Collinas Erben

"Collinas Erben" sind besorgt Meier sieht's ein, Schiedsrichter verletzt

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"Ich hatte vergessen, dass ich schon eine Gelbe Karte hatte": Alexander Meier.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Frankfurts Torjäger Alex Meier fliegt vom Platz - und liefert eine kuriose Begründung. Wolfsburgs Dante versteht derweil seinen Feldverweis überhaupt nicht . Bei den Unparteiischen gibt es ein Comeback - und einen weiteren Ausfall.

Alex Meier ist ein Mann der leisen Töne, ein nachdenklicher und reflektierter Profi, der am liebsten Tore sprechen lässt und nach dem Spiel nicht gerade die Nähe der Mikrofone sucht. Nach der Partie seiner Frankfurter Eintracht beim 1. FSV Mainz 05 an diesem 14. Spieltag der Bundesliga musste der Torschützenkönig der vergangenen Saison jedoch ausführlich Rede und Antwort stehen, und zwar aus einem für ihn unangenehmen Grund: Meier - sonst ein überaus fairer Fußballer - war von Schiedsrichter Bastian Dankert nach 40 Minuten mit der Gelb-Roten Karte des Feldes verwiesen worden. Da stand es 1:0 für Mainz, zwei Minuten später erzielten die Gastgeber das zweite Tor. Am Ende verloren die Frankfurter mit 1:2.

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Der Kapitän der Eintracht hatte seinem Team also den sprichwörtlichen Bärendienst erwiesen. Manche hätten in dieser Situation versucht, die Schuld auf andere abzuwälzen, den Unparteiischen etwa oder einen Gegenspieler. Nicht so Meier. "Ich hatte vergessen, dass ich schon eine Gelbe Karte hatte", lautete seine so überraschende wie ehrliche Erklärung zu jener Szene, in der er weit in der gegnerischen Hälfte ein taktisches Foul am Mainzer Jairo begangen und dafür die Matchstrafe kassiert hatte.

Collinas Erben

"Collinas Erben" - das ist Deutschlands einziger Schiedsrichter-Podcast, gegründet und betrieben von Klaas Reese und Alex Feuerherdt. Er beschäftigt sich mit den Fußballregeln, den Entscheidungen der Unparteiischen sowie mit den Hintergründen und Untiefen der Schiedsrichterei. "Collinas Erben" schreiben jeden Montag auf n-tv.de über die Schiedsrichterleistungen des Bundesligaspieltags. Unser Autor Alex Feuerherdt ist seit 1985 Schiedsrichter und leitete Spiele bis zur Oberliga. Er ist verantwortlich für die Aus- und Fortbildung in Köln, Schiedsrichterbeobachter im Verband Mittelrhein und arbeitet als Lektor und freier Publizist.

"Es war ein Reflex, ich war dann zu spät. Ich ärgere mich, wenn ich nicht mehr helfen kann." Sein Trainer Armin Veh grummelte: "Alex weiß, dass es Mist war, 60, 70 oder 80 Meter vor dem eigenen Tor zu foulen. Ich werde mit ihm darüber reden." In der vergangenen Saison wurden die Referees des Öfteren dafür kritisiert, bei taktischen Fouls zu nachsichtig zu sein. Der damalige Dortmunder Trainer Jürgen Klopp etwa hatte nach dem Spiel gegen den FC Bayern moniert: "Ein Schiedsrichter zeigt nur Gelb, wenn dadurch eine Torchance entsteht. Wir Trainer sind uns alle einig: Wir würden sofort Gelb geben." Klopp übertrieb etwas, denn die Regelpraxis liegt ziemlich genau dazwischen. Bei der Antwort auf die Frage, ob ein verwarnungswürdiges taktisches Foul vorliegt oder nicht, sollen die Unparteiischen verschiedene Kriterien berücksichtigen: den Ort des Vergehens, die unmittelbare Spielrichtung, die Dynamik des Angriffs, den Raum, der sich dem ballführenden Spieler eröffnet hätte, sowie die Zahl und Position der gegnerischen Spieler. Dass es dabei einen Graubereich gibt, liegt in der Natur der Sache.

Als Alex Meier das Foulspiel beging, das ihm seine zweite Verwarnung in dieser Partie einbrachte - die erste hatte er sich zwölf Minuten zuvor nach einem zu heftigen Unterarmeinsatz gegen Danny Latza eingehandelt -, waren die Mainzer zwar noch recht weit vom Tor der Gäste entfernt. Sie hatten aber eine gute Gelegenheit zum Kontern, weil sie nach einem leichtfertigen Frankfurter Ballverlust blitzschnell umschalteten und Jairo ohne Meiers verbotenen Einsatz sehr viel Platz im Mittelfeld gehabt hätte, um den Ball schnell nach vorne zu bringen. Somit waren gleich mehrere Kriterien für ein taktisches Foul erfüllt. Dass der Torjäger seine Hinausstellung ohne jeden Protest akzeptierte, war dennoch bemerkenswert.

Kniffliges Comeback für Weiner

Ganz anders verhielt sich der Wolfsburger Verteidiger Dante, als er in der 85. Minute des Spiels beim FC Augsburg die Ampelkarte sah: Der Brasilianer protestierte vehement, als er von Schiedsrichter Christian Dingert vorzeitig zum Duschen geschickt wurde. Und er war im Recht, denn er hatte seinen Gegenspieler Raúl Bobadilla im Zweikampf keineswegs mit dem Fuß im Gesicht getroffen, wie der Augsburger Stürmer durch sein theatralisches Gebaren suggerierte. Der Referee - für den der Zweikampf schwer zu beurteilen war - fiel auf das Täuschungsmanöver des paraguayischen Nationalspielers gleichwohl herein und zückte Gelb-Rot. Vertretbar war es dagegen, bei den Körpereinsätzen von Dantes Abwehrkollegen Naldo im Strafraum gegen den auch hier allzu bereitwillig fallenden Bobadilla (1. Minute) sowie gegen Ja-Cheol Koo (18.) jeweils nicht auf Strafstoß zu entscheiden.

Gleich mehrere knifflige Strafraumsituationen hatte auch Schiedsrichter Michael Weiner zu beurteilen, der nach langer Verletzungspause sein Erstliga-Comeback bei der Partie zwischen der TSG Hoffenheim und Borussia Mönchengladbach feierte. Zunächst kam der Gladbacher Lars Stindl in der 22. Minute nach einem kurzen Armeinsatz von Fabian Schär zu Fall, dann drückte Havard Nordtveit nach 73 Minuten ein wenig gegen Nadiem Amiri, der daraufhin zu Boden ging, und acht Minute später sprang Niklas Süle der Ball vom Oberschenkel an den Arm. Weiner ließ in allen Fällen weiterlaufen – was nicht zuletzt angesichts der Tatsache, dass er insgesamt eine angemessen großzügige Linie bevorzugte, so konsequent wie vertretbar war.

Aytekin erleidet einen Muskelfaserriss

Während Michael Weiner also zurück im Geschäft ist, muss sein Kollege Deniz Aytekin voraussichtlich eine Weile pausieren. Denn der Fifa-Referee aus dem fränkischen Oberasbach zog sich in der Partie des SV Darmstadt 98 gegen den 1. FC Köln einen Muskelfaserriss zu und gab die Spielleitung deshalb nach der Halbzeitpause an seinen Assistenten Christian Dietz ab. Auf diese Weise kam der 31-jährige Zweitligamann zu seinem Debüt als Schiedsrichter im Oberhaus, das er ohne Probleme meisterte. Es war bereits das dritte Mal in dieser Saison, dass ein Unparteiischer in einem Bundesligaspiel verletzungsbedingt gezwungen war, die Pfeife einem seiner Helfer zu übergeben. Auch Jochen Drees (am 7. Spieltag im Spiel Schalke 04 - Hamburger SV) und Tobias Welz (am 11. Spieltag in der Begegnung Werder Bremen gegen Borussia Dortmund) hatten ihre Partien nicht zu Ende führen können.

Eine historische Kuriosität grub unterdessen der "Kicker" aus. Am gleichen Spieltag vor 48 Jahren wurde dem Aachener Torwart Gerhard Prokop kurz nach dem Anpfiff der zweiten Hälfte des Spiels beim 1. FC Nürnberg plötzlich übel. Er wollte sich jedoch nicht auswechseln lassen, deshalb stellte sich mit Erwin Hoffmann für zehn Minuten ein Feldspieler ins Tor der Alemannen. Die Nürnberger führten zu diesem Zeitpunkt bereits mit 3:0, doch die Aachener verkürzten in Unterzahl auf 1:3. Kurz vor Prokops Rückkehr in den Kasten kassierten die Gäste allerdings das vierte Gegentor. Es blieb schließlich beim 4:1 für die Franken. Bis heute darf ein Feldspieler den Platz des Torwarts einnehmen (und umgekehrt), ohne dass dadurch das Auswechselkontingent belastet wird. Dass das nur im absoluten Notfall vorkommt, ist gleichwohl naheliegend.

Quelle: n-tv.de

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