Fußball

Champions-League-Pläne der Uefa Wie radikal wird die Reform im Klubfußball?

imago37581633h.jpg

Klubvertreter Andrea Agnelli (r.) wird sehr genau zuhören, wenn Uefa-Präsident Aleksander Ceferin nächste Woche Freitag seine Pläne für eine Reform der europäischen Wettbewerbe präsentiert.

(Foto: imago images / Belga)

In der kommenden Woche wird Uefa-Chef Ceferin nicht mehr mit Plattitüden ausweichen können. Vor den Delegierten der 55 europäischen Fußballverbände stellt der Slowene seine Reformpläne zur Champions League vor. Die Erwartungen an ihn sind hoch.

Wenn Aleksander Ceferin, 51-jähriger Präsident des europäischen Fußball-Verbandes (Uefa), nächste Woche im Konferenzsaal eines Luxushotels in Budapest seine Reformpläne zur Champions League vorlegt, wird nichts weniger als eine Revolution erwartet: der Auftakt zu einem Fünf-Milliarden-Euro-Spiel. Uefa-Insider sind eifrig bemüht, den Kampfbegriff "Super League" aus der Berichterstattung zu drängen. Das Thema ist emotional aufgeladen. Kommerz, Größenwahn, Korruption: Wie Etiketten hängen die Vorwürfe an dieser einen Wortschöpfung.

Dabei lohnt ein genauer Blick auf das, was auf den europäischen Fußball ab 2024 zukommen soll. Grob skizziert: eine dreiklassige Champions League mit 128 Mannschaften statt wie bisher 32 in der Königsklasse und 48 in der Europa League. Natürlich geht's um Geld. Bisher schüttet die Uefa 2,5 Milliarden Euro an die Klubs aus. Die Hoffnung: In fünf Jahren soll es das Doppelte sein.

Mehr Spektakel durch neue Liga?

Durch die packenden Europacup-Halbfinalspiele diese Woche bekam die Ceferin-Reform unerwartet Rückenwind. Jeder konnte sehen: Wenn Europas Top-Klubs aufeinander treffen, ist plötzlich Feuer drin. Tempo, Technik, Temperament: Die meisten nationalen Ligen können so ein Spektakel nicht bieten. Die Serienmeister dominieren in aller Regel den Wettbewerb.

"Viel Spaß am Wochenende bei Augsburg gegen Hertha und Hannover gegen Freiburg!", spottete der Sport-Informationsdienst über die Bundesliga. Es ist schon wahr: Wenn Bayern München am Samstag bei RB Leipzig gewinnt, steht die siebte Meisterschaft in Folge vorzeitig fest. Das Duell mit Borussia Dortmund hätte nur übergangsweise die Langeweile vertrieben.

Was bringt die Super League? Rainer Koch, Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), wird mit seinem Generalsekretär Friedrich Curtius sehr genau in Budapest hinhören, wie weit Ceferin mit seinen Vorschlägen geht. Sein Auftrag aus der eigenen Liga ist überliefert: Hände weg von Europacup-Spieltagen an Wochenenden - die sind der Bundesliga heilig.

ECA hat noch radikalere Pläne

Dass Bayern München und Borussia Dortmund hinter vorgehaltener Hand auch da zu diversen Zugeständnissen bereit sind, offenbart die Zerrissenheit bei diesem Thema. Dem Chef der European Club Association (ECA), Andrea Agnelli, der gleichzeitig Präsident von Juventus Turin ist, gehen die Reformpläne nicht weit genug. Die achte italienische Meisterschaft in Folge ödet ihn selbst an.

Seine Idee von einer Super League füttert Urängste aller Fußballromantiker. Agnelli will Radikales: nur die besten Teams aus Europa und das ganze Geld allein für die Elite. Darum geschieht Ceferin zuweilen Unrecht: Sein Vorschlag ist erstens ein Kompromiss zwischen Arm und Reich und fördert zweitens die europäische Einheit - mehr Schmuddelkinder sollen partizipieren.

Ein Ceferin-Modell sieht vor: In der League 1 werden 32 Teams in vier Achtergruppen gestopft, in League 2 weitere 32 Teams in acht Vierergruppen, der Rest von 64 Teams verteilt sich in vier Regionalstrukturen. Das Blöde daran: Plötzlich müssen die Top-Klubs vierzehn statt sechs Gruppenspiele bestreiten. Der Rahmenterminkalender gibt die Spieltage kaum her.

Brisanter Reformvorschlag

Auch wenn ein Spieltag vom ersten ins zweite Halbjahr verlegt wird: Die Zahl der Europacup-Termine verdoppelt sich. Die Fußballprofis werden über ihre Belastungsgrenze gezwungen. Irgendwer müsste zurückstecken: entweder die nationalen Ligen oder die Nationalmannschaften. Ceferin weiß nur zu gut: In jedem seiner Worte steckt nächste Woche Freitag Brisanz.

Seine Idee wird er in Englisch vortragen, jeder Satz ins Französische und Deutsche übersetzt. Bis zum Uefa-Kongress am 3. März 2020 in Amsterdam wird sein Reformvorschlag, auch das weiß er, Widerspruch und einige Wendungen erfahren. Nur zweierlei muss jedem bewusst sein: Aufzuhalten ist die Reform nicht - und der Agnelli-Vorschlag wäre viel, viel schmerzhafter.

Pit Gottschalk, 50 Jahre alt, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit'ch erhalten Sie hier.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema