Redelings Nachspielzeit

Redelings über Lebemann Basler Ein Supertyp und ein richtiger Arsch

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Prost, Freunde!

(Foto: picture-alliance / dpa)

Spielen. Rauchen. Trinken. Das Leben des Mario Basler ist schillernd. Der Promi-Big-Brother-Star hat schon als Kind Lothar Matthäus im Stadion beschmissen. Die besten Sprüche und Anekdoten des liebenswerten Exzentrikers.

Wahrscheinlich kann man das Leben des Mario Basler in einem einzigen Satz nicht besser zusammenfassen, als in diesem einen, den er selbst einmal über sich gesagt hat: "Eigentlich bin ich ein Supertyp. Aber ich kann wohl auch ein richtiger Arsch sein!"

TV-Talker Harald Schmidt lästerte früher gerne in seiner Show über Basler: "Es ist so heiß, dass man sich auch beim Sport so wenig wie möglich bewegen soll. Das heißt: Was wir fußballerisch jetzt haben, ist das sogenannte Mario-Basler-Wetter." In diesem Zusammenhang wundert man sich nicht, dass der österreichische Nationalspieler Toni Polster eine Seelenverwandtschaft mit Mario Basler fühlte. Er begründete dies folgendermaßen: "Am Mario gefällt mir, dass er lässig ist, ein bisserl ein Genie und ein Wahnsinniger und eben nicht so typisch deutsch."

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Apropos Genie. Da hat Basler selbst auch noch einen bekannten Bruder im Geiste für sich entdeckt: "Einstein, das war schon ein anderer Mensch als ich. Aber bezogen auf den Fußballplatz kann man uns doch vergleichen. Genie bleibt eben Genie. Wobei irgendwann bei mir auch wieder der Wahnsinn ausbrechen wird."

Aber was ist der filigrane Ex-Nationalspieler denn nun wirklich für ein Typ? Auf alle Fälle ein ganz spezieller und kein ganz leichter, wie sein Trainer Otto Rehhagel einmal andeutete: "Ich wünsche allen Kollegen, mit dem Mario Basler mal eine Woche zu trainieren."

Die Leute lieben den Exzentriker, weil er im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen kein Blatt vor den Mund nimmt und ihm nur sehr wenige Dinge peinlich sind. Oder wie Berti Vogts sagen würde: "Wir wissen alle, dass Mario nicht gesagt hat, was er gesagt hat, was er gesagt haben soll, dass er es gesagt hat."

Den Fan gerüffelt

So zieht er einem Fan auch schon einmal live im deutschen Fernsehen verbal einen über die Rübe: "Hättest du was Gescheites gelernt, wärst du auch Fußballprofi geworden." Ein Mario Basler sagt eben immer, was er denkt. So jedenfalls sein Selbstbild. Und die Journalisten wissen es sehr zu schätzen, dass der hochbezahlte Bundesligaprofi zu allem und jedem eine Meinung hat.

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Als Boris Becker damals gerade wegen seiner "Wäschekammer-Affäre" in den Schlagzeilen war, befragten sie Basler eben auch zum ehemaligen Tennisidol. Und der Lauterer Profi antwortete gewohnt pointiert: "Mal ehrlich - wenn diese Russin damals genauso hässlich war wie heute auf den Fotos, dann hat es Boris nicht besser verdient. Ich weiß zwar nicht, was er alles getrunken hat - vielleicht hat er sie mit Babs verwechselt."

Richtig sauer wurde Mario Basler nur, wenn man ihn auf seinen Zigarettenkonsum im Zusammenhang mit dem Profisein ansprach. Auf die Frage eines Journalisten, seit wann er denn rauche, sagte der ehemalige Nationalspieler einmal nach kurzem Nachdenken frank und frei: "Och. Ich bin jetzt 37, seit 24 Jahren." Der Reporter hakte betont unbeeindruckt nach: "Und nie aufgehört?" Mario Basler zeigte sich völlig entrüstet: "Nee. Ich hör auch nicht auf. Ich habe gesagt, wenn ich irgendwann mal sterbe, möchte ich Zigaretten mit auf den langen Weg nehmen. Keine Blumen, die sollen mir stattdessen Zigaretten reinschmeißen."

Berti Vogts machte sich hingegen lieber lustig über Baslers Leidenschaft. Als dieser sich verspätet hatte und noch nicht in Südafrika eingetroffen war, meinte der Bundestrainer süffisant: "Der ist noch nicht hier. Der Flug nach Kapstadt war ein Nichtraucherflug. Da konnte er nicht."

Die größte Kneipendichte...

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Mario Basler im Big-Brother-Haus.

(Foto: Sat.1)

Das Trinken wurde in Baslers Karriere noch ausgiebiger thematisiert als der Tabakkonsum. Reporter Fritz von Thurn und Taxis meinte einmal zu Gerüchten, dass Mario Basler zum 1. FC Kaiserslautern wechseln wolle: "Kaiserslautern hat proportional zur Einwohnerzahl die größte Kneipendichte. Da kann ich verstehen, dass einige FCK-Verantwortliche sagen: 'Lieber nicht!'"

In seiner aktiven Laufbahn haben sich nur wenige Offizielle mit dem streitbaren Nationalspieler solidarisiert. Umso überraschender, dass ausgerechnet Felix Magath auf seine ganz spezielle Weise einer von ihnen war: "Ich habe viel mit Mario Basler gemeinsam. Wir sind beide Fußballer, wir trinken beide gerne mal einen, ich allerdings erst nach der Arbeit."

An Basler schätzen die Medien bis auf den heutigen Tag, dass er frei Schnauze redet. Über den Rekordnationalspieler und unter Kollegen wenig beliebten Lothar Matthäus meinte Basler einmal: "Ich hab früher schon in der Westkurve gestanden und Lothar Matthäus beschmissen." Auch Sätze wie "Ich lerne nicht extra Französisch für die Spieler, wo diese Sprache nicht mächtig sind" oder "Ich grüße meine Mama, meinen Papa und ganz besonders meine Eltern" sind in der heutigen Medienlandschaft selten geworden. Wo alles vor der Veröffentlichung mehrfach chemisch reingewaschen wird, bleiben auch solch wunderschöne Beiträge wie "Jede Seite hat zwei Medaillen" oder "Das habe ich ihm dann auch verbal gesagt" leider aus.

Deshalb ist jedes live geführte Interview mit Mario Basler ein echter Hochgenuss. Den gebürtigen Neustädter (an der Weinstraße) bringt eben nichts so leicht aus der Fassung – im Gegenteil. Interviewer: "Die Farbe der Unterhose heute?" Basler: "Jetzt im Moment? Ich habe keine an. Zu Hause brauche ich keine Unterhose." Interviewer: "Jogginghose? Badelatschen?" Basler: "Ja, das reicht. So fühle ich mich am wohlsten zu Hause. Da muss ich mir keinen Anzug anziehen, keine Jeans. Da kann ich mich ganz frei bewegen."

Wie sagte Basler einmal so fein: "Ein bisschen Mensch musst du bleiben." Es ist schön, dass er dies stets geschafft hat.

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Quelle: ntv.de