Fußball

Zum 60. von Gary Lineker "... am Ende gewinnen immer die Deutschen"

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Vor der Kamera stehen, das liegt Gary Lineker.

(Foto: imago/Moritz Müller)

Nur Wayne Rooney und Bobby Charlton haben öfter für England getroffen als Gary Lineker - der immer noch so aussieht, als habe er gerade erst seine Karriere beendet. Dabei wird der einstige Ausnahmestürmer heute 60 Jahre alt und hat längst eine zweite Laufbahn eingeschlagen.

Er moderiert zwei der populärsten Sportsendungen im britischen Fernsehen und hat 7,7 Millionen Follower bei Twitter. Neuerdings ist Gary Lineker sogar als neuer Chef des englischen Fußballverbands im Gespräch. Doch daran hat der Ex-Nationalspieler und TV-Moderator überhaupt kein Interesse. Er sei "kein guter Organisator", erklärte Lineker. Und er könne sich auch kaum vorstellen, dass "ein alter weißer Mann wie ich" Chancen auf den Job habe. Heute, am 30. November, wird der ehemalige Stürmerstar 60 Jahre alt.

Seine Haare sind schon lange ergraut, trotzdem wirkt der zweimal geschiedene Lineker, der aus erster Ehe vier Söhne hat, deutlich jünger. "Ich bin immer noch gut in Form", sagte er dem "Guardian". "70 ist die Zahl, über die ich mir Sorgen mache. Ich würde gern noch zehn Jahre in meinem Job arbeiten und eine gute Zeit haben." Für englische Fußballfans ist Lineker, der als Profi für Leicester City, den FC Everton, den FC Barcelona und Tottenham Hotspur auf Torejagd ging, omnipräsent. Er moderiert beim Sender BBC die Sendung "Match Of The Day", das englische Pendant zur "Sportschau", und präsentiert beim Bezahlsender BT Sport regelmäßig die Champions League.

Zudem postet er mehrmals täglich bei Twitter - während eines packenden Fußballspiels auch schon mal zehn bis zwanzig Mal. Seine Fans schätzen die deutlichen Worte - Lineker übt sachlich, aber unverblümt Kritik an Fußballern, Trainern, Funktionären und Regeln. Dabei bleibt er fair wie als Spieler. Kaum zu glauben: In den 16 Jahren seiner aktiven Karriere kassierte er nicht eine einzige Gelbe oder Rote Karte. 1990 erhielt er den Fair-Play-Award der Fifa.

Linekers Follower lieben auch seinen Humor. "Jetzt wissen wir, warum Messi weg wollte", twitterte er, als sein Ex-Klub Barça kürzlich neue Trikots in gewöhnungsbedürftigem Rosa präsentierte. Als sich der schwedische Superstar Zlatan Ibrahimovic mit dem Coronavirus infizierte, witzelte Lineker: "Meine Gedanken sind in dieser schweren Zeit bei dem Virus."

Keine Scheu vor öffentlicher Meinung

Seinen berühmten Satz über den deutschen Fußball wandelt der 80-malige Nationalspieler - mit 48 Toren dritterfolgreichster Schütze der Three Lions - häufig ab. Als Deutschland 2018 in der Nations League scheiterte, scherzte er voller Selbstironie: "Wer auch immer gesagt hat, dass Fußball ein Spiel ist, bei dem 22 Spieler 90 Minuten lang den Ball treten und am Ende immer die Deutschen gewinnen, der hat keine Ahnung und sollte absteigen." Auch mit politischen Ansichten hält Lineker nicht hinter dem Berg. Er sprach sich deutlich gegen den Brexit aus, jedenfalls bis Ende 2019. "Nach der letzten Parlamentswahl habe ich damit aufgehört", betonte er im "Times"-Interview.

"Ich habe damals gesagt: Jetzt kennt jeder meine Sicht dazu, und ich will darüber nicht mehr sprechen." Einige Brexit-Befürworter nehmen ihm das offenbar noch immer übel. Sogar auf der Straße wurde er nach eigener Aussage deswegen angefeindet. Zudem setzt sich Lineker gegen Rassismus ein und macht sich für die Unterstützung von Geflüchteten stark. "Das ist nicht politisch für mich. Das ist humanitär", sagt er. Angst anzuecken oder zu polarisieren hat er nicht. Im Gegenteil. "Ich genieße das", verriet er dem "Telegraph".

"Man nennt mich einen Linken, einen Sozialisten-Promi, aber ich bin eigentlich ziemlich in der Mitte." Mit Blick auf die Corona-Krise nahm Lineker Spieler, Klubs und Verbände in die Pflicht - für ihn keine politische Überlegung. "Das ist keine Frage von Tory, Liberalen, Labour, Brexit oder Verbleib", stellte er klar. "Es geht nur darum, die Todesfälle zu minimieren." Kurz darauf wurde er in einem Supermarkt ohne Maske gesichtet. Lineker entschuldigte sich beschämt bei Twitter - mit einem Gag. Dass er die Maske vergessen habe, läge an "meinem hohen Alter".

Quelle: ntv.de, Philip Dethlefs, dpa

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