Redelings Nachspielzeit

Redelings findet Funkel Bayern-Coach? Es kann nur einen geben

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Friedhelm Funkel würde bei den Bayern auf alte Bekannte treffen.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Immer die gleichen Namen, dabei liegt die Lösung doch so nah: Friedhelm Funkel wird neuer Trainer des FC Bayern! Und das Beste: Das Heynckes-Erfolgsrezept könnte mit dem nahezu gleichen Team fortgesetzt werden. Nur Mut, liebe Bayern!

Ich muss zugeben, dass ich den Trainer Friedhelm Funkel früher nie besonders gut leiden konnte. Vor vielen Jahren habe ich sogar in einem Buch geschrieben, dass es zum "Tag der Entscheidung" kommen würde, wenn Funkel jemals Coach bei meinem Lieblingsklub, dem VfL Bochum, werden sollte. Und ja, was soll ich sagen: Als es dann nach dem letzten Abstieg soweit war, musste ich schon sehr mit mir ringen, um dennoch zu meinem Verein an die Castroper Straße zu gehen. Aber was soll man machen? Wir hatten schließlich auch schon Ernst Middendorp und Holger Osieck "überlebt" und im Grunde kann man es sich ja als Fan auch nicht aussuchen. Und dann war es am Ende auch gar nicht so schlimm.

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Friedhelm Funkel passt irgendwie besser zu den Bayern-Bossen als der Asket Thomas Tuchel ...

(Foto: imago sportfotodienst)

Was mich an Funkel immer besonders gestört hat, hat einmal sein Kollege Ewald Lienen ganz gut nach einem Spiel beschrieben: "Wenn der Friedhelm nicht ein langjähriger Kumpel von mir wäre, dann würde ich ihm jetzt wahrscheinlich an die Gurgel gehen, weil er sich sehr unsportlich verhalten hat während des Spiels. Aber das kennt man ja von ihm, dass er die Mannschaft aufputscht und 17-mal hochspringt, wenn ein Foul vor der Trainerbank passiert, um die Schiedsrichter auf seine Seite zu ziehen."

Als Funkel dies dann alles als Coach meines Klubs getan hat, fand ich es gar nicht mehr so schlimm. Eher im Gegenteil. Ich fand seinen Einsatz sogar recht sympathisch. Das ist wie mit dem verhassten, gegnerischen Verteidiger, den du niederschreist, wenn er deinen eigenen Stürmer malträtiert - aber wenn er dann dasselbe im Nationaltrikot tut, kannst du nicht verhehlen, wie sehr du diese Art genießt. Uli Borowka in seiner Rolle als "die Axt" fand ich beispielsweise extrem ekelhaft, wenn er gegen meinen Verein spielte. Seine Duelle gegen Maradona hingegen im Jersey der Nationalmannschaft habe ich in bester Erinnerung. So ging es nicht nur mir mit Friedhelm Funkel, als er schließlich beim VfL gelandet war.

Funkels Aufstiege beweisen den Erfolg

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Außerdem gibt es für einen Fan ja nichts Schlimmeres, als wenn der eigene Trainer auf seinem Stuhl völlig emotionslos fast wegzunicken scheint. Die Bayern-Anhänger haben die fulminante Gestik eines Pep Guardiola geliebt - genauso wie sie im Moment den hochroten Kopf von Heynckes als Symbol des vollen Engagements genießen.

Aber Friedhelm Funkel ist in den letzten Jahren auch ein wenig ruhiger geworden. Sein Verhalten an der Linie erinnert sehr stark an das des aktuellen Bayern-Trainers Jupp Heynckes. Man kann sagen: Mit den Jahren kam die Reife und die nötige Gelassenheit. Erfolgreich war Funkel hingegen schon immer. Auf einem anderen Niveau natürlich als die Spitzentrainer, die Titel mit nach Hause bringen, aber dennoch erfolgreich, wenn man die Arbeit an solchen Dingen wie Aufstiegen misst.

Zudem ist überliefert, dass Friedhelm Funkel ein lebensfroher und geselliger Mensch ist, der einem gemeinsamen Gläschen in vertrauter Runde nicht abgeneigt ist. Das dürfte den beiden Bayern-Führungsplayern Hoeneß und Rummenigge sehr entgegenkommen. Die Tuchel-Körner-Askese war für Fans der Bundesliga in Zusammenhang mit den beiden Münchener Schlachtrössern hingegen stets nur schwer vorstellbar gewesen.

"Die Bayern sind auch nur Menschen"

Auch wenn Friedhelm Funkel von sich selbst sagt, dass er eigentlich nicht mehr für eine neue Trainerstelle aus Krefeld wegziehen möchte, so ist es schlicht nicht denkbar, dass er bei einem Ruf des FC Bayern diesem nicht folgen würde. Zu schön wäre vor allem die Erfolgs-Konstellation mit seinem früheren Fortuna-Co-Trainer Peter Hermann und dem alten Bundesliga-Weggefährten Hermann Gerland.

Funkel meint zwar, dass es nicht zu einer Nachfrage des FC Bayern München kommen wird, weil es schlicht "unrealistisch" sei und er selbst im Gegenzug "ein sehr realistischer Mensch" wäre, doch was ist im heutigen Fußball tatsächlich noch unmöglich?

Denn wenn man einmal ganz nüchtern die Rahmenbedingungen betrachtet und alle Folklore weglässt, dann liegt diese Lösung am Ende viel näher, als so manch anderer gehandelter Trainerkandidat. Und wie sagte Friedhelm Funkel vor Jahren einmal so treffend: "Die Bayern sind auch nur Menschen." Man kann sich sicher sein, dass der Typ und Mensch Friedhelm Funkel ganz wunderbar an die Säbener Straße passen würde. Nur: Es wäre ein wenig Mut nötig, dass man diesen Gedanken beim FC Bayern einmal bis zum Ende denkt.

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Quelle: ntv.de