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Forsche "Abteilung Attacke"Schlotterbeck in Hoeneß-Manier kitzelt den FC Bayern

09.02.2026, 20:04 Uhr Ben-RedelingsVon Ben Redelings
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Schlotterbeck jubelt. (Foto: IMAGO/DeFodi Images)

BVB-Kapitän Nico Schlotterbeck versucht die Bayern schon seit Wochen im Kampf um die Meisterschaft zu reizen - und erinnert dabei in seiner Art an eine Legende des deutschen Fußballs. Die "Abteilung Attacke" des Uli Hoeneß hat früher auch abseits des Platzes Titel gewonnen. Das weiß offensichtlich auch Schlotterbeck.

Uli Hoeneß soll Nico Schlotterbeck sehr mögen. Und das schon länger. Verständlich, angesichts der sportlichen Leistungen des Dortmunder Profis. Doch in den vergangenen Wochen ist noch etwas beim Mann, der gebürtig aus Waiblingen in Baden-Württemberg stammt, dazu gekommen: Seine Fähigkeit voranzugehen - und sein Team auch abseits des Platzes verbal nach vorne zu pushen. Denn die gezielten Angriffe des Nico Schlotterbeck in den vergangenen Wochen auf den aktuellen Tabellenführer und deutschen Fußball-Rekordmeister erinnern in ihrer Art und Weise ganz stark an einen Mann, der den FC Bayern München zu dem Verein gemacht hat, wie wir ihn heute kennen: Uli Hoeneß.

Die legendäre "Abteilung Attacke" trat früher immer genau dann in Kraft, wenn die Bayern einen Gegner nervös machen oder seine Angriffe abwehren wollten. Unvergessen die Fehde zwischen dem FC Bayern und Uli Hoeneß auf der einen und dem SV Werder Bremen und Willi Lemke auf der anderen Seite. Meisterschaften wurden damals zum Teil auch über die Medien entschieden. Genau daran scheint aktuell Nico Schlotterbeck anknüpfen zu wollen, denn schon seit Längerem versucht er die Bayern bewusst zu reizen.

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Richtig an Fahrt aufgenommen hat es aber erst vor zwei Wochen, als die Bayern unerwartet zu Hause gegen den FC Augsburg verloren haben. Da meinte der Dortmunder Verteidiger selbstbewusst: "Ich will einfach so lang wie möglich dranbleiben. Wenn es dann irgendwann vier oder fünf Punkte sind, werden sie auch überlegen." Damals war der BVB von elf auf acht Punkte Abstand herangerückt. Und dann waren es seit dem vorletzten Wochenende plötzlich nur noch sechs. Dabei ist es geblieben. Doch man konnte den Bayern auch gegen die TSG Hoffenheim - trotz des am Ende deutlich erscheinenden Ergebnisses - anmerken, dass die Worte von Nico Schlotterbeck offensichtlich nicht ganz so falsch waren und sind.

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Denn nach dem Erfolg der Borussia in Wolfsburg meinte der Nationalspieler: "Ich habe mal irgendwann gehört, dass sie kommen, wenn man sie kitzelt. Es sind sechs Punkte, und sie kommen zu uns." Genau diese Art der forschen und vorlauten Attacke und der gezielt gesetzten Nadelstiche hat früher immer Uli Hoeneß ausgezeichnet. Der langjährige Bayern-Manager hat auch in noch so aussichtslos erscheinenden Situationen gespürt, wenn es an der Zeit war, den Gegner zu reizen und in seiner Ruhe zu stören.

Dass Nico Schlotterbeck nun quasi das Erbe von Uli Hoeneß antritt, ist allerdings umso bemerkenswerter. Denn Schlotterbeck ist als aktiver Spieler natürlich deutlich angreifbarer. Das scheint den 26-Jährigen aber offensichtlich nicht zu stören. Ganz im Gegenteil. Nico Schlotterbeck ist sich seiner Rolle sehr bewusst - und lebt diese auf eine äußerst bemerkenswerte Art und Weise gerade aus: "Ich glaube, du spielst halt beim BVB, weil du gewisse Dinge gewinnen willst. Und natürlich bin ich gerade der Kapitän und wenn ich sage, wir wollen vorangehen, wir wollen die oben angreifen, dann gebe ich die Marschroute vor, dann müssen die Jungs nachziehen."

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Am nächsten Wochenende müssen seine "Jungs" nach der fünften Gelben Karte von Schlotterbeck ohne ihren Kapitän gegen den wiedererstarkten FSV Mainz 05 (20.30 Uhr/Sky, RTL und im Liveticker bei ntv.de) auskommen. Sollten sie auch da bestehen, wird es tatsächlich noch einmal richtig spannend im Meisterschaftskampf. Doch egal, wie die Geschichte am Ende ausgehen wird - ein Gewinner des Duells der beiden Klubs steht jetzt schon fest: Nico Schlotterbeck.

Denn auch wenn es nach der Upamecano-Verlängerung in München aktuell aller Voraussicht nach keinen Bedarf für Nico Schlotterbeck geben sollte, wird Uli Hoeneß sicherlich weiter ein großer Fan des gebürtigen Baden-Württembergers sein. Vermutlich wird die Bayern-Legende sogar mit viel Wohlwollen die momentanen Angriffe des Dortmunders verfolgen. Auch wenn sie gegen seinen eigenen Verein gerichtet sind. Denn so viele Spieler, die das Prinzip der "Abteilung Attacke" verstanden und angewandt haben, hat es in der über sechzigjährigen Geschichte der Fußball-Bundesliga auch nicht gegeben.

Quelle: ntv.de

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