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Wir haben einen Trainer: Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß.
Wir haben einen Trainer: Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß.(Foto: imago/MIS)
Dienstag, 17. April 2018

Redelings über Kovac & Co.: Ehrlichkeit? Eine Seifenblase im Fußball

Von Ben Redelings

Im Fußballgeschäft lernt man so zu lügen, dass einen die eigene Ehefrau für einen Drecksack hält. Sagt ein ehemaliger Eintracht-Spieler. Uli Hoeneß hat einmal erklärt, was er machen müsste, würde er tatsächlich die Wahrheit aussprechen.

Seien wir nicht naiver, als manch Fußballfunktionär es von uns denkt: Dass im Leben die Wahrheit häufig mehrere Gesichter hat, ist auch in der Bundesliga keine ganz so neue Erkenntnis. Oder um es mit dem ehemaligen Spieler und Vizepräsidenten der Frankfurter Eintracht, Peter Kunter, etwas anders, dafür aber umso deutlicher zu sagen: "Ich habe im Fußballgeschäft so zu lügen gelernt, dass mich sogar meine Frau für einen Drecksack hält."

Der Fredi und der Niko.
Der Fredi und der Niko.(Foto: imago/Chai v.d. Laage)

Was sich genau zwischen den Frankfurtern Fredi Bobic und Niko Kovac auf der einen Seite und den Bossen des FC Bayern und Kovac mit seinem Beraterteam auf der anderen Seite abgespielt hat, wird sicherlich irgendwann komplett ans Tageslicht kommen. Vermutlich verpackt als Schmunzel-Anekdote in einem Bestseller des dann mehrmaligen Meistertrainers Kovac oder an einem launigen Klön-Abend zu Ehren eines Bayernfanklubs, vorgetragen von einem glückseligen Ehrenpräsidenten Uli Hoeneß. Und spätestens dann wird alles wie immer sein: Das hitzige Streitthema dieser Tage ist das gut abgehangene Seemannsgarn von morgen.

Natürlich sollte man sich nicht nur als Fan stets darüber aufregen, wenn man das Gefühl hat, verschaukelt zu werden. Andererseits sollte man auch nicht glauben, dass dies ein aktuelles Phänomen sei, das es so früher nicht gegeben habe. Denn auch als noch nicht 24 Stunden am Tag über den Fußball berichtet wurde, hat man es mit der Wahrheit nicht immer ganz so genau genommen. Als der spätere "Tagesthemen"-Moderator Hanns Joachim Friedrichs im Jahre 1975 eine Diskussion mit Funktionären über die Lage des Fußballs beendet hatte, sagte er sichtlich genervt zu den Herren der Bundesliga: "So, die Mikros sind zu. Jetzt könnt ihr ja die Wahrheit sagen!" Und auch Udo Lattek meinte einmal einsichtig: "Ehrlichkeit? Das ist doch eine Seifenblase im Fußball."

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Für wen diese Seifenblase beim Geplänkel zwischen der Frankfurter Eintracht und dem FC Bayern München am lautesten zerplatzt ist, ist aber dennoch eine spannende Frage. Auf den ersten Blick gibt Bobic tatsächlich keine ganz so glückliche Figur ab. Denn wenn man einmal in Ruhe die Aussagen des Eintracht-Managers der vergangenen Wochen und Monate Revue passieren lässt, dann fällt schon auf, dass Bobic sich seiner Sache ziemlich sicher war. Vor allem, als er ohne Not Ende Januar herausposaunte, er wüsste bereits, wer der nächste Bayern-Trainer sein würde. In diesem Moment hat Bobic eine im Profifußball unausgesprochene Regel gebrochen, die der ehemalige argentinische Nationaltrainer Carlos Bilardo einmal so umschrieb: "Wenn die Presse kommt, sage ich mir: Nichtssagendes Gerede ist immerhin noch ehrlicher als vielsagendes Schweigen."

"Wenn ich die Wahrheit schreiben würde"

Oder um es mit den Worten von Otto Rehhagel zu sagen: "Der Wahrheit die Ehre zu geben - das heißt noch lange nicht, sie auch zu sagen." Vermutlich wird es sogar so sein, dass sich Bobic persönlich von Kovac getäuscht sieht. Sollte das so sein, wird die heftig durchgerüttelte Ehe zwischen den beiden wohl eher früher als später zu Ende gehen. Viele enttäuschte Eintracht-Anhänger würden diesen Schritt ohnehin mehr als begrüßen.

In München lachen sie sich derweil ins Fäustchen. Was für ein herrliches Spektakel - und am Ende geht wieder einmal der FC Bayern als strahlender Sieger vom Platz. Von denen kann man sich stets und in allen Bereichen eine Scheibe abschneiden. Das hat nun auch Bobic schmerzhaft erfahren müssen. Denn wie sagte Hoeneß bereits vor einigen Jahren bei seiner Verabschiedung als Bayern-Manager so entwaffnend ehrlich wie vielsagend: "Wenn ich die Wahrheit über das, was ich alles erlebt habe, schreiben würde, müsste man etwa zehn Bände machen - und ich müsste nach der Veröffentlichung nach Australien auswandern." Seit damals sind einige spannende Kapitel dazugekommen. Und das Buch wird fleißig immer weitergeschrieben.

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Quelle: n-tv.de