Collinas Erben

"Collinas Erben" besinnlich Der FC Bayern kämpft mit der Rückpassregel

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Vertreter des FC Bayern wollte gerne mal über alles reden.

(Foto: imago images/Pressefoto Baumann)

In Wolfsburg geht es bei beiden Toren mit rechten Dingen zu, in Mönchengladbach schaltet sich der Video-Assistent aus gutem Grund ein. Die Bayern wittern derweil in Freiburg einen Verstoß gegen die "Rückpassregel". Diesmal geht es anders aus als einst in Hamburg.

Die Vorweihnachtszeit gilt im Allgemeinen als friedlich, und ein bisschen scheint sich das in diesem Jahr auch auf die Bundesliga übertragen zu haben. Selten gab es an einem Spieltag so wenige Kontroversen wie an diesem, die Schiedsrichter hatten kaum einmal knifflige Situationen zu bewältigen, und auch bei den Video-Assistenten ging es recht ruhig zu. Als sich beispielsweise Borussia Dortmund und RB Leipzig am Dienstagabend zum Spitzenspiel trafen und ein spektakuläres 3:3 dabei herauskam, musste der Unparteiische Tobias Stieler in der rasanten Partie kein einziges Mal die Gelbe Karte zeigen. Hinterher sprach niemand über den Referee, der wohltuend großzügig und zurückhaltend amtierte.

Etwas stärker gefordert war sein Kollege Martin Petersen in der Begegnung zwischen dem VfL Wolfsburg und dem FC Schalke 04 (1:1), vor allem bei den beiden Toren. Der Führungstreffer für die Gäste in der 51. Minute fiel im Anschluss an einen Eckstoß, bei dem Ozan Kabak den Ball aus kurzer Distanz auf das Gehäuse der Hausherren köpfte und Koen Casteels zu einer Glanzparade zwang. Der Wolfsburger Torhüter lenkte die Kugel an den Pfosten, den Abpraller drückte Kabak schließlich über die Torlinie. Bis zur Bestätigung des Treffers durch den Video-Assistenten Sven Jablonski dauerte es jedoch eine Weile, und das hatte einen triftigen Grund.

Serdar gleich doppelt aktiv im Abseits?

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Suat Serdar kämpft mit Mitspieler Ozan Kabak um den Ball. Einen Gegenspieler beeinträchtigte der Schalker dagegen nicht.

(Foto: imago images/Joachim Sielski)

Denn Suat Serdar stand bei Kabaks Kopfball knapp im Abseits und bemühte sich anschließend wie der Torschütze um den zurückspringenden Ball. Die Frage war nun zum einen, ob er beim Kopfball seines Mitspielers eindeutig die Sicht des Wolfsburger Schlussmanns versperrt hatte. Zum anderen musste Jablonski prüfen, ob Serdar beim Nachsetzen dem in der Nähe befindlichen Wolfsburger Wout Weghorst die Möglichkeit genommen hatte, an den Ball zu kommen. Der Video-Assistent verneinte beides, und das war richtig so. Denn Koen Casteels‘ Reaktion beim Kopfball ließ nicht auf eine Beeinträchtigung schließen, und Weghorst hätte den Ball auch ohne Serdars Gegenwart nicht mehr erreicht. Damit war die Abseitsstellung des Schalkers nicht strafbar.

Beim Ausgleichstor für die Gastgeber nach 82 Minuten ging ebenfalls alles mit rechten Dingen zu. Denn dass der Schalker Torwart Markus Schubert den Ball zuvor nach einem hoch in den Strafraum geschlagenen Eckstoß durch die Hände gleiten ließ, lag nicht daran, dass sich Marcel Tisserand im Luftzweikampf mit ihm unfair eingesetzt hätte. Ohnehin genießen die Torhüter schon seit Sommer 2012 keinen besonderen Schutz mehr im Torraum, wo die Unparteiischen bis zu diesem Zeitpunkt nahezu jeden Körperkontakt mit dem Keeper unterbunden hatten.

Warum der VAR in Mönchengladbach zu Recht eingriff

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Patrick Herrmann zeigt, wo er getroffen wurde.

(Foto: imago images/Beautiful Sports)

In der Partie von Borussia Mönchengladbach gegen den SC Paderborn 07 (2:0) schaltete sich derweil Video-Assistent Felix Zwayer nach 65 Minuten ein, als der Gladbacher Patrick Herrmann den Ball im Strafraum der Gäste an Sebastian Schonlau vorbeigelegt hatte und anschließend vom durchschwingenden linken Arm des Paderborners im Gesicht getroffen worden war. Schiedsrichter Robert Kampka hatte sein Augenmerk offensichtlich auf den Zweikampf im Fußbereich gerichtet, wo sich der Ball befand, und deshalb nicht wahrgenommen, was Schonlau mit seinem Arm anstellte. Er ließ jedenfalls weiterspielen, und das rief Zwayer auf den Plan.

Denn der Video-Assistent soll in einer prüfbaren Situation nicht nur bei einer falschen, sondern auch bei einer fehlenden Wahrnehmung des Referees intervenieren. Genau diese war hier gegeben. Dass Schonlau den Gesichtstreffer vermutlich nicht beabsichtigt hatte, spielte dabei keine Rolle, denn ein Foulspiel liegt nicht nur vor, wenn ein Spieler es vorsätzlich begeht. Kampka entschied deshalb nach Ansicht der Bilder in der Review Area richtigerweise auf Strafstoß für die Borussia, zudem zeigte er Schonlau die Gelbe Karte. Im Interview des Senders „Sky“ nach dem Schlusspfiff fand auch der Innenverteidiger der Ostwestfalen, dass der Elfmeter vertretbar war.

(K)ein Verstoß gegen die „Rückpassregel“ in Freiburg?

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Der FC Bayern hat in seiner Geschichte auch schon gute Erfahrungen mit der Rückpassregel gemacht.

(Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Ein wenig Protest gab es dagegen nach 57 Minuten im Spiel zwischen dem SC Freiburg und dem FC Bayern München (1:3): Bei einem Zweikampf mit dem Münchner Philippe Coutinho war Manuel Gulde einen Tick eher am Ball, den der Freiburger Torhüter Mark Flekken schließlich mit den Händen aufnahm. Einige Bayern reklamierten daraufhin einen Verstoß gegen die Rückpassregel, doch Schiedsrichter Sascha Stegemann ließ weiterspielen. Die Regel besagt, dass der Torwart den Ball nicht mit den Händen berühren darf, wenn er ihn von einem Mitspieler absichtlich mit dem Fuß zugespielt bekommt. Eingeführt wurde sie 1992, um das Spiel zu beschleunigen.

In der Praxis lassen die Unparteiischen weiterspielen, sobald sie auch nur den leisesten Zweifel daran haben, dass das Zuspiel mit dem Fuß absichtlich erfolgt ist. Das war auch in Freiburg offenkundig der Fall, wo sich in der Realgeschwindigkeit auf dem Feld nicht mit absoluter Gewissheit sagen ließ, ob Gulde das Zuspiel tatsächlich so geplant oder auf einen Pressschlag spekuliert hatte – und ob Coutinho den Ball womöglich noch leicht berührt hatte, was die Situation ohnehin grundlegend geändert hätte.

Ein Eingriff des Video-Assistenten kam hier übrigens nicht in Frage, weil die Konsequenz im Falle einer Fehlentscheidung weder ein Strafstoß noch ein Feldverweis gewesen wäre, sondern nur ein indirekter Freistoß. Im Nachhinein wird es die Bayern ohnehin nicht mehr gekümmert haben, denn sie entschieden die Begegnung in der Nachspielzeit noch für sich. Und so war auch in Freiburg der Schiedsrichter nach dem Schlusspfiff kein Thema an diesem ungewöhnlich konfliktarmen Spieltag.

Quelle: ntv.de