Bayer enttäuscht, TSG patztWerders Horror-Serie reißt nach 13 Pflichtspielen

Im November 2025 gewinnt Werder Bremen zuletzt ein Spiel in der Fußball-Bundesliga. Auch wenn es im Krisenduell gegen Heidenheim viele Torchancen braucht: Die Sieglos-Serie ist Geschichte. Derweil patzt Hoffenheim im Champions-League-Rennen gegen St. Pauli.
Werder Bremen - 1. FC Heidenheim 2:0 (0:0)
Erlösung im Kellerduell: Dank Jovan Milosevic hat Werder Bremen seine Pleitenserie gestoppt und erstmals seit 13 Partien wieder ein Bundesliga-Spiel gewonnen. Die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune setzte sich im Krisengipfel gegen den Tabellenletzten 1. FC Heidenheim nach einer guten Vorstellung mit 2:0 (0:0) durch und schöpft neue Hoffnung im Kampf gegen den Abstieg. Milosevic ließ die zuletzt so häufig leidgeplagten Werder-Fans mit seinem Treffer in der 57. Minute jubeln, zudem unterlief Hennes Behrens (90.+7) kurz vor Spielende ein Eigentor.
Der Letzte beim Vorletzten - mehr Druck ging nicht an der Weser. Und Werder kam mit der Belastung besser zurecht, nach 113 langen Tagen holten Milosevic und Co. wieder einmal einen Dreier. Für Thioune, Nachfolger von Horst Steffen, war es nach drei Pleiten in seinen ersten drei Spielen der erste Sieg.
Die Heidenheimer von Trainer Frank Schmidt sind wohl nicht mehr zu retten, statistisch gesehen sind sie bereits abgestiegen. Denn: Mit einer Ausbeute von nur 14 Punkten nach 24 Spielen hat im Zeitalter der Drei-Punkte-Regel noch kein Team am Saisonende den Klassenerhalt geschafft.
Unter der Woche hatten sich Bremer Führungsspieler mit Fan-Vertretern zu einem "Schulterschluss" getroffen, vor der Partie heizte ein Capo dem Team mit einer leidenschaftlichen Rede über die Stadionmikrofone noch einmal ordentlich ein - und so machte Werder auch von Beginn an Druck. Doch der Ball wollte trotz guter Möglichkeiten einfach nicht rein: Der vermeintliche Führungstreffer durch Olivier Deman (26.) wurde wegen einer Abseitsposition nach einem Videobeweis wieder einkassiert, Milosevic (36.) vergab aus kurzer Distanz kläglich und Romano Schmid (45.+2) traf nur den Pfosten. Heidenheim konzentrierte sich vor allem auf die Defensive - und so musste Werder stets aufpassen, nicht in einen Konter zu laufen. Wie etwa beim Versuch von Arijon Ibrahimovic (41.).
Insgesamt war beiden Teams vor 40.000 Zuschauern nach den dürftigen Ergebnissen der vergangenen Wochen der Mangel an Selbstvertrauen deutlich anzumerken. Die Angst, einen womöglich folgenschweren Fehler zu machen, war förmlich spürbar. "Bei allem Respekt: Werder Bremen sollte in der Lage sein, ein Heimspiel gegen Heidenheim zu gewinnen", hatte Thioune vor der Partie gesagt, doch seinem Team fehlte es neben dem nötigen Glück vor dem Tor allzu oft auch an den nötigen Ideen, um die Heidenheimer Abwehr zu knacken.
Doch dann passte plötzlich alles zusammen: Schmid flankte gefühlvoll in den Strafraum, Milosevic nickte per Kopf aus rund fünf Metern eiskalt ein. Und das Weserstadion explodierte. Danach drängte Heidenheim immer stärker nach vorne, um die drohende Niederlage irgendwie noch zu verhindern. Werder versuchte alles, um den Vorsprung ins Ziel zu bringen - so sahen die Zuschauer keine hochklassige, aber immerhin spannende Partie. Justin Njinmah (86.) und Keke Topp (90.+2) verpassten jeweils die Vorentscheidung. Auf der Gegenseite vergab Mathias Honsak (90.+6) den Ausgleich, ehe Behrens' Eigentor alles klarmachte.
Borussia Mönchengladbach - Union Berlin 1:0 (0:0)
Aufatmen bei Eugen Polanski: Borussia Mönchengladbach hat seinen freien Fall mit einem Arbeitssieg gestoppt. Die im Abstiegskampf steckenden Fohlen bezwangen Union Berlin spät mit 1:0 (0:0), damit sitzt auch Trainer Polanski wieder fester im Sattel. Kevin Diks (90.+4, Foulelfmeter nach Videobeweis) traf für die überlegene, vorne aber lange Zeit zu harmlose Borussia, die zuvor siebenmal in Folge nicht gewonnen hatte und in der Tabelle durchgereicht worden war. Union bleibt trotz der Niederlage im gesicherten Mittelfeld.
"Am Ende zählt nur das Ergebnis", hatte Polanski vor dem Spiel gesagt - und direkt Mut bewiesen: Der Gladbach-Coach machte den 17 Jahre alten Offensivspieler Wael Mohya zum jüngsten Startelf-Debütanten der Vereinsgeschichte. Auch Polanskis Mannschaft begann forsch und nahm nach vorsichtigem Beginn das Heft in die Hand.
Einziges Manko blieb die Chancenverwertung. Einen Kopfball von Haris Tabakovic lenkte Frederik Rönnow gekonnt über die Latte (18.), aus der folgenden Druckphase machte die Borussia zu wenig. Akzente setzen konnte dabei auch Mohya. Der Youngster, 2025 mit Borussias U17 deutscher Meister, ließ sein Können immer wieder aufblitzen.
Bis zur Pause nahm der Unterhaltungswert für die 52.488 Fans wieder deutlich ab. Borussias Schwung war verpufft, Union schloss seine wenigen Konter zu ungenau ab. Erst in der Nachspielzeit vergab auch Diks (45.+2) aus vier Metern. Polanski klatschte beim Pausenpfiff dennoch zufrieden in die Hände, 10:2 Torschüsse gaben ihm recht.
Union kam etwas bemühter aus der Kabine, mehr vom Spiel hatte aber weiter die Borussia. Das Problem: Spätestens am Strafraum war wie schon in den vergangenen Wochen Endstation. Folge waren zunehmend Versuche aus der Distanz wie von Philipp Sander (56.) und Jens Castrop (60.). Darunter litt auch das Niveau der immer umkämpfteren Begegnung. Zumindest die Gladbach-Fans peitschten ihre Elf aber weiter nach vorne.
Ein vermeintlicher Treffer von Diks sorgte dann auch für Ekstase - doch der VAR griff ein, da Rocco Reitz in der Entwicklung des Tores im Abseits stand. Borussia reagierte wütend, aber zunehmend verzweifelt. Doch dann gelang die späte Erlösung dank Diks.
Bayer Leverkusen - FSV Mainz 05 1:1 (0:0)
Müde, mutlos, mittelmäßig: Bayer Leverkusen hat sich im Rennen um die begehrten Champions-League-Ränge einen weiteren Ausrutscher erlaubt. Eine Woche nach der Pleite in Berlin reichte es für die wackelige Werkself gegen den abstiegsbedrohten FSV Mainz 05 nur zu einem 1:1 (0:0) - ein weiterer herber Rückschlag für den ambitionierten Vizemeister.
Bayer enttäuschte und ließ alles vermissen, was ein Topteam benötigt. Immerhin verhinderte Leverkusen dank Jarell Quansah (88.) die nächste Niederlage, nachdem Sheraldo Becker (67.) die Gäste in Führung gebracht hatte. Am Sonntag könnten die Konkurrenten RB Leipzig und VfB Stuttgart ihren Vorsprung vorerst ausbauen. Im engen Tabellenkeller sorgten die Mainzer von Trainer Urs Fischer durch den Punktgewinn für einen Achtungserfolg.
Viel Zeit zur Erholung war Bayer nach dem Achtelfinal-Einzug in der Champions League nicht geblieben. Es gebe jedoch "keine Entschuldigung", betonte Trainer Kasper Hjulmand zum Start in eine "sehr wichtige Woche" im Kampf um die Königsklasse. Es folgen die wegweisenden Partien am Mittwoch beim Hamburger SV und am nächsten Samstag beim SC Freiburg.
Zum Start in den Bundesliga-Dreierpack fehlten Leverkusen aber Tempo, Überzeugung und Ideen. Nach den dürftigen Auftritten bei Union Berlin (0:1) und gegen Olympiakos Piräus (0:0) blieb Bayer erneut vieles schuldig. In dieser Form dürfte die Werkself im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Arsenal nicht den Hauch einer Chance haben.
Weil auch die kompakt und tief verteidigenden Mainzer, die kurzfristig auf Nationalspieler Nadiem Amiri (Ferse) verzichten mussten, nichts riskierten, plätscherte die Partie ereignislos vor sich hin. Einzig ein Handelfmeter blieb Bayer verwehrt, weil Alejandro Grimaldo in der Entstehung im Abseits gestanden hatte (42.). Dazu vergrößerte Arthur vor der Pause mit einer mutmaßlich schweren Knieverletzung die Personalsorgen.
Hjulmand, der die Mainzer in der Saison 2014/15 recht erfolglos betreut hatte, sah im zweiten Durchgang nur wenige Verbesserungen. Er brachte zwar Ibrahim Maza und Martin Terrier, das Offensivduo belebte das Spiel jedoch kaum. Es dauerte über eine Stunde, bis Patrik Schick aus kurzer Distanz zum ersten gefährlichen Bayer-Abschluss kam (63.).
Die Mainzer lauerten dagegen geduldig - und schlugen eiskalt zu. Becker vollendete die erste Offensivaktion des FSV nach der Pause mit einer Direktabnahme zur Führung. Bayer hatte unmittelbar zuvor einen Strafstoß gefordert, weil Schick im Strafraum gehalten worden war. Quansah rettete spät immerhin einen Punkt.
TSG Hoffenheim - FC St. Pauli 0:1 (0:1)
Die Rekordserie der TSG Hoffenheim in der Bundesliga ist nach 148 Tagen gerissen. Die Kraichgauer verloren gegen den leidenschaftlich kämpfenden Abstiegskandidaten FC St. Pauli mit 0:1 (0:1) und konnten die Vereinsbestmarke von acht Heimsiegen in Serie nicht weiter ausbauen. Trotz des Rückschlags bleibt die Elf von Christian Ilzer mit 46 Punkten als Dritter weiter auf Kurs Champions League.
Die TSG fand trotz Überlegenheit keine Antwort auf den Rückstand durch Mathias Pereira Lage (45.+4). Zuletzt gab es am 3. Oktober 2025 gegen Köln (0:1) daheim keinen Sieg. St. Pauli setzte nach den Big Points gegen Bremen in der Vorwoche seinen Aufwärtstrend fort und kletterte nach langer Zeit wieder auf einen Nichtabstiegsplatz. Nach elf erfolglosen Anläufen gelang mal wieder ein Dreier in der Fremde, es war erst der zweite Auswärtssieg der Saison.
Ilzer hatte nicht nur wegen des Pokal-Aus am Millerntor vor dem Kellerkind gewarnt. "Sie haben mehrfach bewiesen, dass sie gegen Spitzenteams bestehen können", sagte der 48-Jährige. Sein Team dürfe sich deshalb nicht "an Serien und Rekorden erfreuen", sondern müsse erneut "TSG-Fußball auf den Platz bringen". Dies setzte seine unveränderte Startelf gleich um, legte vor 27.786 Zuschauern in der Anfangsphase einen echten Sturmlauf hin.
Fisnik Asllani (4.), Grischa Prömel (8.) und zweimal Andrej Kramaric (8., 9.) verpassten die frühe Führung. Nach dem Chancen-Feuerwerk ließ der Druck deutlich nach, doch St. Pauli lud die TSG mit kapitalen Defensivpatzern mehrfach ein: Robin Hranac (26.) und Prömel (28.) nahmen die Geschenke nicht an und scheiterten jeweils an Nikola Vasilj. Gegen Ende der ersten Hälfte wurden die Hamburger mutiger, erspielten sich einige Gelegenheiten.
Schließlich gelang Sekunden vor dem Pausenpfiff ein perfekter Konter, an dessen Ende Pereira Lage eine Maßflanke von Manolis Saliakas einnickte. Nach dem Seitenwechsel mühten sich die Hoffenheimer um eine Antwort, doch der zweitbesten Offensive der Liga fiel zunächst wenig ein. Die TSG kombinierte zwar gefällig um den Strafraum herum, bis auf einen Kopfball von Bazoumana Touré (65.) entstand aber kaum einmal Torgefahr.
Erst in der Schlussphase wurde die Ilzer-Elf zwingender, doch Vasilj lenkte einen Kopfball von Ozan Kabak mit einem tollen Reflex noch an die Latte (80.).