Fußball

Schnellcheck deutscher Clásico Wie Gerd Müller gegen Horst Hrubesch

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Die Torjäger der Extraklasse unter sich: Lewandowski erzielte drei Treffer, Haaland zwei.

(Foto: Pool via REUTERS)

Das Duell Bayern gegen Dortmund wird zum Wettschießen zwischen Robert Lewandowski und Erling Haaland. Der beste Mittelstürmer der Welt jagt unaufhaltsam Gerd Müllers ewigen Rekord. Der junge Norweger knackt dafür eine andere Bestmarke - und erinnert auch an eine Legende.

Was ist im deutschen Clásico passiert?

Für den FC Bayern war seit dem Nachmittag eines klar: Die Tabellenspitze hatte man an RB Leipzig verloren und mindestens ein Unentschieden musste her, um sie zurückzuerobern. Trainer Hansi Flick tauschte nach dem 5:1 gegen Köln zweimal: Thomas Müller und Kingsley Coman begannen für Jamal Musiala und Eric Maxim Choupo-Moting. Der BVB, der sich wegen des Pokal-Viertelfinals nicht wieder die Münchner in der Woche hatte ausruhen können, musste ohne seine drei Topdribbler Jadon Sancho, Raphael Guerreiro und Giovanni Reyna antreten. Nico Schulz, Dan-Axel Zagadou, Thomas Meunier und Thorgan Hazard starteten dafür.

Beide Teams hatten sich zuletzt nach einem kurzen (FCB) und längeren (BVB) Durchhänger wieder in sehr guter Verfassung gezeigt. Die Bayern offensiv spielfreudig und effektiv, die Dortmunder vor allem defensiv sicher. Vor der Partie hatte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke bekräftigt, er sehe seinen Verein weiterhin als Bayernjäger Nummer eins - der Tabellenführer vom Nachmittag aus Leipzig dürfte das anders sehen. Der BVB hatte vor der Partie sieben der jüngsten acht Ligaspiele gegen die Münchner (ein Sieg) verloren. Diesmal sollte unbedingt die Abwehr halten, denn in den acht Partien kassierten die Schwarz-Gelben 28 Gegentore, im Schnitt also 3,5 pro Partie. In München war Dortmund sogar schon seit sechs Spielen ohne Punkt.

Das Spiel war auch das Duell zwei der drei besten Torjäger der Bundesliga. Robert Lewandowski führte vor der Partie den Kampf um den besten Stürmer Deutschlands vor Erling Haaland mit 28 Toren (23 Spiele) zu 17 (19 Spiele) an. Besonders gegen seinen Ex-Verein knipst der Pole gerne, schon vor dem Duell waren es 19 Tore gegen den BVB in 14 Spielen.

Nun, beide Angreifer sollten ihr Torkonto ordentlich aufstocken können, denn das Duell wurde zum Wettschießen. Zunächst durfte Haaland in kürzester Zeit doppelt jubeln. Es war der schnellste Doppelpack eines Gästeprofis in München seit 44 Jahren. Aber Lewandowski wäre nicht der Weltfußballer, der er ist, wenn er nicht auch darauf eine Antwort parat gehabt hätte: Der Pole schoss mit drei Treffern den BVB fast im Alleingang ab und seinen FC Bayern zurück auf Platz eins. Nach einem frühen 0:2 gewann der Rekordmeister am Ende noch mit 4:2.

Das größte Liga-Spiel Deutschlands im Spielfilm

2. Minute: Toooooooooooooooooor für den BVB. Haaland, 1:0. Der Norweger hat 18 Meter vor dem Tor zu viel Platz, Jérôme Boateng lässt sich zurückfallen, anstatt anzugreifen. Haaland zieht eiskalt mit links ab, Manuel Neuer streckt sich noch aber kommt an den Ball nicht mehr heran. Fulminanter Start für Schwarz-Gelb, kalte Dusche für den Rekordmeister.

5. Minute: Marvin Hitz räumt bei einer Flanke aus dem Halbfeld Leon Goretzka ab, trifft aber auch das Spielgerät. Nach einer kurzen Unterbrechung geht es weiter.

7. Minute: Erste Möglichkeit für Lewandowski, sein Kopfball nach Flanke von Leroy Sané ist aber viel zu ungefährlich.

9. Minute: Toooooooooooooor für den BVB. Haaland, 2:0. Was ist denn hier los? Es ist der zweite Torschuss der Dortmunder und auch der sitzt. Hitz spielt auf rechts, der Ball kommt über Dahoud und Schulz nach links auf Hazard, der vom Fünfmeterraum zurücklegt auf - na wen schon - Erling Haaland. Der Norweger entwischt Jérôme Boateng, der zu langsam reagiert, schiebt kühl ein und schnürt einen Doppelpack in siebeneinhalb Minuten. Überragend gespielt von den Borussen, Neuer ist stocksauer.

14. Minute: Die Bayern reagieren wütend und binden den BVB an den eigenen Sechszehner. Bisher gibt es allerdings noch kein Durchkommen.

19. Minute: Die erste Großchance für die Münchner: Süle chippt eine Flanke Richtung Elfmeterpunkt, Goretzka legt per Brust (und wohl auch ein wenig Arm) auf Lewandowski ab, der aus kurzer Distanz direkt abzieht. Sein Linksschuss landet am Außennetz.

25. Minute: Jetzt drückt mal der BVB. Meunier versucht im Strafraum noch mal auf Haaland abzulegen und wird geblockt. Der Franzose hätte es aus aussichtsreicher Position lieber selbst versuchen sollen.

26. Minute: Tooooooooor für den FC Bayern. Lewandowski, 1:2. Die Münchner kombinieren sich mit Coman und Kimmich um den Strafrauf, dann macht Sané den Unterschied: Der Nationalspieler lässt Schulz im Eins-gegen-Eins wunderschön aussteigen und passt hart in die Mitte des Strafraums. Dort steht natürlich die Nummer 9 der Bayern und schiebt zum 29. Saisontor ein.

33. Minute: Sané leitet einen Pass zuckersüß per eingesprungener Hacke auf Lewandowski weiter, aber der Schuss des Polen wird von Mats Hummels geblockt.

44. Minute. Toooooooooor für den FC Bayern. Lewandowski, 2:2. Coman zieht im Dribbling an Dahoud vorbei, der dem Franzosen auf den Fuß tritt. Schiedsrichter Marco Fritz überprüft nur ganz kurz und zeigt dann auf den Punkt. Lewandowski tritt an, verzögert seinen Anlauf kurz und schießt dann abgeklärt ins linke Eck, während Hitz in die andere Ecke unterwegs ist. Es ist sein 30. Treffer in dieses Jahr - unglaublich. Noch zehn Tore bis zum Rekord von Gerd Müller sind es.

Halbzeit. Erstmal durchatmen, puh. Die Bayern sind jetzt wieder Tabellenführer.

47. Minute: Wieder startet der BVB furios, wieder Pennen die Münchner zu Beginn einer Halbzeit. Hazard kommt am rechten Strafraum viel zu frei zum Abschluss, jagt die Kugel aber knapp neben den Pfosten. Im Anschluss kommt Reus nach Kimmich-Rempler zu Fall im oder am Strafraum, die BVB-Proteste nutzen aber nichts, kein Pfiff.

48. Minute: Hitz mit einem Patzer: Kimmich zieht aus der zweiten Reihe einfach mal, der BVB-Torwart lässt den ungefährlichen Schuss nach vorne abprallen und kann gerade noch so im Nachfassen vor Coman klären. Ein wilder Start in die zweiten 45 Minuten.

60. Minute: Haaland muss ausgewechselt werden, nachdem er vor wenigen Minuten nach einem harten Zweikampf mit Boateng verletzungsbedingt behandelt wurde. Auf der Bank wird seine Ferse genauer untersucht. Trainer Terzic denkt hier wohl auch an die Champions-League-Partie gegen Sevilla kommende Woche.

62. Minute: Sané bleibt stabil im Zweikampf mit Hummels und legt auf Lewandowski zurück, der schießt aber weit über das Tor. Da war mehr drin.

70. Minute: Jetzt muss auch Boateng runter, nachdem er im Rasen hängengeblieben war. Der Rio-Weltmeister wird von zwei Helfern humpelnd vom Platz getragen.

78. Minute: Die Bayern drücken, aber es springen nur ein paar Halbchancen heraus. Dortmund ist überfordert und kann kaum noch sauber hinten raus spielen.

85. Minute: Über Müller kommt der Ball in den Rückraum zu Goretzka, der auf einmal viel zu viel Platz hat. Der Nationalspieler zieht mit Wucht ab, aber ein Dortmunder kann sich gerade noch so in die Schussbahn werfen. Das wäre schwer geworden für Hitz im BVB-Kasten.

88. Minute: Tooooooooooor für den FC Bayern. Goretzka, 3:2. Eine Flanke von Müller wird abgeblockt und schon wieder steht Goretzka in der zweiten Reihe völlig frei. Diesmal wird der Mittelfeldmotor nicht geblockt, sein Schuss schlägt links unten ein. Die Bayern haben das Spiel gedreht. In der Situation zuvor war allerdings Emre Can in einem Zweikampf mit Sané am Rande der Legalität zu Fall gebracht worden, die Dortmunder fordern einen Pfiff, der aber ausbleibt.

90. Minute: Toooooooooooooor für den FC Bayern. Lewandowski, 4:2. Der Pole macht den Deckel drauf. Sané lässt einen tollen Pass von Alphonso Davies gekonnt durch, Lewandowski nimmt die Kugel auf und haut sie aus 17 Metern in die Maschen.

Abpfiff, die Bayern sind wieder Tabellenführer.

Wie gut waren die Torjäger?

Robert Lewandowski ist immer noch der beste Mittelstürmer der Welt. Nach seiner Über-Saison im vergangenen Jahr arbeitet der Pole weiter am Legenden-Status und scheint die vorherige Spielzeit wirklich noch einmal übertreffen zu können. Gegen den BVB erzielte er seine Saisontore Nummer 29 bis 31. In 24 Spielen. Unfassbar. Zu behaupten, er wandele nun auf den Spuren Gerd Müllers, ist mittlerweile fast eine Untertreibung. Der "Bomber" hatte in seiner Rekordsaison mit 40 Toren zu diesem Zeitpunkt übrigens erst 26 Treffer erzielt.

Erling Haaland war ebenfalls unglaublich gut. Seinen Rekord-Doppelpack bei den Münchner macht dem Norweger so schnell wahrscheinlich niemand wieder nach, schließlich hatte die alte Bestmarke 44 Jahre gehalten. Von Boateng war Haaland überhaupt nicht zu halten, vor dem Tor blieb der weiterhin erst 20-Jährige (!) gewohnt eiskalt. Körperlich stark haute er sich in jedes Duell rein ohne Angst. Wenn Lewandowski den Gerd Müller macht, dann ist der Norweger die moderne Verkörperung von Horst Hrubesch, des Kopfballungeheuers, das die drittmeisten Tore in der Bundesliga-Historie erzielt hat. "Er spielt hervorragend, hat heute super gespielt", lobte Terzic seinen Schützling.

Was war sonst noch gut?

Überhaupt war das Niveau der Partie stark. Es gab für die Spieler kaum Zeit zum Durchatmen, die Bayern pressten früh und schnürten den BVB immer wieder am Strafraum ein. In den ersten 45 Minuten versteckten die Schwarz-Gelben sich aber nicht und fuhren gefährliche Konter. Besonders in der ersten Hälfte und in der Schlussphase war es munteres, wildes und intensives Spielchen. Leroy Sané setzte dem Niveau mit feinen Einzelleistungen - wie einem Dribbling vor dem 1:2-Anschlusstreffer oder einem schönen Hacken-Pass - die Krone auf. Auch Bundestrainer Joachim Löw war im Stadion und dürfte gesehen haben, dass Sané wieder Dinge tut, die nicht viele so können und die den Unterschied machen.

Die Reaktion der Bayern nach dem 0:2 Rückstand konnte sich ebenfalls sehen lassen. Die komplette Mannschaft griff geschlossen hoch an, blieb ruhig und erdrückte den BVB schlichtweg mit ihrer Offensivpower - bis die Tore irgendwann die logische Folge waren. 22 Punkte hat der Rekordmeister in dieser Saison nach Rückstand geholt. "Spirit und Kampfgeist", sah Müller nach dem Spiel in dieser Statistik. Aber es sei "auch anstrengend", immer zurückkommen zu müssen und gehöre "nicht zum Matchplan."

Das sagen die Trainer

Hansi Flick: "Es ist aktuell so, wenn der Gegner eine Chance hat, werden wir bestraft. Wir haben uns nach dem 0:2 geschüttelt, wir haben gezeigt, wir lassen uns hier nichts mehr nehmen. Am Ende war der Sieg verdient, weil wir über 60 Minuten die dominierende Mannschaft waren. Man hat gemerkt nach dem 0:2, dass die Mannschaft wach ist. So sind wir ins Spiel zurückgekommen."

Edin Terzic: "Es hat super begonnen und sehr schlecht aufgehört. Dazwischen war eine große Drangperiode der Bayern. Wir haben es nicht geschafft, Druck auf den Ball auszuüben. Uns ist es nicht gelungen, für Entlastung zu sorgen."

Terzic zu Haalands Auswechslung: "Er hat einen kleinen Schlag bekommen, aber das war nicht das Problem. Er spielt seit Wochen jedes Spiel. Da müssen wir ein bisschen aufpassen und ihn beschützen."

Quelle: ntv.de

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