Fußball

Fans des BVB beleidigen Hopp Wie hart greift der DFB durch?

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Das Zwiespältige an der Sache ist ja, dass wegen des Verfahrens vor dem Sportgericht des DFB diese Bilder immer wieder gezeigt werden.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Eine Morddrohung ist das nicht, fest aber steht: Fans der Dortmunder Borussia beleidigen bei einem Spiel der Fußball-Bundesliga Dietmar Hopp, den Mäzen der TSG Hoffenheim. Wieder einmal. Nun urteilt der DFB. Droht dem Tabellenführer nun ein Punktabzug?

Worum geht's? Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes beschäftigt sich an diesem Freitag ab 11.30 Uhr mit dem Bundesligisten Borussia Dortmund. Die mündliche Verhandlung leitet Hans Eberhard Lorenz, der Vorsitzende des Verbandsgerichts. Es geht darum, dass einige Anhänger des BVB beim Spiel (1:1) in Sinsheim am 22. September Dietmar Hopp, den Mehrheitseigner der TSG Hoffenheim, mit Plakaten, Rufen und Gesängen beleidigt haben. Zudem sollen sie die Toiletten im Gästebereich der Rhein-Neckar-Arena erheblich beschädigt haben. Grundsätzlich leitet der DFB Verfahren wegen unsportlichen Verhaltens der Zuschauer dann ein, "wenn die von der Kundgabe betroffene Person oder der betroffene Rechtsträger einen schriftlichen Antrag (...) gestellt hat (...) oder durch den Kontrollausschuss ein besonderes verbandspolitisches Interesse an einer sportgerichtlichen Verfolgung festgestellt wird". So steht es auf Seite 25 in Paragraf 13 der Rechts- und Verfahrensordnung. Dieses besondere Interesse "ist in der Regel gegeben, wenn die konkrete Kundgabe einen Straftatbestand im Sinne des StGB und/oder den Tatbestand des § 9 (Diskriminierung und ähnliche Tatbestände) erfüllt".

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"Die müssen jetzt mal den Mut haben durchzugreifen": Dietmar Hopp.

(Foto: imago/ULMER Pressebildagentur)

Was ist genau passiert? Dortmunder Fans hatten vor dem Anpfiff ein großes weißes Banner ausgerollt, das das Konterfei von Hopp hinter einem roten Fadenkreuz zeigte. Darunter stand in Großbuchstaben: "Hasta la vista, Hopp!" Auf zwei gelben Spruchbändern darunter stand, ebenfalls in Versalien: "Strafverfahren & Hausverbote wegen beleidigender Gesänge. Was soll die Scheiße, du Hurensohn!?" Wenige Tage vor der Partie in Sinsheim war bekannt geworden, dass Hopp Strafanträge gegen mehr als 30 Anhänger des BVB gestellt hatte, weil die ihn im Spiel beider Teams am letzten Spieltag der vergangenen Saison beleidigt hatten. Den Beschuldigten hatte die TSG nun verboten, ihr Stadion zu betreten. Die Hoffenheimer müssen sich vor dem Sportgericht dafür verantworten, dass ihr Sicherheitsdienst offenbar nicht gründlich gearbeitet hat. Wie kamen die Plakate ins Stadion?

Worum geht's nicht? Auch wenn viele das in diesen Tagen gerne zusammenrühren: Es geht nicht um die Prügelei einiger Hertha-Fans am vergangenen Wochenende mit der Polizei in Dortmund. Es geht nicht um die Gewalt zwischen Anhängern des 1. FC Nürnberg und des FC Hansa Rostock am Mittwoch rund um das DFB-Pokalspiel beider Klubs, bei denen die Polizei einen Warnschuss abgab. Es geht auch nicht um das verbotene Abrennen von Pyrotechnik. Und es geht generell nicht darum, dass Chaoten angeblich flächendeckend die deutschen Stadien zu Orten machen, an denen die Zuschauer um ihre Gesundheit fürchten müssen. Das Präsidium des DFB will sich mit diesen Themen am 7. Dezember beschäftigen. Angeblich soll es dann auch um die zurzeit geltende Aussetzung der Kollektivstrafen gehen.

Wie könnte der BVB bestraft werden? Die Dortmunder Fans, für die der Klub haftet, sind Wiederholungstäter. Der DFB hatte die Südtribüne des Westfalenstadions in einem ähnlichen Fall für ein Spiel im Februar 2017 sperren lassen. Allerdings hat der DFB wie oben erwähnt die Kollektivstrafen seit August 2017 ausgesetzt. Sehr wahrscheinlich ist eine hohe Geldstrafe. Die könnte Borussia Dortmund dann an die Verursacher weitergeben, wenn diese denn ermittelt werden. Das ist allerdings nicht einfach. Das Banner mit den "Strafverfahren & Hausverboten" ist rechtlich erlaubt. Das Spruchband mit "Was soll das" halten Menschen, die vermummt sind. Und bei dem Fadenkreuz-Plakat sind nur die zu erkennen, die es am Rand festhalten. Grundsätzlich urteilt der DFB seit Beginn der Saison in den ersten drei Ligen nach einem Strafenkatalog, in dem festgelegt ist, was wieviel kostet. Für ein größeres Schmähplakat sind in der Bundesliga 8000 Euro vorgesehen. Möglich wäre unter Umständen auch eine Blocksperre für den BVB. Dass der DFB dem Verein Punkte abzieht, gilt als sehr unwahrscheinlich.

Warum der Hass? Dietmar Hopp ist 78 Jahre alt und ein reicher Mann, mehrfacher Milliardär. Das Geld hat er sich verdient, indem er 1972 mit drei Kollegen ein Unternehmen für Computersoftware gegründet hat. Sie hatten sehr früh die richtige Idee. Neulich hat Hopp 100 Millionen Euro für den Bau einer Herzklinik in Heidelberg spendiert. Und er hat den Sportverein seiner Jugend gekauft. Die Fußballabteilung der Turn- und Sportgemeinschaft Hoffenheim spielt seit 2008 in der Bundesliga, Hopp gehören 96 Prozent der Spielbetriebs GmbH. Vielen Fans von anderen Vereinen missfällt, dass Hoffenheim mit Hopps Geld von der Kreisliga A bis in die oberste Spielklasse aufgestiegen ist. Manche hassen ihn dafür.

Was sagt Dietmar Hopp? "Ich habe es mir zehn Jahre angehört. Ich habe gehofft, es lässt nach. Im Gegenteil! Mit dem Erfolg von Hoffenheim ist es viel, viel mehr geworden", sagte Hopp. Er hat angekündigt, Strafanzeigen gegen die Täter stellen zu wollen: "Deswegen gibt es nur diesen Weg." Zudem hat er klare Vorstellungen, wie das Sportgericht urteilen soll. Der "Bild"-Zeitung sagte Hopp: "Die müssen jetzt mal den Mut haben durchzugreifen. Ich hoffe darauf. Wenn nicht, weiß ich nicht, wo es mit dem deutschen Fußball hingeht." Wie emotional die Diskussion geführt wird, zeigt, dass die Hoffenheimer Geschäftsführer Dr. Peter Görlich und Frank Briel in einem offenen Brief von einem "Mordaufruf" sprachen.

Was sagt Borussia Dortmund? Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte Hopp nach den Vorfällen im Namen des BVB um Entschuldigung gebeten. Im Sportstudio des ZDF plädierte er dafür, die Einzeltäter "mit aller Härte zur Rechenschaft zu ziehen". Den gesamten Klub zu bestrafen, hält er für falsch: "Jetzt, wo es ein bisschen spannend ist in der Bundesliga, sollen sie uns Punkte abziehen? Das ist ja unfassbar. Das ist keine Lösung." Es ist allerdings auch keine Lösung, indirekt Verschwörungstheorien den Boden zu bereiten. Watzke wies noch darauf hin, dass eine Woche nach besagtem Spiel am 22. September Fans der TSG Hoffenheim bei der Partie gegen RB Leipzig den deutschen Nationalspieler Timo Werner als Hurensohn bezeichnet hätten. Dazu, sagte Watzke, "habe ich von der Seite, die ja eine gewisse Medienpolitik macht, noch kein Wort gehört".

Quelle: n-tv.de

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