Fußball-WM 2018

Löws Aphorismus und Özils Tattoo DFB-Elf will mit den USA nicht paktieren

Ein Remis, gar eine knappe Niederlage gegen die USA reicht den deutschen Fußballern fürs Achtelfinale der WM. Doch Mesut Özil würde darüber lachen - wenn er je lachen würde. Und Bundestrainer Joachim Löw macht sich völlig frei.

Der Plan ist klar: Nach dem klaren Sieg gegen Portugal und dem wilden 2:2 gegen Ghana will sich die deutsche Nationalmannschaft gegen die USA mit einem Remis zufriedengeben. Wie bitte? Kleiner Scherz. Zumindest hat das niemand so gesagt. Auch wenn der DFB-Elf heute im dauerverregneten Recife (ab 18 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) tatsächlich ein Remis im letzten Gruppenspiel reichen würde, um als Sieger der Gruppe G das Achtelfinale bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien zu erreichen. Selbst bei einer knappen Niederlage würde es mit dem Einzug in die K.-o.-Runde klappen.

Aber selbstverständlich wird es keinen Friedensgipfel zwischen den, wie sie betonen, Freunden Jürgen Klinsmann und Joachim Löw in der mit ihren 42.610 Sitzplätzen ausverkauften Arena Pernambuco geben. Das haben jedenfalls beide Trainer und alle auch nur irgendwie Beteiligten beim, wie der Brasilianer sagt, "Pré Jogo" vor diesem Gruppenfinale betont. Was das betrifft, müssen sich die Ghanaer und Portugiesen also keine Sorgen machen, die zur gleichen Zeit gegeneinander spielen und ebenfalls noch aufs Achtelfinale hoffen. Wenn hier irgendetwas abgesprochen ist, dann die Sprachregelung.

"Es gibt keinen Pakt oder Nichtangriffspakt"

USA - Deutschland, ab 18 Uhr in Recife

USA: Howard - Johnson, Cameron, Besler, Beasley - Beckerman, Jones, Bedoya, Bradley, Zusi - Dempsey. - Trainer: Klinsmann

Deutschland: Neuer - Boateng, Mertesacker, Hummels, Höwedes - Lahm - Schweinsteiger (Khedira), Kroos - Özil, Müller, Götze. - Trainer: Löw

Schiedsrichter:
Irmatov (Usbekistan)

Mesut Özil, der deutsche Mittelfeldspieler mit neuer Aufgabe auf dem rechten Flügel, wurde bei der Presskonferenz vor dem Spiel erst als "Mister Mesut" vorgestellt und gab dann zu Protokoll: "Als Spieler denkt man generell nicht daran, unentschieden zu spielen." Und der Bundestrainer sprach dann, als er an der Reihe war, gleich für seinen ehemaligen Chef Klinsmann mit: "Es gibt keinen Pakt oder Nichtangriffspakt. Für uns ist das kein Thema. Wir haben beide die Devise, das Spiel zu gewinnen." Und was seine Spieler betrifft: "Einige waren noch gar nicht geboren, als das Spiel stattfand." Gut, dass das auch mal gesagt wurde. Im Grunde sind es ja auch nur die Journalisten, die ständig an die "Schande von Gijón" bei der WM 1982 in Spanien erinnern. "Für die Medien ist das ein schönes Thema, dass ein Showdown ansteht. Wir können uns beide völlig freimachen von diesen Dingen."

Das ist schön. Nicht so schön war, dass Löw partout nicht verraten wollte, wer heute in der Startelf steht. Die elf Spieler, die auch gegen Portugal und Ghana angefangen haben? Oder doch einer wie Miroslav Klose zum Beispiel, der zwar 36 Jahre alt ist, aber immer noch Tore schießt? Oder Bastian Schweinsteiger, der den erschöpften Sami Khedira im defensiven Mittelfeld ersetzen könnte? Kein Kommentar. Nur so viel: Denkbar sei viel. "Muss aber nicht unbedingt sein. Wir haben unterschiedliche Lösungen für Spiele." Und er sei, versicherte der Bundestrainer, relativ weit mit seinen Überlegungen. Ansonsten, das gab er seinen Zuhörern noch mit auf den Weg, gelte der Löw`sche Aphorismus: "Entscheidend ist nicht die Aufstellung. Entscheidend ist die Einstellung."

Das war dann ungefähr so informativ wie die Einschätzung, dass auch der Gegner aus dem Norden Amerikas versuchen werde, das Spiel zu gewinnen, um seinerseits als Gruppensieger ins Achtelfinale zu stürmen. Entsprechend "beherzt und energiegeladen" werde die Mannschaft seines "Freundes Jürgen" auftreten. "Die USA lassen dem Gegner normalerweise kaum Zeit, den Ball in Ruhe anzunehmen und weiterzuspielen." Das ist im modernen Fußball in der Tat ein probates Mittel, einem Favoriten das Leben so schwer wie möglich zu machen. Und der ist immer noch die deutsche Mannschaft.

"Mister Mesut" hat übrigens seit drei Monaten ein neues Tattoo auf dem linken Oberarm. "Only God can judge me", steht dort unter einem brüllenden Löwen. "Gott allein kann über mich richten." Auch verdammt nah‘ am Aphorismus. Aber natürlich viel besser als: "Ich liebe Unentschieden." Drüber reden will er nicht. Sei zu privat. "Das, was ich mir gestochen habe, bleibt erst einmal bei mir." Dafür sprach er: "Wir wollen unbedingt Weltmeister werden." Dieses hehre Ziel könnte seine Mannschaft allerdings auch dann noch erreichen, wenn es heute nur zu einem Unentschieden langt. Aber da denkt Özil nicht einmal dran.

Quelle: ntv.de

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