Collinas Erben

"Collinas Erben" sind überrascht Union-Schwalbe täuscht auch den VAR

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Ein Fall für zwei? Nein, Robert Andrich fiel ganz von alleine.

(Foto: imago images/Nordphoto)

In Schalke winkt der Video-Assistent überraschend einen Elfmeter für Union Berlin durch, obwohl die Bilder zeigen, dass kein Foul vorliegt. Auf den anderen Plätzen dagegen läuft es gut für die Unparteiischen und ihre Helfer in Köln. Das Top-Spiel in München sieht gar einen Top-Schiedsrichter.

Hätte der FC Schalke 04 an diesem 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga sein Spiel gegen den 1. FC Union Berlin nicht durch ein spätes Tor noch mit 2:1 gewonnen, dann wäre die Szene, die im Ausgleichstreffer für die Gäste mündete, vermutlich das alles bestimmende Thema in Gelsenkirchen gewesen. Denn die Strafstoßentscheidung zugunsten der Berliner, die Schiedsrichter Daniel Schlager in der 35. Minute traf, konnten die Gastgeber so gar nicht nachvollziehen. Und noch weniger, dass sie auch nach der Überprüfung durch Video-Assistent (VAR) Deniz Aytekin bestehen blieb. "Ich habe zum Schiedsrichter gesagt, dass ich meinen Gegenspieler gar nicht berührt habe", erklärte Matija Nastasić nach der Partie. "Es war für mich kein Foul und somit auch kein Elfmeter."

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Der Unparteiische dagegen hatte auf dem Feld ein Beinstellen von Nastasić wahrgenommen und es für ursächlich dafür gehalten, dass Robert Andrich im Strafraum der Schalker zu Boden ging. In der Realgeschwindigkeit aus der Perspektive des Referees sah das auf den ersten Blick auch nach einer zumindest vertretbaren Entscheidung aus, doch die verlangsamten Wiederholungen ergaben ein anderes Bild. Denn Andrich hatte bereits zum Sturz angesetzt, noch bevor es überhaupt zu einem Kontakt kommen konnte. Er war also weder über den Fuß von Nastasić gestolpert noch an einem anderen Körperteil hängen geblieben. Dass er fiel, war nicht die Schuld des Schalkers.

Statt Elfmeter hätte es Gelb für die "Schwalbe" geben sollen

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"Ich habe den Schiedsrichter gefragt", sagte der Schalker Torwart Alexander Nübel dem "Kicker" zufolge. "Er sagte, dass er es prüft und Kontakt mit dem Videoschiedsrichter habe." Doch Deniz Aytekin empfahl seinem Kollegen kein On-Field-Review. Daraus schloss Nübel, die Situation müsse für das Team der Unparteiischen "ganz klar gewesen sein, sonst hätte der Schiedsrichter sie sich noch einmal angesehen". Das stimmt nicht so ganz, denn wesentlich ist vielmehr, ob der Referee nach Einschätzung des VAR einen klaren und offensichtlichen Fehler begangen oder etwas Schwerwiegendes übersehen hat. Das war nach Aytekins Auffassung offenbar nicht der Fall. Sprich: Er hielt den Elfmeter wenigstens für vertretbar.

Eine Einschätzung, für die allerdings nicht viel spricht, wenn man die Fernsehbilder zugrunde legt, die auch dem Video-Assistenten zur Verfügung stehen. Mag zwar sein, dass Andrich über das ausgefahrene Bein von Nastasić gefallen wäre, wenn er sich zum Weiterlaufen entschlossen hätte. Aber dann hätte es immerhin einen Zusammenhang von Impuls und Wirkung gegeben, der hier nun einmal fehlte. Mit anderen Worten: Es lag eine "Schwalbe" vor, mithin ein Täuschungsmanöver, das zu einem Review und anschließend zu einer Rücknahme der Elfmeterentscheidung, einer Gelben Karte für den Berliner und einem indirekten Freistoß für die Schalker hätte führen sollen.

Was sonst noch wichtig war:

  • In der Begegnung zwischen dem VfL Wolfsburg und Werder Bremen (2:3) gab es hingegen einen Eingriff des VAR, und das schon in der zehnten Minute: Nach einem Schuss des Bremers Yuya Osako war der Ball im Wolfsburger Strafraum erst ans Knie von Josuha Guilavogui und von dort an dessen weit erhobenen Arm gesprungen. Dass Video-Assistent Christian Dingert intervenierte, als Schiedsrichter Robert Kampka nicht pfiff, war korrekt: Zwar soll in der Regel nicht auf strafbares Handspiel erkannt werden, wenn der Ball einem Spieler von einem anderen Körperteil unkontrolliert an die Hand oder den Arm prallt. Dieser Grundsatz ist allerdings außer Kraft gesetzt, wenn dieser Spieler seinen Arm schon ausgestreckt, abgespreizt oder über Schulterhöhe gehalten hat, bevor der Ball an einen anderen Körperteil sprang. Genau so war es hier.
  • Apropos Elfmeter: Auch in den Spielen 1. FC Köln – FC Augsburg (1:1) und Borussia Mönchengladbach – SC Freiburg (4:2) gab es jeweils einen Strafstoß, beide wurden verschossen. Der Kölner Torwart Timo Horn parierte den Schuss von André Hahn, während der Gladbacher Breel Embolo den Ball gegen den Pfosten setzte. Die Keeper waren im Moment des Schusses allerdings mit beiden Füßen einige Zentimeter vor der Torlinie und nicht, wie es die Regeln seit dieser Saison verlangen, wenigstens mit einem Teil eines Fußes auf ihr. Ein Fall für den VAR? Nein, denn in der Bundesliga sollen Schiedsrichter und Video-Assistenten ein Auge zudrücken, solange die Schlussleute die Torlinie nicht übermäßig deutlich verlassen. In Mönchengladbach griff zudem eine Bestimmung, die vom zuständigen International Football Association Board (Ifab) kurz vor Saisonbeginn beschlossen worden war: "Wenn der Strafstoß das Tor verfehlt oder der Ball vom Torpfosten oder der Querlatte zurückspringt, lässt der Schiedsrichter den Strafstoß nicht wiederholen, es sei denn, der Schütze wurde von der Vorwärtsbewegung des Torhüters klar gestört."
  • In Köln hatte Schiedsrichter Tobias Stieler nicht nur wegen des Strafstoßes alle Hände voll zu tun. Alleine bis zur Pause zeigte er sage und schreibe sechsmal die Gelbe Karte und zweimal die Gelb-Rote, nämlich gegen den Kölner Rafael Czichos und gegen den Augsburger André Hahn. Diese außergewöhnliche Kartenflut war allerdings nicht einer unangemessen kleinlichen Spielleitung des Referees geschuldet, sondern vielmehr die Folge einer veritablen Knüppelei. Stieler tat das einzig Richtige und zog seine Linie durch. In der zweiten Hälfte beruhigten sich die Gemüter schließlich etwas, was zweifellos auch an der Konsequenz des Unparteiischen lag. Es kamen nur noch drei Verwarnungen hinzu.
  • Einen starken Schiedsrichter hatte auch das Top-Spiel zwischen dem FC Bayern München und Bayer 04 Leverkusen (1:2), nämlich Guido Winkmann. Im Verbund mit seinen Assistenten trug er durch eine angenehm großzügige Linie dazu bei, dass sich eine rasante und spektakuläre Partie entwickelte. Gleichzeitig scheute Winkmann die Konsequenz nicht: Die Rote Karte für Jonathan Tah wegen einer "Notbremse" gegen Philippe Coutinho war vertretbar, weil der Münchner ohne das Foul eine sehr gute Abschlusschance gehabt hätte und es zweifelhaft ist, ob der Leverkusener Sven Bender ihn daran noch hätte hindern können.

Quelle: n-tv.de

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