Redelings Nachspielzeit

Schnappschuss für die Ewigkeit Die Weltmeister von 1990 rühren die Nation

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Um dieses Bild geht es nicht.

(Foto: imago images/Sportfoto Rudel)

Am Wochenende haben sich die Fußball-Weltmeister von 1990 anlässlich des dreißigjährigen Jubiläums ihres Triumphs in Italien getroffen. Bei diesem Anlass ist auch ein Foto entstanden, das nicht nur die Fußballfans in ganz Deutschland emotional berührt hat.

Das Bild ist ein Gemälde. 22 Männer in der italienischen Abendsonne der Toskana. Alle Weltmeister. Und Menschen. Schaut man in ihre Gesichter, dann sieht man, wer sie sind und wer sie waren. Das Foto erzählt die Geschichte ihres Lebens. Und die unsere. Denn wenn wir auf dieses Bild schauen, denken wir unweigerlich zurück. An den Fußball, die Liebe und das Leben.

Am vergangenen Wochenende haben sich die deutschen Fußball-Weltmeister von 1990 anlässlich des 30-jährigen Jubiläums ihres unvergesslichen Triumphs in Italien getroffen. An einem dieser Abende vor Ort ist dann auch das oben beschriebene Bild entstanden. Und wer auch immer dieses Foto geschossen hat: Er oder sie muss ein Genie sein. Denn egal, in welches Gesicht man auch blickt: Jedes einzelne für sich ist so getroffen, wie wir diese Menschen seit so vielen Jahren kennen.

Ganz links sitzt beispielsweise Andreas Möller und scheint zu überlegen, ob das hier wirklich der richtige Ort für ihn sei. Daneben schauen wir auf Pierre Littbarski, der in seiner berühmten Berliner Verschmitztheit natürlich genau in diesem Moment die Augen fröhlich grinsend verschlossen hat. Vielleicht blickt Möller aber auch deshalb etwas reservierter in die Kamera, weil sich Thomas Häßler mit dem WM-Pokal in der Hand gerade einen kleinen Scherz auf seine Kosten erlaubt hat? Man weiß es nicht. Gut möglich wäre es aber.

Riedle sieht aus wie ein "Bravo"-Posterboy

Hinter Häßler steht Kapitän Lothar Matthäus, gewohnt lässig dreinblickend und mittig positioniert. Daneben Frank Mill, ergraut, aber dennoch dabei, obwohl er immer betonte, sich nicht als echter Weltmeister zu fühlen. Das war schon immer Quatsch. Alle, die damals dabei waren, das komplette Team, hat am Ende als Mannschaft das Turnier für sich entschieden. Und das ist keine Floskel - sondern Realität. Dieses Foto ist Beweis genug.

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Neben Mill steht ein Mann, bei dem vor dreißig Jahren offensichtlich die Zeit stehengeblieben ist. Karl-Heinz "Air" Riedle würde heute noch jede "Bravo"-Posterboy-Wahl mit Abstand für sich entscheiden. Und auch Jürgen Klinsmann ist mit dabei. Keine Selbstverständlichkeit, wie wir alle wissen. Seine verbalen Auseinandersetzungen mit Lothar Matthäus überschritten nicht selten Grenzbereiche. Wie wunderbar ist es deshalb zu sehen, dass sie dennoch - trotz so vieler bitterer Meinungsverschiedenheiten - immer wieder zusammenfinden. Der Fußball kann manchmal so viel mehr als unser Alltag.

Dreißig Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Wer 1990 schon mit dieser Mannschaft mitgefiebert und den finalen Elfmetertreffer von Andi Brehme beim auf ewig legendären 1:0-Sieg im Endspiel gegen Argentinien herbeigesehnt hat, der schaut auf diese 22 Männer und fragt sich unweigerlich, wo nur die Zeit geblieben ist?

Die Erinnerungen rattern als Brummkreisel im Kopf herum, bis einem plötzlich noch etwas anderes klar wird: Auch wenn man hier und da ein wenig länger überlegen muss - am Ende hat man doch recht flott jeden einzelnen Namen auf dem Bild parat. Und es sind nicht nur Spieler, die auf dem Foto zu sehen sind. Ob uns das heute mit dem aktuellen Team immer noch so gut gelingen würde?

Ein Gemälde des Lebens

Dieses Bild ist auch deshalb ein Gemälde, weil es eine Zeit festhält, die es nicht mehr gibt und die es auch nie wieder geben wird. Im übertragenen Sinne. Denn die Weltmeisterschaft 1990 in Italien war der endgültige Startschuss für eine rasante Entwicklung des Fußballs hin zu einem globalen Massenevent mit einer damals noch nicht für möglich gehaltenen wirtschaftlichen Zugkraft.

Die Weltmeister von 1990 haben mal mehr, mal weniger von dieser neuen Zeit profitiert. Aber fast alle sind in der Öffentlichkeit auf die eine oder andere Weise noch präsent. Gut so. Denn der Querschnitt dieser unvergleichlichen Truppe bildet auch unsere Gesellschaft ab. Deshalb ist es umso schöner, diese großartige, menschliche Ansammlung voller Erinnerungen gemeinsam auf einem Bild zu sehen. Es ist nichts anderes als ein Gemälde des Lebens. Danke dafür!

Quelle: ntv.de