Fußball

Keine Lust auf die DFB-Elf Will denn niemand mit Löw nach Russland?

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Mein rechter, rechter Platz ist frei: Joachim Löw.

(Foto: imago/ActionPictures)

Sommer, Sonne, Confed Cup: Bundestrainer Joachim Löw sucht dringend Fußballer, die mit ihm Ende Juni mach Russland zur Mini-Generalprobe für die WM 2018 fahren. Acht Weltmeister bleiben daheim, auch Marco Reus mag nicht.

Die in der Frage steckende Ungeheuerlichkeit hatte Joachim Löw seinerzeit gelassen pariert: "Die Nationalmannschaft ist für die Spieler schon noch das Nonplusultra." Ein Reporter aus Aserbaidschan hatte dem Bundestrainer vor dem WM-Qualifikationsspiel der DFB-Elf Ende März im Tofik-Bachramow-Stadion zu Baku gefragt, ob das wirklich stimme, was er gehört habe; dass es mittlerweile schwierig sei, Spieler für die Nationalmannschaft zu finden. Die hätten schließlich in ihren Klubs genug zu tun und verspürten wenig bis "keine Lust" auf die Länderspiele.

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Confed Cup? Och nö: Marco Reus.

(Foto: imago/Eibner)

"Klar", sagte Löw, "die Spieler sind bei den Vereinen ja angestellt, haben dort wichtige Aufgaben zu erledigen". Aber er habe über Jahre hinweg festgestellt: "Die Spieler kommen gerne zur Nationalmannschaft." Das müsse ja auch das Ziel jedes einzelnen sein. Damit war das geklärt, Löw sagte das sehr überzeugt. Doch wenn er nun am Mittwoch in der Zentrale des DFB in Frankfurt ab 13 Uhr sagt, wer im Sommer beim Confed Cup in Russland spielt, der Mini-Generalprobe für die WM 2018, stellt sich schon die Frage: Wer hat eigentlich Lust drauf, vom 17. Juni an in Kasan und Sotschi gegen Australien, Chile und Kamerun zu spielen, wenn Urlaub die bessere Idee wäre? Und dann vielleicht noch warten zu müssen, bis am 2. Juli das Finale in St. Petersburg ansteht. Marco Reus offenbar eher nicht.

Er werde mit dem Bundestrainer sprechen, hatte er am vergangenen Wochenende gesagt. "Dann wird man einfach sehen, was das Beste für mich ist im Sommer, auch hinsichtlich der WM in Russland. Da möchte ich unbedingt dabei sein." Und schließlich sei  er in den vergangenen Sommern "immer mit Reha beschäftigt" gewesen. Sein Verein Borussia Dortmund sähe es sicherlich gerne, dürfte sich ihr so oft verletzter Offensivspieler in diesem Sommer ausruhen.

"Wir haben es nicht ganz so einfach"

Was die ganze Sache für den Bundestrainer nicht einfacher macht: Das U21-Nationalteam und sein Kollege Stefan Kuntz treten zur gleichen Zeit bei der EM an, die vom 16. bis zum 30. Juni in Polen stattfindet. Beide Trainer brauchen also insgesamt 46 Spieler, die im Sommer am besten mehr als weniger Lust auf Fußball haben. "Wir haben es nicht ganz so einfach", sagte Löw. Schließlich soll der wenig beliebte Confed Cup nicht zum sportlichen Desaster für den Weltmeister werden. Und die Junioren wollen um den Titel mitspielen. "Wir diskutieren, wie wir die Spieler aufteilen", sagte Manager Oliver Bierhoff. "Und dann hoffe ich natürlich, dass die Vereine mitziehen." Also, wie sieht's aus? Ein Überblick:

PROGRAMM DER DFB-ELF
Montag,19. Juni,17.00 Uhr
Australien -Deutschland,Confed Cup
Donnerstag,22. Juni,20.00 Uhr
Deutschland -Chile,Confed Cup
Sonntag,25. Juni,17:00 Uhr
Deutschland -Kamerun,Confed Cup

Auf keinen Fall dabei sind acht Weltmeister und mutmaßlich fünf weitere Profis. Torhüter und Kapitän Manuel Neuer vom FC Bayern München, die Dortmunder Borussen Mario Götze und Julian Weigl, Ilkay Gündogan von Manchester City sowie Kevin Volland vom TSV Bayer 04 Leverkusen sind verletzt. Der Schalker Benedikt Höwedes lässt sich an seiner lädierten Leiste operieren und fliegt ebenfalls nicht nach Russland. Schonen dürfen sich die Münchner Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller; das gilt auch für den angeschlagenen Sami Khedira vom Finalisten der Champions League, Juventus Turin; für Mesut Özil vom FC Arsenal; und für Toni Kroos von Real Madrid. Na ja, und dann ist da doch die Frage, was mit Marco Reus ist.

Ein Visum für Russland beantragen sollten jetzt schon 19 Kandidaten: die Torhüter Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona, der Leverkusener Bernd Leno und Trapps Kevin von Paris St. Germain. Als mutmaßlich einziger Spieler des FC Bayern wird Joshua Kimmich mitfliegen. Seine Kollegen in der Abwehr dürften unter anderem der Kölner Jonas Hector, Arsenals Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger vom AS Rom sowie die Hoffenheimer Sebastian Rudy und Niklas Süle sein, die beide im Sommer nach München wechseln. Auf der Liste stehen zudem im Mittelfeld und für den Angriff: Leverkusens Julian Brandt, André Schürrle vom BVB, die Schalker Leon Goretzka und Max Meyer, Emre Can vom FC Liverpool, Julian Draxler von Paris St. Germain, Leroy Sané von Manchester City, der Wolfsburger Mario Gomez, Leipzigs Timo Werner und Karim Bellarabi aus Leverkusen.

Und wer besetzt die restlichen vier Plätze im Löw'schen Aufgebot? In Frage kommt im Grunde jeder, der geradeaus laufen und auf eine einigermaßen gute Saison zurückblicken kann. Und Lust sollte er haben. Max Kruse wäre so einer. Der Angreifer strebt in dieser Saison mit dem SV Werder Bremen in die Europaliga, hat 14 Treffer erzielt und vom Bundestrainer bereits Signale empfangen, dass er ein Kandidat ist. Auch sein Klubkollege Serge Gnabry ist einer, der kicken kann. Der Sportinformationsdienst nennt zudem folgende Kandidaten: die Leverkusener Benjamin Henrichs und Jonathan Tah, Willi Orban und Marcel Halstenberg aus Leipzig, die Mönchengladbacher Patrick Herrmann und Lars Stindl sowie Amin Younes, der sich just mit Ajax Amsterdam ins Finale der Europaliga gewirbelt hat.

Damit sind wir wieder bei der U21 - und einem weiteren Problem. Denn Gnabry zum Beispiel ist mit seinen 21 Jahren jung genug, um bei Löws Kollegen Kuntz zu spielen. Damit ist er nicht alleine. Ihn mitgezählt gilt das für elf der genannten Kandidaten: Brandt, Can, Goretzka, Henrichs, Kimmich, Meyer, Sané, Süle, Tah und Werner. Und wer spielt jetzt wo? "Die Spieler sollen in der jeweiligen Mannschaft in jedem Fall zum Einsatz kommen", sagt der Bundestrainer. Ansonsten gelte: "Über allem steht die Weltmeisterschaft 2018!" Und wenn es dann so weit ist, haben bestimmt auch alle wieder Lust.

Quelle: ntv.de

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