Fußball

Den Schnaps reicht er nach Wie Thomas Doll Hannover 96 retten will

Thomas Doll soll dafür sorgen, dass Hannover 96 nicht aus der Fußball-Bundesliga absteigt. Der Plan des neuen Trainers: keine Parolen, hart und zuversichtlich arbeiten. Klingt gut, 15 Spiele hat er Zeit, das auch umzusetzen. Nicht, dass es am Ende wieder heißt: "Dolli, basta!"

Geschenke zum Einstand hatte Thomas Doll nicht mitgebracht, er musste ja viel zu schnell seine Koffer packen auf dem Weg nach Hannover. "Den Palinka kann ich Horst Heldt später noch mal aus Budapest mitbringen", sagte er bei seiner Vorstellung als neuer Trainer des Fußball-Bundesligisten. Sein Tipp: "Palinka" einfach mal googeln. Ergebnis: Es ist ein Obstbrand. Spätestens am 18. Mai, nach dem letzten Spieltag, würden sich Doll und Manager Heldt dann wohl nur zu gerne ein Gläschen genehmigen.

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Abschied nach dem 1:5 in Dortmund: André Breitenreiter.

(Foto: imago/Joachim Sielski)

Den Abstieg des Tabellenvorletzten noch irgendwie zu verhindern, das ist jedenfalls Dolls Auftrag als Nachfolger des am Sonntag entlassenen André Breitenreiter. Doll, 52 Jahre alt, weißes Hemd, blauer Pullover, zurückgegelte Haare und entschlossener Blick, sagt, er wolle so schnell wie möglich eine "Aufbruchsstimmung erzeugen". Und das "nicht mit Parolen, sondern mit Arbeit und Zuversicht".

So soll die Befreiung aus der Krise nach zuletzt acht Spielen ohne Sieg gelingen. 15 Partien bleiben Doll, der zwischen Ende 2013 und August 2018 den ungarischen Erstligisten Ferencvaros Budapest trainierte. Das erste Training hat der ehemalige Profi bereits geleitet. "Ich bin bereit. Und ich weiß, was ich kann", sagte er. Sein erstes Spiel steht am Freitag an, dann ist (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) der Tabellenvierte RB Leipzig zu Gast. Anfang vergangener Woche hatte sich Doll mit Heldt getroffen, da steuerte Breitenreiter auf sein Endspiel beim Spitzenreiter in Dortmund zu, das die 96er mit 1:5 verloren. Es folgte noch ein Gespräch, ehe man sich Sonntag auf einen Vertrag bis 2020 für die erste und die zweite Liga einigte.

"Dolli, basta!"

"Ich weiß natürlich, in welcher prekären Situation wir uns befinden", sagte Doll, forderte aber keine neuen Spieler: "Die Mannschaft hat die Qualität, den Klassenerhalt zu schaffen." Er werde nun versuchen, dass bei seinen Spieler "wieder die Brust rauskommt". Wer "zu viele Rucksäcke mit sich rumschleppt", dem fehle eben "die Leichtigkeit". Dass Doll eine Krise meistern kann, hat er bewiesen. Vor 14 Jahren rettete er den Hamburger SV und führte den Klub später gar in die Champions League.

2007 verhinderte er den Abstieg der Dortmunder Borussia, stand 2008 mit dem BVB im Pokalfinale - trat dann aber wegen einer schwachen Bilanz in der Liga zurück. "Dolli, basta" titelte der "Kicker" seinerzeit. Sein Nachfolger wurde ein gewisser Jürgen Klopp und von Dolls Zeit bei Schwarz-Gelb blieb eigentlich nur eine legendäre Wutrede in Erinnerung: "Da lache ich mir doch den Arsch ab." Über Genclerbirligi Ankara in der Türkei und Al-Hilal landete Doll dann in Budapest, mit Ferencvaros wurde er einmal ungarischer Meister und holte drei Mal den Pokal. Darüber, dass er nach über zehn Jahren im Ausland dennoch wieder eine "Chance" in der Bundesliga bekam, ist Doll "sehr dankbar". Er habe 160 WhatsApp-Nachrichten und SMS erhalten und sei sich der "sehr, sehr großen Verantwortung" bewusst. Und wenn alles gut geht, dürfen sich Doll und Heldt im Mai den Palinka schmecken lassen.

Quelle: ntv.de, Kristof Stühm und Irina Gnep, sid