Redelings Nachspielzeit

Redelings verzweifelt Franck Ribéry und die neue Welt der Hater

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Tja. Franck Ribéry. Das ist der Mann in der Mitte.

(Foto: imago/Team 2)

Beim FC Bayern hoffen sie inständig, dass die "private Angelegenheit" des Angestellten Ribéry endlich wieder aus den Schlagzeilen verschwindet. Doch so einfach ist das nicht. Die Sache ist größer, verwirrender und wichtiger, als es auf den ersten Blick scheint.

Die Sache ist die: Auch mehrere Tage danach, weiß man gar nicht recht, wo man anfangen soll. Bei diesem lächerlichen Neureichen-Video, in dem ein Pronto-Salvatore-Verschnitt mit Aerobic-Moves ein goldverziertes Steak zerkleinert und ein Pennäler mit einem Pizzaschürzen-Shirt vor den Lenden aufpassen muss, dass er sich nicht vor Begeisterung einnässt? Oder bei den grenzdebilen und zügellosen Wutbürgern, die ihren eigenen Lebensfrust in anderer Leute Garten, äh Timeline, ausscheiden? Oder vielleicht bei dem verzogenen Sportmillionär, der offensichtlich zu viel Zeit und deutlich zu wenig Selbstbewusstsein hat, weil er sich doch tatsächlich die dämlichen Hass-Kommentare unter seinem mindestens ebenso dämlichen Video auch noch zu Herzen nimmt?

Vielleicht sollte man aber auch erst einmal mit dem Verein dieses Mannes beginnen, der die übelsten Formen der Beleidigung seines Mitglieds in einer ersten Reaktion als "private Angelegenheit" deklariert? Aber dann würde man ja fast schon den Leuten in den sozialen Netzwerken Unrecht tun, die Verständnis für die deftige Wortwahl des Fußballers zeigen und die Schuld viel mehr bei den klassischen Medien suchen. Und diese Medien sind es natürlich auch, die dem FC Bayern mal wieder mit voller Absicht schaden möchten.

Dem glorreichen und unantastbaren FC Bayern, der gerade in Katar seine Zelte aufgeschlagen hat, und sich nun doch noch zu einer Strafe für diese - ja an und für sich - "private Angelegenheit" durchgerungen hat. Natürlich mit dem Hinweis versehen: Wir wissen ja alle, wie emotional unser Sportkamerad aus Frankreich ist. Im Grunde sei er aber ein feiner Kerl, was man ja auch wunderbar daran sehen könne, wie herzlich er sich erst neulich bei dem Journalisten entschuldigt habe, dem er zuvor eine Ohrfeige verpasst hatte.

Das nennt man soziale Verantwortung

Ach, Herrgott! Man könnte sich so herrlich und umfassend mit diesem Thema auseinandersetzen, wenn es im Grunde nicht so heillos sinnlos wäre. Alle Seiten haben ihre klaren Meinungen und sind felsenfest davon überzeugt, dass sie im Recht sind. Eine vernünftige Debatte mit einem offenen Ausgang ist so unmöglich. Sachliche Argumente werden eh abgewürgt, in einer Welt, die nur noch aus Hatern und Neidern auf der einen Seite und treuen Fans auf der anderen zu bestehen scheint.

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Diese Welt, das muss man als jemand, der eine Zeit ohne Internet noch miterleben durfte, einmal konstatieren, nervt zunehmend. Und hätte man keine Kinder, würde man sich aus dieser künstlichen Blase der sozialen Medien mit Kusshand verabschieden. Doch diese neue Welt hat leider eine Relevanz, die es notwendig macht, sich auch mit dieser an und für sich banalsten aller Nichtigkeiten zu beschäftigen. Denn unsere Kinder bekommen es leider mit, wie sich ein bekannter Fußballer in der Öffentlichkeit präsentiert. Direkt und unmittelbar. Auf dem Schulhof oder nachmittags mit den Freunden auf dem Sportplatz. Und dann, lieber FC Bayern, wird aus einer "privaten Angelegenheit" ganz schnell und völlig natürlich etwas gänzlich anderes - und das nennt man soziale Verantwortung.

Doch die kann man aus Katar verständlicherweise nur sehr unzureichend vermitteln. Und wenn man es dann doch versucht, sollte man es nie, nie, niemals mit einer Geldstrafe tun. Aber gut, das wäre wieder ein neues Fass, das man aufmachen müsste. Und auch dieses würde natürlich nicht allen schmecken. Und ändern würde es auch nichts. Leider. Oder um es in Anlehnung an die - zugegebenermaßen - wunderschönen, poetischen Worte Franck Ribérys zu sagen: Es wären nur einige weitere Kieselsteine in den Socken des Fußballs.

Quelle: n-tv.de

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