Fußball-WM 2018

Und Löw freut sich im Campo Argentinien robbt mit müdem Messi ins Finale

3289D400DC502063.jpg2997390124731263206.jpg

Lionel Messi und seine Kollegen haben ihren Job erfüllt. Mehr aber auch nicht.

(Foto: AP)

Mit Glück, sangesfreudigen Fans und einer starken Abwehr quält sich Argentinien gegen die Niederlande ins Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Und trifft dort mal wieder auf Deutschland. Bundestrainer Löw muss sich was einfallen lassen.

imago_sp_071001400051_16881018.jpg4565040796936855846.jpg

Messi wird ein bisschen was drauflegen müssen, wenn es gegen Deutschland reichen soll.

(Foto: imago/Ulmer/Teamfoto)

Manchmal kann Fußball auch einfach langweilig sein. Zum Beispiel, wenn die Niederlande gegen Argentinien im Halbfinale der Weltmeisterschaft darum spielt, wer am Sonntag in Rio de Janeiro im Endspiel gegen die deutsche Mannschaft antreten darf. Am Ende gewannen, das dürfte mittlerweile bekannt sein, die Südamerikaner, weil sie an diesem kühlen und verregneten Mittwochabend in São Paulo die besseren Elfmeterschützen in ihren Reihen hatten. Das ist nicht verboten, aber überzeugt hat das niemanden, was beide Mannschaften in puncto Tempo, Spielwitz und Risikobereitschaft boten.

Wer auf eine hochklassige Partie gehofft hatte, mag sich nach 90 Minuten gewünscht haben, beide Mannschaften würden es doch bitte halten wie der schwarze Ritter im Monty-Python-Film "Die Ritter der Kokosnuss" beim Kampf gegen König Arthus: "Also gut, einigen wir uns auf Unentschieden." Nur, wer war hier wer? Schließlich kam im Film das großzügige Angebot erst, als der Ritter mit abgetrennten Gliedmaßen am Boden lag. Und außerdem: Remis ging natürlich gar nicht.

Und so waren in der Arena de São Paulo eher die Freunde des Fußballs unter den 63.267 Zuschauern die Gequälten. Wie das so ist, wenn zwei Mannschaften auf dem Rasen stehen, die sich so sehr darauf konzentrieren, in der Defensive keinen Quatsch zu machen, dass ihnen jegliche Kreativität abhanden geht. Das zog sich bis in die  Verlängerung. Zweimal schoss der eingewechselte Rodrigo Palacio von Inter Mailand aufs Tor, einmal der Niederländer Dirk Kuyt. Aber je mehr sich die ihnen zugesprochene Extrazeit dem Ende zuneigte, desto weniger Lust hatten die Mannschaften, irgendetwas zu wagen. Sie warteten, gelangweilt von der eigenen Ideenlosigkeit, auf das Elfmeterschießen.

Der Bundestrainer sollte sich was einfallen lassen

Damit ist auch gleich die Frage beantwortet, ob Bundestrainer Joachim Löw und die DFB-Elf sich vor dieser argentinischen Mannschaft seines Kollegen Alejandro Sabella fürchten müssen. Nein, müssen sie natürlich nicht. Aber sie sollten sich im Finale was einfallen lassen, wie sie die gut organisierte und kompakte Abwehr knacken. Dort verteidigen Martin Demichelis, bekannt aus Funk, Fernsehen und seiner Zeit beim FC Bayern, und Ezequiel Garay von Benfica Lissabon innen, Pablo Zabaleta von Manchester City und Marcos Rojo von Sporting Lissabon an den beiden Enden der Viererkette. Das machen sie gut, auch gegen die Niederlande hatten sie die Sache im Griff. Robin van Persie und der Münchner Arjen Robben, der seinen Ex-Kollegen Demichelis vor dem Anpfiff umarmte, hatten nicht viel zu melden.

Und Lionel Messi? Hat nun mit 92 Länderspielen eins mehr als Maradona. Der Weltfußballer a. D. des FC Barcelona hatte seine Mannschaft bisher als kreativer Kopf und Torschütze durchs Turnier in Brasilien geführt, in diesem Halbfinale aber wirkte er müde, viel war nicht von ihm zu sehen. Das galt auch für seine Kollegen in der Offensive, Gonzalo Higuaín vom SSC Neapel und den gestern etwas gefährlicheren Ezequiel Lavezzi von Paris St. Germain. Vielleicht lag es auch daran, dass Ángel Di María von Real Madrid verletzt fehlte. Ansonsten dürfte im Campo Bahia nicht nur der Bundestrainer wohlwollend registriert haben, dass der Gegner bis zum Finale im Maracanã nicht nur einen Tag weniger Pause hat, sondern auch 30 Minuten länger spielen musste. Ausrichten ließ er aber etwas anderes: "Europa gegen Südamerika - eine reizvolle Konstellation. Wir werden uns gut vorbereiten und freuen uns auf Rio."

Das tun natürlich auch die Argentinier, die nun nach 1986 und 1990 zum dritten Mal in einem WM-Finale auf die deutsche Mannschaft treffen, 1:1 steht es in dieser exklusiven Wertung. Die Fans jedenfalls hatten ihren Spaß, auch ganz unabhängig vom Spiel. Ein beliebter Trick ist, sich eine Partie einfach schönzusingen. Immer wieder antworteten sie auf die Pfiffe der Brasilianer im Stadion mit einem inbrünstigen "Maradona es mas grande que Pelé" (Maradona ist größer als Pelé). Und als sei die Halbfinalniederlage der Gastgeber gegen die gnadenlosen Deutschen in Belo Horizonte am Tag zuvor nicht der Demütigung genug gewesen, zählten sie lauthals auf Portugiesisch bis sieben. Warum nur? Hollands Robben, der den Abend einfach nur "scheiße" fand, kannte übrigens das Ergebnis vom Sonntag schon: "Deutschland wird Weltmeister. Das steht für mich fest. Die Argentinier werden keine Chance haben."  

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema