Redelings Nachspielzeit

Fußball-Cartoonist Oli Hilbring Sogar Schalker feiern Jürgen Klopp

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Auch (ein bisschen) auf Schalke beliebt: Jürgen Klopp, gezeichnet von Oli Hilbring.

Gerade hat Deutschlands bekanntester Fußball-Cartoonist Oli Hilbring zusammen mit unserem Kolumnisten Ben Redelings ein Buch veröffentlicht. In der beliebten Fragerunde "22 + 3 Antworten sollt ihr sein!" erzählt der "Stricher" – so sein Spitzname – und Schalker aus seinem farbenfrohen Leben!

Welche Fußballmannschaft war die erste Liebe Ihres Lebens?

Die Elf vom Regenkamp, ein Bolzplatz, auf dem wir immer bis es dunkel wurde um die richtig großen imaginären Pokale gekämpft haben. Ich stand oft im Tor mit einem Torwarttrikot von Wolfgang Kneib, ich weiß bis heute nicht warum. Also, warum genau dieses Trikot.

Von welchem Spiel schwärmen Sie noch heute?

Schwärmen ist vielleicht das falsche Wort, aber nachhaltig beeindruckt hat mich das Uefa-Cup-Viertelfinale 1998 Schalke gegen Inter Mailand und da speziell Yves Eigenrauch. Der Kerl kommt nach langer Verletzungspause zurück auf den Platz und nimmt den dicken Ronaldo aus dem Spiel, damals war dieser Ronaldo allerdings noch nicht dick, sondern mit 21 schon zweimal Weltfußballer des Jahres. Das Spiel hatte eine sehr emotionale Dramaturgie, Flutlicht im Parkstadion und Schalke hatte das Hinspiel 1:0 in Mailland verloren. In der 93. Minute rettet uns Michaël Goossens mit einem herrlichen Tor in die Verlängerung. Das komplette Stadion flippt aus und um alle zu beruhigen, schickt der Schiri die Mannschaften erstmal in die Katakomben. Jetzt geht alles. Halbfinale? Noch mal ins Finale? Verrückt! Machen wir es wie Real Madrid und gewinnen den Uefa-Cup zweimal hintereinander? Nein! Ein paar Minuten später macht Taribo West mit dem 1:1 dem Träumen ein Ende. Wir sind raus aus dem Uefa-Cup.

Welche Vorzüge hatte das Leben mit 20?

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Wenn man am Freitag nicht zu viel gefeiert hatte, es schaffte am Samstagmorgen relativ zeitig aufzustehen und man Lust verspürte, den ruhmreichen FC Schalke 04 im Parkstadion zu besuchen, dann konnte man da einfach spontan hinfahren und sich am Kartenhäuschen eine Stehplatzkarte kaufen.

Welche Nachteile hatte das Leben mit 20?

Schalke spielte in der zweiten Liga.

Wer ist Ihr Lieblingsspieler aller Zeiten?

Wenn ich drüber nachdenke, hab ich nicht den einen. In mein Herz spielen sich die, die ihre Birne nicht nur für den Kopfball benutzen. Und die, die auf dem Platz manchmal über ihren Möglichkeiten spielen, dass aber auch wissen. Und natürlich Yves Eigenrauch.

Wer ist Ihr Lieblingstrainer aller Zeiten?

Darf man als Schalke Fan Jürgen Klopp nennen? Klopp lässt sich einfach super zeichnen.

Was ist Ihr Lieblingsstadion aller Zeiten?

Es muss in der Stadt liegen und die Kneipen müssen auch fußläufig zu erreichen sein. Das Ruhrstadion in Bochum ist also ganz weit vorne. Wenn man den Ort wählen müsste, wo den meisten Spaß am Spiel hatte: Bolzplatz Regenkamp.

Worin besteht der Sinn des Lebens?

Für dich und andere Dinge tun, die dafür Sorgen, dass du mit dir selbst zufrieden bist.

Was ist Ihr Lieblingswitz?

Felix Magath hat mit Schalke vier Spiele hintereinander verloren, geht einkaufen und an der Kasse fragt die Kassiererin: "Tach Herr Magath, sammeln Sie Punkte?"

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Lieber ein Abendessen mit Cristiano Ronaldo oder Rihanna?

Ich denke mit Rihanna könnte man besser saufen, bei Ronaldo gibt’s nur einen kleinen Salat und Wasser. Ich würde aber mich bei Ronaldo zum Dinner einladen und Fragen, warum es für ihn leistungstechnisch nie für Schalke gereicht hat?

Schon einmal darüber nachgedacht, wie es wäre, das entscheidende Tor in einem WM-Endspiel geschossen zu haben?

Helmut Rahn war nach seiner Karriere Gebrauchtwagenhändler, Mario Götze kann bis an sein Lebensende Neuwagen fahren. Die Frage wäre, in welcher Zeit hätte man das entscheidende Tor geschossen?

Welcher Mensch außerhalb des Fußballs imponiert Ihnen?

An der Gitarre Angus Young. Aber mir imponieren alle Menschen, die was bewegen, die was machen. Und alle Menschen in meiner Familie, die mit mir alles mitmachen.

Gibt es in Ihrem Leben "erfolgsorientierte Rituale", wie Peter Neururer sie nennen würde?

Zum Fußball brauche ich Filterkaffee und Streuselkuchen, sonst kann ich nach den Spielen keinen ordentlichen Cartoon zeichnen.

Welche Umarmung werden Sie nie vergessen?

Die meiner Kinder.

Würden Sie Werbung für Toilettenpapier machen?

Nein, aber für die Küchenpapierrolle Dick und Durstig.

Würden Sie mit Helene Fischer ein Lied aufnehmen, wenn der Erlös für einen guten Zweck ist?

Wenn ich singen könnte, sofort. Ich kenne Helene Fischer ja nicht persönlich, dass ist bestimmt eine total nette Frau. Wobei sie ja nach dem Halbzeitshow-Debakel damals beim Pokalfinale in Fan-Kreisen nur noch Michelle Pfeiffer genannt wird.

Tiger, Ente, Lutscher. Wenn Sie sich selbst einen Spitznamen geben sollten, wie würde er lauten?

Stricher.

Wann hat Sie Ihr Verein das letzte Mal zu Tränen gerührt?

Ich könnt' fast jedes Wochenende heulen.

Wohin würden Sie mit einer Zeitmaschine reisen?

Auf die A40 ins Jahr 2070 so gegen 8 Uhr. Mich interessiert brennend, ob wir das mit den Staus in den Griff bekommen haben.

In welchem Film hätten Sie gerne die Hauptrolle gespielt?

Bang Boom Bang.

Was war die netteste Begegnung, die Sie je hatten?

Ich hab mal den Highlander, Christoph Lambert in Frankfurt getroffen. Beim Pinkeln, auf dem VIP-Klo. War auf einer Comic Convention. Er schaute sich ein Foto an, auf dem er selbst zu sehen war, an. Beim Pinkeln.

Uli Hoeneß antwortet einmal auf die Frage: "Liebe oder Fußball – was würden Sie wählen?" mit: "Muss ich und würde ich Fußball wählen". Und wie würden Sie antworten?

Das ist ja wie die Frage: Frauenfußball? Find ich beides gut. Ich würde doch eher die Liebe wählen.

Was ist die tollste Telefonnummer, die Sie abgespeichert haben?

Die von meinem Orthopäden.

Was ist die schönste Erinnerung an früher?

Feiern. Tanzen. Trinken. Ohne danach eine Woche platt zu sein.

Berti Vogts hat auf die Frage nach seinem Lebensmotto geantwortet: "Heute ist der schönste Tag der Woche". Was Ihr Motto?

Für manche Jobs mag ich ein Film-Zitat aus Platoon: "Ich gehe besser alleine, dann kann ich mich schneller bewegen". Fürs Leben vielleicht Jürgen von Manger: "Bleibense Mensch!"

Quelle: ntv.de