Redelings Nachspielzeit

Wilde Trainingslager-GeschichtenAls sich Jürgen Klopp vom Frauen-Team nicht aus der Ruhe bringen ließ

05.01.2026, 19:59 Uhr Ben-RedelingsVon Ben Redelings
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Jürgen Klopp bleibt bei der Anwesenheit von Frauen ganz entspannt. (Foto: imago sportfotodienst)

Vor zehn Jahren sorgt der MSV Duisburg für weltweite Schlagzeilen, als der Klub sein geplantes Trainingslager wegen 400 Teilnehmerinnen eines Model-Wettbewerbs an einen anderen Ort verlegt. Der BVB reagiert damals deutlich entspannter - obwohl die wilden Storys vergangener Zeiten durchaus Anlass zur Sorge hätten geben können.

"Weil unsere Zebras spitz gekriegt haben, dass im bisher geplanten Quartier im Wintertrainingslager in Antalya-Lara ein russischer Model-Contest mit 400 (!) Teilnehmerinnen läuft, zieht der MSV-Tross um. Wir wollen uns ja in aller Ruhe auf die Frühjahrsserie vorbereiten können :)." Genau zehn Jahre ist es jetzt her, dass die Mannschaft des MSV Duisburg kurzfristig ihre Pläne für das Trainingslager in der Türkei ändern musste. Die Klubführung hatte damals beschlossen, dass eine geordnete Vorbereitung in der Gegenwart von so vielen attraktiven Damen nicht möglich sei. Eine Entscheidung, die weltweit für Schlagzeilen sorgte - aber möglicherweise nicht ganz grundlos so ausfiel. Auch wenn die wirklich wilden Zeiten des Profi-Fußballs damals schon in der Vergangenheit lagen.

Denn schon einige Jahre zuvor hatte der damals noch aktive Bayer-Manager Reiner Calmund über die neue Generation geklagt: "Die Spieler sind heute zum Teil kleine Bratwürste. Schlafmützen, die pennen, und kommen nicht aus den Füßen. Heute schleicht sich keiner aus dem Trainingslager, früher mussten wir die Jungs mit dem Lasso einfangen. Heute holen sich die Spieler brav den Schlüssel an der Rezeption, nehmen ihr Handy, ihren Kopfhörer - dann geht es ding, ding, dumm. Den ganzen Tag: Essen, Massage, ding, ding, dumm. Früher haben die Frauen angerufen, dass die Männer nicht ausbüxen. Heute rufen die Jungs an, ob ihre Frauen noch zu Hause sind."

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Ansgar Brinkmann büxt mit fast allen Spielern aus

Genau so eine Geschichte erzählte einmal der "Weiße Brasilianer", Ansgar Brinkmann, in seinem Buch "Wenn ich du wäre, wäre ich lieber ich" - auch wenn sie hinten heraus Reiner Calmund sicherlich gefallen hätte: "Weil es so heiß ist, haben natürlich auch alle das Fenster auf. Und so konnte die ganze Mannschaft die Telefonate eines Mitspielers mithören. Das erste führte er mit seiner Frau: 'Hör mir jetzt zu, du hörst mir - wo bist du? Hör mir jetzt zu, bist du zu Hause? Verdammte Scheiße noch mal, ich trainiere hier. Ich reise morgen ab, scheiß aufs Trainingslager.' Kurz darauf klingelt es wieder beim selben Mitspieler, und das Team bekommt erneut alles mit: 'Hallo, Michaela, wie geht es dir? Na, mein Schatz, alles gut? Vermisst du mich?' Die Frau des ersten Telefonats hieß allerdings anders. Die ganze Mannschaft hat vor Lachen fast geweint."

Ansgar Brinkmann kann, was Geschichten aus Trainingslagern angeht, ganz offensichtlich aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen, wie auch diese Story zeigt: "Wir waren seinerzeit ein ziemlich verrückter Haufen beim FC Gütersloh; wir tranken nach jedem Training Bier, hatten einen Aschenbecher in der Kabine und büxten mit 23 von 24 Spielern aus dem Trainingslager aus (nur einer blieb im Hotel, weil er sich in eine Servicekraft verliebt hatte)."

Das erinnert übrigens an eine Geschichte des jungen Profis des VfB Stuttgart, Markus Elmer. Der VfB-Spieler hatte sich eines Tages am Nachmittag für einen Besuch des Schwimmbads - nur mit Badehose und T-Shirt bekleidet - ordnungsgemäß bei seinen Eltern abgemeldet. Doch als er nach zwei Tagen immer noch nicht heimgekehrt war, rief sein besorgter Vater beim VfB an und erfuhr, dass das Nachwuchstalent zusammen mit der Mannschaft im Trainingslager in Griechenland sei. Aber auch dort wurde Elmer schon wieder gesucht. Als die Mitspieler ihn schließlich gegen Mitternacht fanden, saß der junge Mann auf einer großen Familienfeier an einem großzügig gedeckten Tisch und schenkte sich gerade ein großes Glas Ouzo ein. Strahlend erzählte Elmer seinen Kollegen den Grund für das Fest. Er wolle sich in wenigen Minuten offiziell mit der Tochter des Hauses verloben. Unter einem Vorwand lockten die Kameraden den Liebestrunkenen gerade noch rechtzeitig von der Feier weg und schlossen ihn bis zur Abreise im Hotel ein.

Zwei Spielerfrauen buchen sich im Hotel ein

Ansgar Brinkmann hat in seinem Buch "Die Straße holt sich den Fußball zurück" auch einmal diese Geschichte erzählt: "Ich kann mich an ein Trainingslager bei Arminia Bielefeld erinnern. Ich hatte auch Geburtstag und habe mir eine Frau auf mein Zimmer eingeladen. Trainer Benno Möhlmann fand das überhaupt nicht gut, nicht nur aus Gründen der Trainingssteuerung. Er hat mir ausrichten lassen, ich möge doch bitte die weibliche Begleitung aus dem Hotel entfernen, weil Arminia Bielefeld die teuren Zimmer nur für uns Fußballer gebucht hat und nicht für Begleitpersonen. Ich habe darauf nicht reagiert. Benno Möhlmann hat dann zu meinem Kapitän Detlev Dammeier gesagt: 'Detlev, geh mal zu Ansgar, der hat Frauenbesuch, das geht nicht. Die Frau muss das Hotel sofort verlassen.' Da hat Detlev Dammeier geantwortet: 'Herr Möhlmann, Sie sind doch der Trainer. Da gehen Sie mal schön selbst hin.' Benno Möhlmann: 'Auf keinen Fall, da gehe ich nicht rein, ich lass mir doch nicht aufs Maul hauen.' Im Nachhinein kann ich allerdings froh sein, dass Möhlmann mich nicht aus dem Trainingslager geworfen hat."

Wiewohl Frauen-Besuche ganz im Sinne des ehemaligen Werder-Managers Willi Lemke ("Das beste Trainingslager ist eine Frau - die eigene natürlich") früher gar nicht so selten waren. Als Sonya Weiser damals gerade frisch mit ihrem Mann Patrick verheiratet war, quartierte sich die Spielerfrau des 1. FC Köln in einem Hotel im Nachbarort des in Portugal stattfindenden FC-Trainingslagers ein. Das sorgte für mächtig Ärger, als die Sache aufflog - hinderte Frau Weiser allerdings nicht daran, genau ein Jahr später erneut im Wintertrainingslager der Mannschaft ihres Mannes aufzukreuzen. Dieses Mal buchte sie sich allerdings direkt im Teamhotel ein - und brachte als Verstärkung auch noch Bianca Illgner, die Frau des Torhüters, mit. Da war selbst die sonst so erfahrene Kölner Führung nur noch sprachlos.

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Übrigens: Der BVB reagierte vor zehn Jahren deutlich entspannter als der MSV Duisburg, als kurz vor der Abfahrt ins Winter-Trainingslager die Meldung die Runde machte, dass im selben Hotel auch die schwedische Frauen-Nationalmannschaft ihr Quartier aufschlagen würde. Und das, obwohl die Schwedinnen sich bereits auf die Spieler freuten, wie die Boulevard-Presse freudig vermeldete. Nilla Fischer: "Ich verfolge die Spiele der Borussia regelmäßig. Wenn ich BVB-Spieler treffen sollte, würde ich sie direkt zu einer Trainingseinheit einladen."

Doch Borussias Trainer Jürgen Klopp blieb wie gewohnt gelassen und entspannt - und machte, wie sonst auch üblich, lieber Fotos mit den weiblichen Fans des BVB. Alles klappte reibungslos bei den Borussen - während die Zebras ihre Entscheidung noch bereuen sollten. Denn das Wetter spielte den MSV-Profis im Januar vor zehn Jahren einen Streich. Und so schickte der damalige Trainer Gino Lettieri seine Spieler bei Orkanböen und Starkregen zum Treppenlauf bis in die neunte Etage ihres Hotels. Sehr zum Unmut der anderen Hotelgäste. Wie sagt man so schön: Der MSV kam damals während des Wintertrainingslagers vom Regen in die Traufe.

Quelle: ntv.de

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