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Das ist der Ball: Manuel Gräfe erklärt Naldo, worum es geht.
Das ist der Ball: Manuel Gräfe erklärt Naldo, worum es geht.(Foto: imago/Revierfoto)
Montag, 16. April 2018

"Collinas Erben" entspannt: Gräfe bleibt gelassen, Gnabry glücklos

Von Alex Feuerherdt

In München und auf Schalke haben die Schiedsrichter weniger Arbeit als erwartet. Dafür benötigt der Unparteiische in Hoffenheim bei zwei Abseitstoren die Unterstützung des Video-Assistenten. Insgesamt verleben die Referees ein ruhiges Wochenende.

Nominell standen an diesem 30. Spieltag der Fußball-Bundesliga gleich zwei Partien auf dem Programm, die traditionell besonders reizvoll sind: die Begegnung zwischen dem FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach (5:1) am Samstagabend und das Lokalduell zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund (2:0) am Sonntagnachmittag. Auch für die Unparteiischen sind solche Spiele etwas Außergewöhnliches, und wer mit ihrer Leitung betraut wird, darf sich einer besonderen Wertschätzung und eines Vertrauensvorschusses vonseiten der Schiedsrichter-Kommission des DFB sicher sein. Robert Kampka und Manuel Gräfe hießen die beiden Referees, die an diesem Wochenende mit ganz besonderen Aufträgen versehen wurden - und über die hernach kaum jemand sprach.

Collinas Erben

"Collinas Erben" - das ist Deutschlands einziger Schiedsrichter-Podcast, gegründet und betrieben von Klaas Reese und Alex Feuerherdt. Er beschäftigt sich mit den Fußballregeln, den Entscheidungen der Unparteiischen sowie mit den Hintergründen und Untiefen der Schiedsrichterei. "Collinas Erben" schreiben jeden Montag auf n-tv.de über die Schiedsrichterleistungen des Bundesligaspieltags. Unser Autor Alex Feuerherdt ist seit 1985 Schiedsrichter und leitete Spiele bis zur Oberliga. Er ist verantwortlich für die Aus- und Fortbildung in Köln, Schiedsrichterbeobachter im Fußball-Verband Mittelrhein und arbeitet als Lektor und freier Publizist.

Für einen Schiedsrichter ist das nicht das Schlechteste, sondern meist ein Zeichen dafür, seinen Job ohne größeres Aufsehen erledigt zu haben. So war es auch in diesen Fällen. Der 36-jährige Kampka hatte keine Mühe mit dem Spiel in München, in dem die Gäste zwar früh und überraschend in Führung gingen, dann aber vom Serienmeister klar dominiert wurden. Der Referee entschied sich für eine großzügige Regelauslegung, was dem fairen Charakter der Partie angemessen war und für einen guten Spielfluss sorgte. Bei zwei Strafraumszenen nicht auf Elfmeter zu entscheiden - nämlich sowohl nach dem Körpereinsatz von Mats Hummels gegen Josip Drmic in der 36. Minute als auch nach Juan Bernats allzu leichtem Sturz im Zweikampf mit Denis Zakaria eine halbe Stunde vor Schluss - passte vollauf zu dieser Linie, die von allen akzeptiert wurde.

Manuel Gräfe ließ in der Begegnung der Ruhrgebietsklubs ebenfalls viel laufen, obwohl die Zweikämpfe intensiv waren und die "lange Leine" des 44-Jährigen damit ein gewisses Wagnis darstellte. Doch mit seiner großen Erfahrung, seinem exzellenten Spielverständnis und seiner herausragenden Akzeptanz bei den Spielern brachte der Unparteiische aus Berlin die Partie souverän über die Runden und benötigte gerade einmal zwei Gelbe Karten, um die Akteure im Zaum zu halten. Bemerkenswert sind immer wieder Gräfes unerschütterliche Ruhe und Gelassenheit, seine minimalistische Gestik und seine kommunikativen Fähigkeiten, mit denen er auch unpopuläre Entscheidungen verkauft, ohne dass es je zu größeren Diskussionen käme.

Warum Gnabrys frühes Tor nicht zählte

Auch abseits dieser beiden Spiele, die am stärksten im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses standen, hatten die Schiedsrichter ein vergleichsweise ruhiges Wochenende mit nur wenigen strittigen Szenen. Wenn, wie nach dem Spiel Hertha BSC gegen den 1. FC Köln (2:1) geschehen, in den Medien bereits ein Einwurf, der ausweislich mehrerer Superzeitlupen dem falschen Team zugesprochen wurde, zum Aufreger hochgejazzt wird, weil im weiteren Verlauf daraus ein Tor resultiert, lässt sich daraus schlussfolgern: Ansonsten gab es offenbar nicht übermäßig viele Situationen, die für eine Erhitzung der Gemüter sorgten. Regeltechnisch interessant waren immerhin einige Szenen, die sich bei der Begegnung zwischen der TSG Hoffenheim und dem Hamburger SV (2:0) zutrugen.

Im Abseits: Hoffenheims Serge Gnabry.
Im Abseits: Hoffenheims Serge Gnabry.(Foto: imago/ActionPictures)

So etwa der Treffer, den Benjamin Hübner für die Hausherren nach neun Minuten erzielte, der jedoch nicht die Anerkennung durch Schiedsrichter Harm Osmers fand. Denn beim Torschuss hatte sich Hübners Mitspieler Serge Gnabry im Abseits befunden und aus der Sicht des Unparteiischen dadurch aktiv am Spiel teilgenommen, dass er einen Gegner beeinflusste, nämlich den Hamburger Torhüter Julian Pollersbeck. Zwei Tatbestände kamen dafür in Betracht: Zum einen könnte Gnabry dem Keeper, wie es in der Regel 11 (Abseits) heißt, "eindeutig die Sicht versperrt" haben, zum anderen könnte er "eindeutig aktiv" geworden sein und so "klarerweise die Möglichkeit des Gegners beeinflusst" haben, den Ball zu spielen - nämlich dadurch, dass er dem aufs Tor zufliegenden Ball im letzten Moment auswich. Pollersbeck reagierte jedenfalls erkennbar verzögert, was auf eine Irritation hindeutet.

Nun lässt sich eine Abseitsstellung als solche mithilfe der Videobilder meist eindeutig bestimmen, für einen unmittelbaren Eingriff ins Spiel - der vorliegt, wenn der Ball von einem im Abseits befindlichen Spieler berührt wird - gilt das ebenfalls. Wenn ein Angreifer im Abseits den Ball hingegen nicht spielt, ist eine mögliche Beeinträchtigung des Torwarts oder eines Verteidigers nicht immer klar festzustellen, sondern häufig Auslegungssache. Hat dieser Stürmer eine Bewegung gemacht, die geeignet war, einen Gegner nachhaltig zu irritieren? Dafür lassen sich oft keine handfesten Beweise finden, sondern lediglich Indizien wie eine verspätete Reaktion. Das heißt, der Schiedsrichter muss nach seinem Ermessen entscheiden.

Weiterer Hoffenheimer Treffer annulliert

Das tat Harm Osmers, und darin wurde er vom Video-Assistenten Tobas Welz bestätigt. Welz durfte sich einschalten, weil der Referee erst gepfiffen hatte, nachdem der Ball ins Tor gegangen war. Hätte er von seinem Arbeitsgerät bereits Gebrauch gemacht, bevor die Kugel die Torlinie überschritten hatte, wäre das laut Reglement nicht möglich gewesen. Denn der Video-Assistent kann eine Szene nur im Zusammenhang mit einem erzielten Tor auf ein mögliches Abseits überprüfen. Deshalb wurde er auch nach 74 Minuten aktiv, als der Hoffenheimer Kevin Akpoguma zum vermeintlichen 3:0 getroffen, der Unparteiische den Treffer aber – wiederum erst, nachdem der Ball schon im Netz lag – aberkannt hatte. Auch hier lag er richtig, denn Akpoguma befand sich beim Torschuss knapp im Abseits, was Welz genauso sah.

Als der Hamburger Albin Ekdal kurz vor der Pause in einem Zweikampf im eigenen Strafraum auf den Fuß von Andrej Kramaric trat und Harm Osmers weiterspielen ließ, obwohl der Hoffenheimer daraufhin zu Boden ging, intervenierte der Video-Assistent dagegen nicht. Und die Frage war, warum er es unterlassen hatte. Denn der Tritt war eigentlich klar und offensichtlich, die Folge wurde von Kramaric keineswegs übertrieben dargestellt – es hätte schlicht und ergreifend einen Strafstoß geben müssen. Aus Sicht von Osmers und Welz stellte sich die Situation aber augenscheinlich nicht eindeutig genug dar, wohl deshalb, weil Ekdal auch minimal den Ball berührt hatte. Entscheidend war diese Szene am Ende jedenfalls nicht, entsprechend wenig wurde über sie gesprochen. Wie generell über die Schiedsrichter und ihre Assistenten an diesem Spieltag.

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Quelle: n-tv.de