Redelings Nachspielzeit

Redelings sucht Trainer Holloway - der Peter Neururer von der Insel

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Ian Holloway - so einen braucht die Bundesliga.

imago sportfotodienst

Es wird Zeit für neue Trainer: Die ewig gleichen Namen langweilen die Fans nur noch. Gesucht werden verrückte Köpfe, die die Fußball-Bundesliga aufmischen. Ian Holloway könnte so einer sein. Ein Top-Motivator - und dazu noch überaus witzig.

Im Sommer wird sich das Trainerkarussell wohl so heftig drehen wie selten. Doch gehandelt werden, oh holde Langeweile, die immer gleichen Namen. Manchmal hat man den Eindruck, Bruno Labbadia müsste sich klonen, dann wäre für die meisten Fußball-Bundesligisten die Welt in Ordnung. Deshalb ist die Nennung von Thomas Doll als neuer Coach des Hamburger SV fast schon eine Sensation auf der nach unten offenen Erregungsskala der deutschen Fans. Es wird Zeit, dass endlich ein neuer, unbekannter und unbefleckter Name die Liga aufmischt.

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"Ollie" ist wie Peter Neururer ohne Haare.

(Foto: imago/Focus Images)

Ein Trainer, der ähnlich wie Jürgen Klopp auf der Insel, die Liga durch seine beherzte und extravagante Art aus ihrem Trott herausreißt. In loser Reihenfolge sollen daher an dieser Stelle Namen präsentiert werden, die es verdient haben, einer breiteren Masse vorgestellt zu werden. Ich beginne mit dem herrlich schrägen Ian Holloway von den Queens Park Rangers. Übrigens: Sprachgrenzen sind dazu da, dass sie überwunden werden. Oder um es mit dem griechischen Philosophen und Ex-Nationalspieler Theofanis Gekas zu sagen: "Ich muss kein Deutsch sprechen. Es reicht, wenn ich die Sprache des Fußballs spreche."

"Das hässlichste Mädchen in der Disco"

Ian Holloway, den sie in England "Ollie" nennen, könnte man auch als den "Peter Neururer von der Insel" bezeichnen - zumindest was die Fähigkeiten als Motivator und vor allem das Talent für Sprüche angeht. Ansonsten hat Neururer eindeutig mehr Haare und Holloway entschieden mehr Spiele als Profifußballer. Ollie hat einmal den unsterblich schönen Satz gesagt: "Dieser Sieg war wie das hässlichste Mädchen in der Disco. Aber immerhin haben wir es ins Taxi bekommen." Als einst der Wechsel von Wayne Rooney von United zu Manchester City in den Medien rauf- und runterdiskutiert wurde, fasste Holloway alles Wesentliche über den aktuell für Everton auflaufenden Ex-Nationalspieler zusammen: "Wer will schon so einen Schulhofschläger verpflichten? Und wer will für so einen Klub spielen, der meint, für Geld könne man alles kaufen? Ich sage euch: Im Fußball läuft eine Menge falsch!"

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Holloway stieg als Spielertrainer bei den Bristol Rovers in den Job ein. Eine durchaus passende Berufswahl für einen, der schon immer gerne geredet und von seinen Fähigkeiten eine hohe Meinung hat: "Ich bin absolut überzeugt von dem, was ich tue. Und wenn ich mit jemandem gequatscht habe, dann ist er es danach auch. Ich könnte den Eskimos Schnee verkaufen." Seine Motivationstricks sind in England legendär. 2009 überraschte er als Trainer des FC Blackpool ("Ich liebe Blackpool. Wir sind uns sehr ähnlich. Wir sehen beide im Dunkeln besser aus") sein Team einmal bei der abschließenden Besprechung mit 22 Teddybären auf einem Tisch vorne im Raum. Verteidiger Ian Evatt schwärmt noch heute: "Unser Trainer hat fantastische Ideen, aber mit der Bären-Geschichte hat er sich selbst übertroffen."

Jeder Spieler musste nach vorne kommen und schauen, ob sein Name an einen der Teddybären geheftet war. War dies der Fall, wusste er zudem, welchem Gegenspieler er an diesem Tage zugeordnet war. Ein simpler Trick, der dadurch abgerundet wurde, dass Holloway seinen Spielern versprach, bei einem Sieg dürften sie die Bären behalten. Natürlich gewann Blackpool anschließend die Partie bei Derby County, und jeder Akteur der "Seasiders" nahm einen Teddy als Geschenk für die Kinder mit nach Hause. Das kam riesig an, denn praktischerweise fand die Partie am zweiten Weihnachtstag statt.

"Hier liegt Ollie. Er hat’s versucht!"

Holloways Pressekonferenzen sind bei den Journalisten sehr beliebt. Noch nie ist einer ohne ein druckfähiges Zitat nach Hause gegangen: "Wir brauchen einen großen, hässlichen Verteidiger. Wenn wir so jemanden in unserem Team hätten, wäre Countys erstes Tor nicht gefallen. Der hätte Ball, Gegenspieler und die ersten drei Sitzreihen einfach weggehauen." Die Phasen der Arbeitslosigkeit kann Ian Holloway genauso wenig ausstehen wie sein deutsches Pendant Neururer. Nachdem er mit seinem Team aus Blackpool 2010 das Championship-Play-off-Finale gegen Cardiff erreicht hatte, gestand er indirekt, wie er sich die Zeit ohne Job vertrieben hatte: "Das gefällt mir besser, als Hühnerställe zu bauen, die niemand haben will!"

Was die Zukunft für ihn bringt? Holloway weiß es nicht - und es ist ihm auch egal: "Ich bin Fußballtrainer. Ich kann nicht in die Zukunft schauen. Letztes Jahr dachte ich, ich würde Urlaub in Cornwall machen, und letztlich bin ich in Lyme Regis gelandet." Ein sympathischer Mann und Trainer. Und ein Mensch, der sich trotz des bunten Fußball-Glamours um ihn herum nicht so ernst nimmt: "Auf meinem Grabstein sollte stehen: Hier liegt Ollie. Er hat’s versucht!" Warum nicht auch einmal in der Bundesliga? Die Fans würden sich so einen Mann zur Abwechslung sicherlich sehr wünschen. Schließlich kann Bruno Labbadia nicht überall sein.

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Quelle: n-tv.de

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