos, und schon gar nicht aufgebend", meinte der Trainer. Dass er nur noch im Amt sei, weil er sich mit den Verantwortlichen so gut verstehe, halte er für Quatsch: "Werder ist wichtiger als jede einzelne Person."

Die Profis machten zudem nach dem Spiel deutlich, klar zu ihrem Trainer zu stehen. "Ich habe das Gefühl im Verein und der Mannschaft, dass er nicht zur Diskussion steht. Das gibt es nicht oft im Fußball. Aber wir glauben an den Trainer", sagte Mittelfeldspieler Davy Klaassen.

Dennoch deutet nur wenig daraufhin, dass Bremen in den verbleibenden zwölf Spielen die Wende gelingt. Die Kohfeldt-Mannschaft strahlte in Leipzig keinerlei Torgefahr aus. "Ich erinnere mich nicht an eine Bremer Chance", sagte RB-Torschütze Patrik Schick, der in der 39. Minute nach Lukas Klostermann (18.) und vor Nordi Mukiele (46.) getroffen hatte. Auf dem Platz wirkte die Bremer Mannschaft aber enorm hilflos und verunsichert. Wieder führten zwei Standards auf die Verliererstraße. Es waren schon die Standardgegentore Nummer 16 und 17.

Das Bremer Kurztrainingslager - das Team war bereits am Mittwoch nach Leipzig gereist - hatte zumindest auf das Ergebnis keine Auswirkungen. "Wenn man sich das Spiel anschaut, denkt man, das hat nichts gebracht", sagte Abwehrspieler Milos Veljkovic. "Aber das hat es. Wir haben uns vorgenommen, stark zu bleiben und Charakter zu zeigen." Dass eine sofortige Wirkung des Trainingslagers auf dem Platz in Leipzig nicht zu sehen war, wollte Baumann nicht überbewerten. "So etwas ist mit einem Trainingslager nicht getan", meinte der Sportdirektor. Wenn das so wäre, würde ja schließlich jede Mannschaft bei einer Krise "einfach mal zwei Tage irgendwo hinfahren".

BVB erneut als Rettungsanker?

Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich den Bremern am kommenden Samstag (ab 15.30 Uhr im ntv.de Liveticker) gegen Borussia Dortmund - allerdings wohl ohne Abwehrspieler Kevin Vogt, der sich in Leipzig vermeintlich schwerer am Knie verletzt hat. Gegen den BVB war Werder Anfang des Monats immerhin der 3:2-Coup im DFB-Pokal gelungen.

"Wir müssen dafür sorgen, dass wir Ergebnisse liefern, und wir sind davon überzeugt, dass wir das mit Florian erreichen. Dann wird die Stimmung auch nicht komplett kippen", sagte Baumann. Die Mannschaft habe schon "Nadelstiche gesetzt", aber Leipzig sei eben eine "starke Mannschaft", sagte er: "Es ist nicht zu erwarten, dass wir nach Leipzig fahren und sieben, acht Chancen pro Halbzeit bekommen. Deswegen sollte man die Kirche im Dorf lassen. Wir wissen, gegen wen wir gespielt haben." Die nächsten Bremer Gegner heißen Dortmund und Eintracht Frankfurt, die Werder jeweils daheim empfängt - wo man in der Liga zuletzt fünfmal in Folge verloren hat.

Quelle: ntv.de, cwo/dpa/sid