Redelings Nachspielzeit

Hatte Götze die Finger im Spiel? Als der BVB die Bayern mit Marco Reus narrte

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Mit dem BVB erreichten Reus und Götze in der Saison 2012/13 das Finale der Champions League.

(Foto: imago sportfotodienst)

Vor genau zehn Jahren verkündet Borussia Dortmund die überraschende Rückkehr von Marco Reus zum BVB im Sommer. Damals schlägt der aktuelle Meister besonders dem FC Bayern München ein Schnippchen. Und damit hatte wohl nicht ganz unerheblich auch Mario Götze etwas zu tun.

Die Freude über den überraschenden Coup konnte man Jürgen Klopp ansehen. Locker lächelte er nach der Verkündung des Transfers von Marco Reus zur nächsten Saison aus Gladbach zum BVB die Attacke einiger Bayern-Spieler weg, die gemeint hatten, Reus habe sich wohl den FC Bayern München nicht zugetraut. Er habe das überhaupt nicht gelesen, behauptete der Mann mit der "Pöhler"-Mütze, und sagte dann, dass er es völlig okay fände, dass die Bayern ihren Verein für das Nonplusultra hielten. Für ihn und seine Spieler sei das allerdings der BVB. Und das sähe Marco Reus wohl ähnlich - wie sein Wechsel zeige.

Im Januar vor zehn Jahren schaute ganz Fußball-Deutschland nach Dortmund. Im Sommer zuvor war man mit dem Klopp typischen "Vollgas"-Fußball endlich wieder Meister geworden - und hatte in München die Alarmsirenen ausgelöst. Das, was dort im Ruhrgebiet seit einigen Jahren konsequent aufgebaut und immer mehr verfeinert wurde, trieb den Bayern-Offiziellen im Januar 2012 nach einer endlos langen Zeit der Unbekümmertheit zusehends Sorgenfalten auf die Stirn. Uli Hoeneß begann sogar bereits medial zu sticheln, in dem er laut über eine Verpflichtung von Dortmunds Shootingstar Mario Götze nachdachte. Doch noch waren ihm die 40 Millionen, die für diesen Transfer im Raum standen, zu viel.

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Andersherum wussten sie bei der Borussia damals ebenfalls ziemlich genau, was ihnen mit dem Wechsel von Reus nach Dortmund gelungen war - auch wenn Jürgen Klopp in der Öffentlichkeit gar nicht erst den Eindruck eines gezielten Schachzugs gegen die Münchener erwecken wollte: "Wir sind nicht an Marco rangegangen, weil wir wussten, dass Bayern interessiert ist. Sondern weil wir ihn wollten!" Doch das ist natürlich nur ein Teil der Wahrheit gewesen.

Die Bayern hatten keine echte Chance

Der BVB war in diesen Tagen so stark und auf einem so guten Weg, dass sich die Bayern fast permanent mit ihrem neuen, echten Gegner aus dem Ruhrgebiet beschäftigten. Werder Bremens Aufsichtsratsvorsitzender Willi Lemke vermutete sogar den geplanten Königsmord - den Wechsel von Klopp zu den Bayern -, "um die Flamme im Westen zu ersticken". Man kann sich vorstellen, wie tief da nun der Stachel bei den Münchenern saß, als sich Marco Reus gegen die Bayern und für den BVB entschied.

17,1 Millionen ließ sich die Borussia damals den Transfer kosten. Und obwohl der Wechsel des gebürtigen Dortmunders zurück in seine Heimatstadt sportlich jeden Cent wert war - schließlich war Reus laut "Kicker" der notenbeste Spieler in der Saison 2011/12 - tat die Rückkehr aus Mönchengladbach dem BVB finanziell dennoch auf eine emotionale Art und Weise weh. Schließlich hatte Marco Reus bis zur B-Jugend das Trikot der Borussia getragen. Doch dann wechselte er nach Ahlen, weil ihn sein Trainer für zu schmächtig befunden hatte und ihn deshalb folgerichtig kaum einsetzte. Die Liebe zu seinem Ex-Verein war dennoch nie erloschen.

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Trotzdem reizte Marco Reus natürlich auch die Offerte aus München. Doch die Bayern hatten eigentlich keine echte Chance. Denn in diesen Tagen standen Reus und Mario Götze bei derselben Berater-Agentur unter Vertrag und mochten sich sogar so gerne, dass sie über Weihnachten acht Tage gemeinsam nach Dubai reisten. Und tatsächlich soll Reus später im kleinen Kreis erzählt haben, die Entscheidung für den BVB sei endgültig in diesem Urlaub mit Götze gefallen. Die Borussia-Offiziellen jubilierten damals - mal leise, mal lauter. Und die Bayern? Die schmollten. Allen voran Uli Hoeneß passte die Art und Weise dieses Transfers ganz und gar nicht. Doch zum großen Knall sollte es erst einige Monate später kommen.

Watzke spricht von "unschädlich" machen

In Berlin beim DFB-Pokalendspiel im Sommer 2012 hatte der BVB den FC Bayern München beim deutlichen 5:2-Erfolg vorgeführt. Aki Watzke erinnert sich: "Dieses Finale war dann sicher das prägendste Erlebnis für die Bayern. Danach hat sich das Verhältnis sehr stark abgekühlt, vor allem zu Uli Hoeneß. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, weil die Bayern nun häufig unsere Spieler angesprochen haben." Die Attacken aus München auf den Kader des BVB nahmen zu dieser Zeit fast schon groteske Züge an.

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Bestseller-Autor und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein legendäres Anekdoten-Schatzkästchen. Für ntv.de schreibt er montags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und seinem Buch mit den besten Kolumnen ("Zwischen Puff und Barcelona") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Vier, fünf Spieler der Borussia soll der FC Bayern laut Watzke damals im Visier gehabt haben. Und dann kam es im Frühjahr 2013 zu dem Moment, als die Münchener durch gezielte Indiskretionen den Wechsel von Mario Götze zu den Bayern in der Presse lancierten. Ausgerechnet Götze! Der Mann, der erst ein Jahr zuvor Marco Reus zum BVB gelotst hatte. Ein Schlag ins Kontor für die Borussia.

Aki Watzke bezeichnete diese Angriffe aus München später einmal, als den Versuch der Bayern, die Borussia "unschädlich" zu machen. Und tatsächlich war der Transfer von Götze und die Ankündigung, im Sommer darauf auch Robert Lewandowski verpflichten zu wollen, der Startschuss für den "Alleingang der Bayern" in den vergangenen neun Jahren.

Doch all das wusste man im Januar 2012 noch nicht. Damals hatte erst einmal die Borussia aus Dortmund dem FC Bayern München ein Schnippchen geschlagen. Doch vielleicht war eben dieser überraschende Wechsel von Reus zum BVB auch der erste Tropfen, der irgendwann das Fass bei den Bayern-Offiziellen zum Überlaufen brachte.

Quelle: ntv.de

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